Satellitenbild der Woche Vier Brüder, ein Sturm und Neuseelands Fjorde

Charakteristisch für die südliche der zwei neuseeländischen Hauptinseln ist ein zerklüftetes Küstengebiet. Um die Entstehung ranken sich Mythen - es gibt aber auch eine wissenschaftliche Erklärung.

Meerenge Marlborough Sounds
NASA/ Joshua Stevens/ U.S. Geological Survey

Meerenge Marlborough Sounds


Die Nordspitze der neuseeländischen Südinsel fasziniert Forscher und Geschichtenerzähler gleichermaßen. In der Mythologie der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, gibt es mehrere Geschichten über die Entstehung der zerklüfteten Landschaft. Eine geht so:

Ein Junge namens Aoraki soll gemeinsam mit drei seiner Brüder und einer Crew über das offene Meer gefahren sein, als ein Sturmgott das Boot auf ein Riff prallen und kentern ließ. Als die Brüder aus dem Wasser krabbelten, ließ ein eiskalter Wind sie auf der Stelle erfrieren und verwandelte sie zu Stein.

Aus dem gekenterten Boot wurde der Geschichte nach Neuseelands Südinsel. Aus dem versteinerten Aoraki, dem größten der Brüder, soll der Mount Cook entstanden sein (nicht im Bild), der höchste Berg Neuseelands. Er wird bis heute auch Aoraki genannt. Die anderen Brüder formten die Neuseeländischen Alpen, in denen auch der Mount Cook liegt. Der teils untergegangene Bug des Bootes soll unter anderem die labyrinthartigen Marlborough Sounds im Norden der Insel geformt haben.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Eine Insel taucht ab

Anfang Dezember 2017 hat der Operational Land Imager (OLI) an Bord des Nasa-Satelliten "Landsat 8" das Netz aus Wasserwegen und Halbinseln in Echtfarben aufgenommen. Am hellsten ist das Wasser an den Mündungen, wo Flusssedimente sich am Grund abgelagert haben und es verfärben. Die Meeresarme sind zumeist flach, keiner ist tiefer als 50 Meter. Nur in den äußeren Bereichen ist dunkles, tiefes Wasser zu erkennen.

Obwohl sagenumwobene Geschichten natürlich mehr Spaß machen, gibt es auch eine wissenschaftliche Erklärung für die Form der Marlborough Sounds. Demnach hat sich der nördliche Teil der Küstenberge vor etwa 1,5 Millionen Jahren geneigt; er begann, ins Meer zu sinken. Das Wasser flutete küstennahe Täler und formte sogenannte Rias - Wasserläufe, die ähnlich wie Fjorde ins Land reichen, im Gegensatz zu diesen aber nicht durch Gletscher entstanden sind.

Mit der Zeit veränderte die Insel immer wieder ihre Form - jedes Mal, wenn der Meeresspiegel zu- oder abnahm. Geologen gehen davon aus, dass die heutige Form ungefähr seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 7000 Jahren besteht.

jme

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