"Curiosity"-Mission Mars-Rover findet organisches Material

Gibt oder gab es Leben auf dem Mars? Diese Frage beschäftigt Forscher seit Jahrzehnten. Nun fanden sie zwar keine endgültige Antwort - aber neue Hinweise.

NASA/JPL-Caltech/MSSS/DPA

Der Marsrover "Curiosity" ist einer der Stars der Nasa. Nun hat das rollende Labor auf dem Roten Planeten neue Entdeckungen gemacht: "Curiosity" stieß in Jahrmilliarden altem Sedimentgestein auf organische Materie. Die relativ einfachen Kohlenstoff-Verbindungen könnten Relikte aus einer lebensfreundlichen Zeit auf dem Roten Planeten sein, als dort möglicherweise Mikroben wimmelten.

Darüber hinaus hat der Rover der US-Raumfahrtbehörde Nasa eine stark schwankende Methankonzentration in der heutigen dünnen Marsluft festgestellt. Methan wird auf der Erde vor allem durch biologische Prozesse produziert - es entsteht etwa bei Verdauungsprozessen von Rindern.

Wissenschaftler um Jennifer Eigenbrode vom Goddard Space Flight Center der Nasa hatten mit dem Rover rund 3,5 Milliarden Jahre alte Sedimente im Gale-Krater auf dem Roten Planeten angebohrt. Das eingebaute Chemielabor des Rovers entdeckte in diesem uralten Gestein mehrere organische Moleküle, darunter aromatische, aliphatische und thiophenische Verbindungen, wie die Forscher in "Science" berichten.

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Zwar handelt es sich nicht um Fossilien möglicher Marsmikroben. Organische Materie sei jedoch der Schlüssel zum Verständnis der Bedingungen und Prozesse, die auf dem jungen Mars vorherrschten, schreiben die Wissenschaftler.

Im Gale-Krater hatten Forscher schon früher Hinweise darauf gefunden, dass dort vor etwa 3,8 bis 3,1 Milliarden Jahren lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben könnten. Viele Millionen Jahre lang war der Krater demnach vermutlich mit einem See gefüllt, der mit ähnlichen Eigenschaften wie auf der jungen Erde alle Voraussetzungen für Leben geboten hat. Ob dort tatsächlich etwas gelebt hat, ist allerdings auch nach den neuen Funden nicht geklärt.

BBC-Doku: Rover Curiosity - Inside Mission zum Mars

Die organischen Moleküle könnten abiotisch auf der Marsoberfläche entstanden sein - also ohne den Einfluss von Lebewesen. Sie könnten beispielsweise aus dem Weltall auf den Roten Planeten geregnet worden sein, erläutert die Astrobiologin Inge Loes ten Kate von der Universität Utrecht, die an den Analysen nicht beteiligt war, in einem Begleitkommentar. Sie wertet die Entdeckung als einen Durchbruch in der Astrobiologie.

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Denn bereits seit der Ankunft der "Viking"-Sonden vor vier Jahrzehnten fahnden Forscher nach einem schlüssigen Beleg für die Existenz von organischer Materie auf dem Roten Planeten. Dies sei nun gelungen, betont Loes ten Kate. Die Frage, ob sich Leben auf dem Mars gebildet und existiert habe, sei umso aktueller, da nun bekannt sei, dass es organische Moleküle auf seiner Oberfläche gegeben habe.

Als ebenso bedeutend schätzt Loes ten Kate die Beobachtung der deutlichen jahreszeitlichen Schwankungen des Methangehalts in der Marsatmosphäre ein. Ein Team um Christopher Webster vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa hatte dafür "Curiosity"-Messdaten aus fünf Jahren ausgewertet.

Die Methankonzentration stieg darin vom Mars-Frühling bis zum Mars-Sommer auf das 2,5-Fache und fiel dann zum Herbst wieder stark ab. Woher das Gas kommt und was die schwankende Konzentration verursacht, ist trotz verschiedener Deutungsversuche unklar.

Unbekannte Atmosphären- oder Bodenprozesse

Die Existenz von Methan in einer oxidierenden Atmosphäre wie derjenigen des Mars sei eine mögliche Biosignatur, mutmaßliche Quellen könnten methanproduzierende Bakterien sein, schreiben die Wissenschaftler um Webster. Das heißt jedoch nicht unbedingt, dass unentdeckte Mikroben im Marsboden leben.

