Gipfel in Marrakesch Staaten appellieren an Klimaskeptiker Trump

Die Erderwärmung nannte Donald Trump einmal einen "Schwindel". Zum Ende der Klimakonferenz in Marrakesch haben Staaten einen Appell an den künftigen US-Präsidenten gesandt - mit einer Einladung auf die Fidschi-Inseln.

Aufblasbarer Globus in Marrakesch
AFP

Aufblasbarer Globus in Marrakesch


So romantisch die Fidschi-Inseln klingen, diese Einladung dorthin ist es weniger: Frank Bainimarama, Regierungschef des kleinen Inselstaats, hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf der Klimakonferenz in Marrakesch am Freitag zu einem Besuch gebeten. Der Klimaskeptiker solle sich persönlich von den Folgen der Erderwärmung überzeugen.

Fidschi ist von den Folgen des Klimawandels besonders bedroht. Viele andere Staaten - die sich auf dem Gipfel auf einen Klimafahrplan einigten - wandten sich mit ebenso eindringlichen Appellen an Trump, sich am Kampf gegen den Klimawandel zu beteiligen.

Trumps Wahlsieg hatte mit Blick auf die Verhandlungen in Marrakesch für Diskussionen gesorgt. Der designierte US-Präsident hatte im Wahlkampf angekündigt, das Pariser Klimaschutzabkommen aufzukündigen, den Klimawandel nannte er "teurer Schwindel".

Allerdings gilt es, nicht nur Trump zu überzeugen. Die Weltgemeinschaft hatte sich in der französischen Hauptstadt im Dezember 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. Die bisher vorliegenden nationalen Zusagen zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes reichen dazu allerdings bei Weitem nicht aus. Auch die Finanzhilfen reicher Staaten für die Bewältigung des Klimawandels in armen Ländern sorgten in Marrakesch erneut für schwierige Diskussionen.

Zum Abschluss ihrer knapp zweiwöchigen Beratungen in Marokko beschlossen die Delegierten aus mehr als 190 Staaten in der Nacht zum Samstag einen Fahrplan zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris. Gleichzeitig bekräftigten sie ihr Engagement für den Klimaschutz. In ihrer Abschlusserklärung verpflichteten sich die Teilnehmerstaaten, ihre Fortschritte beim Klimaschutz bereits 2017 zu "überprüfen". Bis 2018 soll dann eine Bilanz gezogen werden.

"Kampf für die Zukunft unseres Planeten"

Konferenzleiter Salaheddine Mezouar sagte, die internationale Gemeinschaft stehe in einem "großen Kampf für die Zukunft unseres Planeten". Es gehe dabei um "die Würde von Abermillionen Menschen", fügte Marokkos Außenminister hinzu. Die Botschaft der Konferenz an Trump laute daher: "Wir zählen auf Ihren Pragmatismus und Ihren Geist der Verpflichtung."

Das Uno-Klimaabkommen war am 4. November in Kraft getreten und wurde inzwischen von 110 Staaten ratifiziert, darunter die größten Treibhausgasverursacher USA und China. Da das Abkommen inzwischen in Kraft ist, wäre eine nachträgliche Annullierung des US-Beitritts ein kompliziertes und langwieriges Unterfangen. Vertreter mehrerer US-Bundesstaaten kündigten ebenso wie China, Indien und Saudi-Arabien an, am Pariser Abkommen festzuhalten.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) lobte die Konferenz in Marrakesch als konsequente Fortsetzung der Klimaschutzbemühungen in Paris: "Wir haben den Rückenwind der letzten Monate genutzt und wichtige Weichen für die zügige und ambitionierte Verwirklichung des Paris-Abkommens gestellt". Die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn erklärte, die Weltgemeinschaft habe sich trotz Trump entschlossen, das Klima zu retten - auch, weil es mit den erneuerbaren Energien inzwischen ein Alternative zu Kohle und Öl gebe.

Auch Umweltverbände lobten die erzielten Fortschritte. In Marrakesch seien die Teilnehmerstaaten "näher zusammengerückt", sagte Regine Günther vom WWF. Der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, wertete die Konferenz als "ermutigenden Schub" für die Umsetzung des Paris-Abkommens. Der Klimaexperte von Oxfam, Jan Kowalzig, wies jedoch darauf hin, dass die Ausarbeitung des Regelwerks "noch Jahre dauern" werde.

