Einst häufigste Art Marienkäfer mit zwei Punkten verschwinden

Vor 40 Jahren waren Marienkäfer mit zwei Punkten in Deutschland die häufigsten ihrer Art - jetzt entdeckt man kaum noch welche. Biologen haben eine Erklärung gefunden.

Zweipunkt-Marienkäfer
M.Woelky/ Entomologische Gesellschaft ORION/ DPA

Zweipunkt-Marienkäfer


Der heimische Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata) wird immer seltener. Bis in die Siebzigerjahre war er eine der häufigsten Marienkäferarten in Deutschland. "Bei unseren Erhebungen finden wir nur noch wenige Einzelexemplare", sagt Werner Schulze, Vorsitzender des Bundesfachausschusses Entomologie beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Laut einer Studie der Universität Gießen sind Parasiten für das Verschwinden verantwortlich. Sie werden vom eingewanderten Asiatischen Marienkäfer übertragen. Zweipunkt-Marienkäfer infizieren sich, wenn sie die Larven des asiatischen Artverwandten fressen.

Weniger schädlich sind die Parasiten für den heimischen Siebenpunkt-Marienkäfer. Sein Bestand hat sich nach Erkenntnissen des Nabu erholt.

Der Hauptschuldige

Der Schwund des Zweipunkt-Marienkäfers verweise auf einen harten Verdrängungskampf, der sich im Mikrokosmos der kleinen Krabbler vollziehe, berichten Forscher. Andreas Vilcinskas von der Universität Gießen kennt den Hauptschuldigen: Harmonia axyridis, der Asiatische Marienkäfer.

Er wurde in den Achtzigerjahren zur Schädlingsbekämpfung nach Europa gebracht und hat sich seither rasant vermehrt. "Der Asiatische Marienkäfer ist weiter auf dem Vormarsch", sagt Vilcinskas.

Warum ausgerechnet der Zweipunkt-Marienkäfer so stark unter dem asiatischen Einwanderer leidet, war den Forschern lange ein Rätsel. Zwar ist der Asiatische Marienkäfer größer und vermehrt sich schneller, doch diesen Vorteil hat er auch gegenüber anderen Arten.

Appetit als Verhängnis

Mittlerweile weiß man: Für das große Sterben sind Parasiten verantwortlich, die die asiatische Käferart mitgebracht hat. Andreas Vilcinskas und sein Team fanden heraus, dass schon seine Larven stark infiziert sind. Der asiatische Käfer verfügt über einen natürlichen Schutzstoff gegen diese Parasiten - ein Schutz, der dem heimischen Zweipunkt-Marienkäfer fehlt.

Zum großen Verhängnis wird dem Zweipunkt-Krabbler letztlich sein Appetit: Wenn er die Larven seines asiatischen Artverwandten frisst, infiziert er sich und stirbt.

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Verstärkt wird das Problem dadurch, dass diese gefährlichen Leckerbissen in immer größerer Zahl vorhanden sind. Denn im Gegensatz zu den heimischen Arten legt der Asiatische Marienkäfer nicht nur einmal im Jahr Eier, aus denen die Larven schlüpfen. "Er produziert mehr als eine Generation pro Jahr und hat deutlich mehr Nachkommen pro Saison", erklärt Sandra Krengel vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Kleinmachnow.

Die Zeichen stehen also alles andere als gut für den heimischen Käfer mit den zwei markanten Punkten. Wenn er keine Abwehr gegen die todbringenden Parasiten entwickeln kann, dürfte er aus Deutschland bald verschwunden sein. Wissenschaftlern und Naturschützern bleibt nur, das traurige Schicksal zu beobachten.

Tief ins Gehölz

Werner Schulze vom Nabu stellt ernüchtert fest: "Den Zweipunkt hat es wirklich hart getroffen. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass sich sein Bestand erholt."

Auch für Käferliebhaber Jens Esser, Vorsitzender der Entomologischen Gesellschaft Orion in Berlin, sind das traurige Aussichten. Er muss tief ins Gehölz steigen, um den kleinen Marienkäfer überhaupt noch einzufangen. "Am ehesten entdecke ich ihn in Sümpfen auf Rohrkolben und Schilfen," sagt er.

Dabei ist jetzt Frühling, die Baumrinden werden warm, und die Blätter sprießen - eigentlich die beste Zeit für die Suche nach Marienkäfern.

boj/dpa

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