Die Forscher zählen auch eine Vielzahl nicht-biologischer Produktionsmechanismen für das Methan auf, darunter die Erosion von Basalt, den Abbau organischer Verbindungen durch die intensive ultraviolette Sonnenstrahlung auf dem Mars sowie eine Reihe geologischer und geothermischer Prozesse.

Unter den Bedingungen der deutlich dichteren Atmosphäre des jungen Mars könnten auch große Mengen Methan in unterirdischen Einschlussverbindungen gespeichert worden sein, sogenannten Klathraten, und daraus nun langsam wieder aussickern, schreiben die Forscher.

Der Umfang des jahreszeitlichen Methanzyklus weise jedenfalls darauf hin, dass es auf dem Mars noch unbekannte Atmosphären- oder Bodenprozesse gebe. Methan produzierende Mikroben sind dabei nicht ausgeschlossen, wie Loes ten Kate erläutert. Auch wenn viele geologische Prozesse Methan produzierten, rechtfertige die mögliche Verbindung mit biologischen Quellen eine weitere Untersuchung, um den marsianischen Methanzyklus voll und ganz zu verstehen.

joe/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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rudolfsikorsky 08.06.2018
1.
Der marsianische Methanzyklus ist ein starkes Anzeichen für Leben. Ich glaube jahreszeitliche vulkanischen Aktivitäten oder geologische Prozesse sind eher unwahrscheinlich. Wenn mann sich aber die Erde anschaut zb im Zeitraffer und aus den Orbit dann pulsiert und verändert und atmet alles im Lauf der Jahreszeiten und die treibende Kraft dahinter ist das Leben. Das scheint beim Mars auch so zu sein , wenn auch nur sehr schwach.
thomas_linz 08.06.2018
2. Wenn Sie Recht haben,
waere das wohl eine der einschneidensten Erkenntnisse der Menschheit. Man kann dann wohl davon ausgehen, dass das Weltall voll von Leben ist. Ich tendiere aber immernoch zu abiotischen Prozessen.
pepe-b 09.06.2018
3. @ rudolfsikorsky
Bis zu dem Satz „die treibende Kraft ist das Leben“ war ich bei Ihnen. Der ist nämlich Spekulation. Wie im Artikel beschrieben gibt es zig andere und wahrscheinlichere Möglichkeiten, nämlich schlichte Chemie, die mit Biologie im Sinne von Leben nichts zu tun hat.
pepe-b 09.06.2018
4. @ thomas_linz
Wäre das wirklich so einschneidend? Es würd doch erstmal gar nichts verändern. Wir hätten nur den Beweis für eine ohnehin lang gehegte Vermutung. Und allein wegen dem Gesetz der großen Zahl (Milliarden Sonnen allein in unserer Galaxie, dazu Abermilliarden Galaxien im Universum) kann doch heute eigentlich niemand wirklich glauben, dass wir in diesem unendlichen Universum tatsächlich allein wären. Die Frage ist nur „wie oft das vorkommt“. Und darüber würde ein Fund auf dem Mars auch nichts aussagen, weil hier zwei Planeten (Mars und Erde) sehr eng beieinander stehen in der habitablen Zone unserer Sonne. Ich denke das kommt recht oft vor, weil irgendwo her muss es ja kommen - wir werden da definitiv keine Insel sein. Die nächste Frage ist dann, wie oft es vorkommt, dass das Leben sich über Mikroben hinaus zu in unserem Sinne intelligentem und raumfahrtfähigem Leben entwickelt.
thomas_linz 09.06.2018
5. Ich denke
es waere schon einschneidend. Der Uebergang von abiotischer Materie in eine biologische Masse ist nach heutigem Kenntnisstand sehr schwierig. Sollte dies aber in einem einzigen Planetensystem mehrfach gelingen, kann man den empirischen Wert in der Formel fuer die Haeufigkeit von Leben in der Galaxis faktisch auf 1 setzen. 1 bedeutet, wo Leben entstehen kann, wird Leben entstehen. Damit springt der theoretische Wert von ein paar Zivilisationen in der Galaxis, auf zehntausende. Das finde ich schon einschneidend, weil es die Frage in den Vordergrund stellt: Wo sind die alle und in welcher Evolutionsstufe befinden sie sich. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Erde im Vergleich zu anderen potentiellen Planeten in der Galaxis sehr weit fortgeschritten ist.
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