Marodes Atommüllager Strahlenschützer präsentieren Wege aus dem Asse-Dilemma

Bis zum Jahresende will das Bundesamt für Strahlenschutz entscheiden, was mit dem Atomlager Asse passieren soll. Nun liegen die entscheidenden Gutachten zu auf dem Tisch, wie das marode Bergwerk geschlossen werden könnte. SPIEGEL ONLINE stellt die drei Optionen vor.

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Videoanimation zur Asse-Schließung: "Heute ist ein neuer Meilenstein gesetzt"
dpa

Videoanimation zur Asse-Schließung: "Heute ist ein neuer Meilenstein gesetzt"


Berlin - Wie soll es mit dem einsturzgefährdeten Atomlager Asse weitergehen? Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Monaten drei Expertengruppen befasst. Sie sollten Schließungskonzepte für das einsturzgefährdete Salzbergwerk untersuchen, in dem von 1967 bis 1978 schwach- und mittelradioaktiver Müll eingelagert wurde. Am Freitagnachmittag hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nun auf einer Bürgerversammlung im niedersächsischen Schöppendtedt die Ergebnisse der Studien vorgestellt.

"Heute ist ein neuer Meilenstein gesetzt", sagte Behördenchef Wolfram König im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er will nun bis zum Jahresende entscheiden, welches der drei Konzepte umgesetzt werden soll (klicken Sie auf einen der drei Punkte, um mehr über dieses Konzept zu erfahren):

Einstweilen will das Bundesamt die Gutachten noch nicht öffentlich bewerten. In den vergangenen Wochen hatten unter anderem Umweltschützer der Organisation Robin Wood erklärt, die Behörde favorisiere im Geheimen die Verfüllung des Bergwerks mit Beton. Doch Behördenchef König dementiert vehement: "Es hat nie eine Präferenz gegeben." Vielmehr gehe es darum, "unter den vielen schlechten Randbedingungen die sicherste Variante auszuwählen".

Katalog mit 18 Kriterien

Um die Entscheidung zu erleichtern, hat das BfS einen Katalog von 18 Kriterien aufgestellt. Damit sollen die Konzepte in den kommenden Wochen untersucht werden. So wird bei jedem Vorschlag zum Beispiel überprüft, wie hoch die Strahlenbelastung ausfällt, ob die Idee technisch umsetzbar ist - und ob sie sich genehmigungsrechtlich überhaupt auf den Weg bringen ließe. Doch die Entscheidung dürfte alles andere als einfach sein: "Alle drei Gutachten sind technisch umsetzbar", sagt Wolfram König, und würden auch die Vorgaben zum Strahlenschutz für Anwohner und Mitarbeiter erfüllen.

Die Asse-II-Begleitgruppe, ein Diskussionsforum, das kritische Öffentlichkeit, Lokalpolitiker, Betreiber und Aufsichtsgremien zusammenbringt, hat indes noch weitere Kriterien aufgestellt: Zum einen soll jede Entscheidung im Bezug auf den Müll revidierbar sein, zum anderen soll die dauerhafte Kontrolle der eingelagerten Strahlenfracht gewährleistet sein. Das BfS will diese Wünsche nicht rundheraus vom Tisch wischen, hält sie aber nicht für entscheidend. In jedem Fall, so sichert die Behörde zu, werde man aber mit den Anwohnern sprechen: "Wir werden versuchen, die größtmögliche Sicherheit für die betroffenen Menschen zu schaffen", sichert Behördenchef König zu.

Zu den Kosten der drei Szenarien findet sich, zumindest in den Zusammenfassungen der Experten nichts. Der Naturschutzbund (Nabu) forderte aber schon einmal prophylaktisch, die Betreiber der Atomkraftwerke müssten dafür zur Kasse gebeten werden. Verbandschef Olaf Tschimpke verwies darauf, dass die Mehrzahl der dort eingelagerten 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen aus Kernkraftwerken stammten. Die Atomindustrie hat eine Übernahme der Sanierungskosten bisher stets abgelehnt.

Mit Material von dpa und ddp



Forum - Kernenergie - längere Laufzeiten trotz Reaktorpannen?
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Rainer Eichberg 11.07.2009
1.
Zitat von sysopDie Kernenergie ist wieder diskutabel gewonnen, auch ein Ausstieg aus dem Ausstieg wird von Politikern erwogen. Wie zukunftsfähig ist die Atomenergie heute? Sollen die Reaktorlaufzeiten trotz der aktuellen Pannen verlängert werden?
Ja. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
WillyWusel 11.07.2009
2.
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Sie und Ihr Nachbar stehen jeweils mit MG ausgerüstet einem gefesselten Mann gegenüber. Sie meinen, es ist kein Unterschied, ob Sie den Mann an der Wand erschiessen oder Ihr Nachbar? Tot ist der sowieso? Schon mal was von Verantwortung für sein eigenes Tun gehört?
kellitom, 11.07.2009
3. Söder und Ramsauer sind realitätsblind
Herr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
flowpower22 11.07.2009
4.
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Es macht eben schon einen Unterschied. Glauben sie es oder nicht, aber die Welt schaut schon auf das was Deutschland macht. Wenn wir weiter mit Siemens die Speerspitze der Atomstrombewegung spielen, so werden die Bedenken in der Welt zerstreut. Aber es wird dann eben so sein wie immer. Die ärmeren Länder rechnen bei Sicherheitstandards vieles runter im Vergleich zu Deutschland. Auch diese sonderbare Haltung es bliebe uns quasi gar nichts anderes übrig halte ich für grossen Käse. In den 70'er Jahren gab es von der Politik verordnete Autofreie Sonntage um Sprit zu sparen. Das waren die schönsten Sonntage seit lange. Niemand hat diese Dreckskisten auch nur eine Sekunde vermisst.
flowpower22 11.07.2009
5.
Zitat von kellitomHerr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
Ich kann nur hoffen, dass die Bayern endlich aufwachen und dieser CSU mal die rote Karte zeigen werden in ein paar Wochen. Das wäre ein sehr gutes Zeichen und ein Sieg für das schöne Bayernland.
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