Die nächste Klimakonferenz wird 2017 von den Fidschi-Inseln ausgerichtet, sie findet aus logistischen Gründen aber in Bonn statt. Die übernächste Klimakonferenz wird dann 2018 in Polen stattfinden.

kig/AFP

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w.diverso 20.11.2016
1. Vielleicht sollte Herr Trump dieses Thema auch mal googeln?
Wenn er auch vielleicht noch draufkommt, dass bei der Reduzierung all zu schädlicher Einflüsse auch noch durch neue Technologien Geld zu verdienen ist, wird er dieses Thema vielleicht auch anders sehen.
ramskamp 20.11.2016
2. Klima
1286 war Sylt keine Insel. 2086 gibt es Sylt und die Fidschies nicht mehr. Und in der Zwischenzeit kann ich als Klimakongressteilnehmer die Welt bereisen.
serdulosello 20.11.2016
3. Klima
Was soll das schon wieder heissen? Trump hat klar gesagt: Er bestreitet nicht, dass es eine Erwärmung gibt. Er glaubt nur nicht, dass es zum grossen Teil vom Menschen verursacht wird. Aus der ganzen Rechnung der GlobalWarming fehlt nämlich eine Kleinigkeit: die SONNE. (It's the sun, stupid!)
joes.world 20.11.2016
4. Siamesische Zwillinge
CARE hat eine Studie veröffentlicht, nachdem im Jahr 2015 weltweit 8,6 Millionen vor Kriegen und Kämpfen aus ihrer Heimat geflohen sind. Im selben Zeitraum verloren rund 15 Millionen ihr Zuhause auf Grund von Wetterextremen und verließen ihre Heimat. Der Gipfel ist notwendig und wichtig. Wir müssen einen Wandel herbeiführen, wenn die Menschheit langfristig überleben will. Aber beim Klimaschutz Fortschritte zu machen, ist das eine. Sein Siamesischer Zwilling muss der Kampf gegen das weltweite Bevölkerungswachstum sein. Nur beides gemeinsam, gibt uns langfristig eine Chance. Leider ist eine ein-Kind-Politik, wie sie die Welt bräuchte, in vielen Gesellschaften verpönt. In vielen aus religiösen Gründen, wo man arm ist, aber glaubt den eigenen Glauben mit vielen Kindern vorantreiben zu müssen. In anderen Gesellschaften aus der Unflexibilität ihrer Machthaber heraus, die glauben nur mit steigender Bevölkerung die Pensionen der Alten finanzieren zu können. Was aber, wenn das Land für die potentiellen Pensionszahler aus geht? Zumindest kein Land mehr existiert, dass sich selber noch regenerieren kann. Es ist die Überbevölkerung, die alles verschlimmert. Nehmen wir nur ein Land her, exemplarisch für viele: Ägypten. Im Altertum hielt ein einziger Fluss, der Nil, eine ganze Hochkultur am Leben. Als dann in den 1950ern 30 Millionen in diesem Land lebten - gab es deshalb aber nicht mehr Wasserquellen. Immer noch - bis auf einige unergiebige Oasen - nur einen Fluss. Heute sind es bald 90 Millionen. 3 x so viel wie vor rund 60 Jahren. Und immer noch nur einen Fluss zum trinken, waschen, bewässern, Toiletten spülen, Abwasser einleiten, leben. Und neuer Internetstar in Ägypten ist ein Taxifahrer, der seinen Frust freien Laufen ließ und von der Regierung endlich mehr Landwirtschaftsflächen für Leute wie ihn, forderte. Wie aber soll die Regierung das anstellen? Wasser herbeizaubern und die Sahara damit überfluten um fruchtbares Land aus ihr zu machen? Damit der junge Taxifahrer mit seinen drei Kindern noch weitere zeugen und ernähren kann? Die Menschheit scheitert an ihrer Überbevölkerung. Denn wie das Wasser für die steigende Flut an Menschen weniger wird, so werden dies auch andere Ressourcen. Man kann diese eine Zeitlang noch besser nutzen, in dem man die Welt exzessiv ausplündert. Aber irgend wann einmal hat es sich dann auch damit. So werden die Verteilungskämpfe immer härter geführt werden. Und Leute wie Sisi werden respektiert werden. Weil sie die überbordenden Menschenmassen noch im Zaun halten können. Überspitzt ausgedrückt: Weniger Menschen – mehr Lebensqualität – mehr Demokratie. Mehr Menschen – immer weniger Lebensqualität für alle – mehr Diktaturen. Unsere Politiker sollten UNO Programme für eine weltweite Geburtenkontrolle vorantreiben. Denn Geburtenkontrolle ist der Siamesische Zwilling des Klimaschutzes.
zeichenkette 20.11.2016
5.
Zitat von serduloselloWas soll das schon wieder heissen? Trump hat klar gesagt: Er bestreitet nicht, dass es eine Erwärmung gibt. Er glaubt nur nicht, dass es zum grossen Teil vom Menschen verursacht wird. Aus der ganzen Rechnung der GlobalWarming fehlt nämlich eine Kleinigkeit: die SONNE. (It's the sun, stupid!)
Klar, das ganze CO2, das aus den Unmengen ausgebuddelten Kohlenwasserstoffen kommt, die wir verbrennen, bleibt auf unerklärliche Weise folgenlos, während die blitzartige Erwärmung ihren Grund in unerklärlichen, aber auf jeden Fall natürlichen Phänomenen hat. Das klingt für mich und für jeden anderen nüchtern denkenden Menschen nach Wunschdenken.
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