US-Wahlkampf Was der Klimawandel mit dem IS zu tun hat

Der Klimawandel habe den "Islamischen Staat" hervorgebracht, sagt Martin O'Malley, Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten. Was ist dran an der Behauptung?

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IS-Kämpfer in Syrien: "Eines der Dinge, die der Entstehung des IS vorausgingen, war die Wirkung des Klimawandels", behauptet US-Politiker O'Malley
AP

IS-Kämpfer in Syrien: "Eines der Dinge, die der Entstehung des IS vorausgingen, war die Wirkung des Klimawandels", behauptet US-Politiker O'Malley


Die Republikanische Partei in den USA hat oft bewiesen, dass sie Wissenschaft nicht ernst nimmt. Vor allem die Ergebnisse der Klimaforschung ziehen Parteimitglieder gern ins Lächerliche: Schneefall in New York etwa nehmen sie als Beweis gegen die Klimaerwärmung. Erstaunlich, dass solche Einfältigkeit anzukommen scheint.

Doch auch die Gegenseite beherrscht die Vulgarisierung der Forschung: Martin O'Malley, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, macht nun den Klimawandel für die Entstehung der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich: "Eines der Dinge, die dem Zusammenbruch Syriens und der Entstehung des IS vorausgingen, war die Wirkung des Klimawandels", sagte O'Malley dem Sender Bloomberg.

Eine Megadürre habe die Region heimgesucht, sie habe die Ernte vernichtet und Menschen in die Städte gezwungen. Die Dürre habe "die humanitäre Krise geschaffen, die Bedingungen für extreme Armut, die jetzt zum Aufstieg des IS und der extremen Gewalt geführt haben".

Was plausibel klingen mag, haben Wissenschaftler jüngst zurückgewiesen: Die Sicherheit Afrikas hänge nicht am Klima, sondern an der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung, erklären Experten. Der Verweis auf den Klimawandel verschleiere die wahren Ursachen.

Martin O'Malley: Kandidat der Demokraten für das Präsidentenamt in den USA
REUTERS

Martin O'Malley: Kandidat der Demokraten für das Präsidentenamt in den USA

Womöglich waren es sogar Wissenschaftler, die O'Malley zu seiner Meinung verführten: Im März hatte eine Studie für Aufsehen gesorgt, die den Klimawandel für den Syrien-Krieg verantwortlich machte. Massenmedien in aller Welt hatten den "ersten Klima-Krieg" ausgerufen.

"Die wahren Schuldigen entkommen"

Doch Experten nahmen die Studie auseinander. "Die ganze Arbeit ist problematisch, sie leistet der Klimaforschung einen schlechten Dienst", sagte etwa Thomas Bernauer, Konfliktforscher an der ETH Zürich. Weder die Klimadaten hielten der Überprüfung stand, noch die Computermodelle oder die Methode der Arbeit.

O'Malleys Aussage ließe sich als Wahlkampftrick abhaken, mit dem er sich beim beliebten Demokraten-Thema Klima werbeträchtig positionieren will. Doch der Politiker könnte ebenjenen schaden, denen er beizuspringen meint: Den Klimawandel als Ursache für Syriens Probleme anzuführen, lenke von den wahren Problemen ab, die Dürre und Hungersnöte verursachten, erklärte Francesca De Châtel, Syrienexpertin an der Radboud University in Nijmegen, angesichts der Studie vom März.

Dürrephasen gehörten in der Region zur Normalität. Die Mangelzeiten Syriens von 2006 bis 2010 ließen sich im Wesentlichen mit "50 Jahren verfehltem Management" erklären. Exzessive Grundwasserförderung, Übernutzung des Bodens durch grasende Tiere und landwirtschaftliche Ausbeutung seien die Hauptursachen für die Hungersnot, sagt De Châtel.

"Die Rolle des Klimawandels ist nicht nur irrelevant, ihre Betonung sogar schädlich", meint sie. Das Klimaargument erlaube es den wirklichen Schuldigen für die Hungersnöte zu entkommen.

Sehen Sie den betreffenden Abschnitt des Interviews hier, ab Minute 3:40

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
cato. 22.07.2015
1.
Die Fanatiker auf beiden Seiten sind an Einfältigkeit nicht zu überbieten, leider sitzen die Klimakatastrophenapo*lo*geten nicht selten in Meinungsbeherrschenden Positionen und dürfen ihre Panikmache als seriöse Wissenschaft darstellen. Die Al Gores dieser Welt, sind kein Stück besser als die W. Bushs.
sirius08/15 22.07.2015
2. Na dann,
"Die Republikanische Partei in den USA hat oft bewiesen, dass sie Wissenschaft nicht ernst nimmt. Vor allem die Ergebnisse der Klimaforschung ziehen Parteimitglieder gern ins Lächerliche: Schneefall in New York etwa nehmen sie als Beweis gegen die Klimaerwärmung. Erstaunlich, dass solche Einfältigkeit anzukommen scheint." Genauso wie bei den ganzen Foristen hier die den Klimawandel verleugnen!
No Way, Jose 22.07.2015
3. Mismanagement der wahre Grund
Dürre in Syrien, während in Israel die Wüste begrünt wird. Aber vermutlich liegt das nur daran, weil die Zionisten den armen Arabern das Wasser stehlen. Der Artikel nennt wenigstens einen echten Grund: Mismanagement. Die Levante war genauso wie der Irak Teil des "fruchtbaren Halbmonds", in dem die Landwirtschaft erfunden wurde, obwohl das vor Jahrtausenden bereits nur mit künstlicher Bewässerung ging. Ähnlich sieht es in Afrika aus, das im Prinzip fruchtbarer als Europa ist und ein Brotkorb wäre, wenn nicht totales Mismanagement und korrupte, kriegsgeile Präsidialdiktaturen eine vernünftige Landwirtschaft behindern und die Böden erodieren würde.
Planetenauswanderer 22.07.2015
4. Klima und Terrorismus? Naja ...
Naja, auf wissenschaftliche Studien - die mglw. zu dieser Aussage als Basis hergehalten haben - kann man doch recht oft recht wenig geben - irgendwie beweisen lässt sich schließlich fast alles, und das Gegenteil davon meist auch. So werden oftmals wissenschaftlich "fundierte" Tatsachen als Basis für politische Aussagen verwendet - ob mit oder ohne Wissen der Politiker um deren Verlässlichkeit. Zwar ist das jetzt schon wissenschaftlich zurückgewiesen worden - aber es ist ja ziemlich normal, dass Politiker, gerade im Wahlkampf, es mit der Hintergrundrecherche nicht so genau nehmen, und wenn sie irgendwo Aussagen von Wissenschaftlern finden, dann nehmen sie die halt ... Soo weit hergeholt ist es ja denn auch nicht, ohne Hintergrundwissen durchaus plausibel, würd ich sagen. Schließlich gab es in der Geschichte immer Ereignisse, die sich nur dann wirklich erklären lassen, wenn man das Wetter oder Klima zu der Zeit berücksichtigt.
marthaimschnee 22.07.2015
5.
Ach ja? Und was ist mit der Dürre in Kalifornien? Die wird auch mal hier mal da dem Klimawandel oder dem exzessiven Wasserverbrauch zugeschrieben. Wenn man es ernsthaft betrachten will, muß man eigentlich fragen: Wieso ODER? Warum nicht UND! Der Klimawandel mag nicht die einzige Ursache sein, aber pauschal nur Mißwirtschaft anzuführen, ist ein wenig müßig, schließlich ist das Auftauchen des Menschen selber in den meisten Regionen bereits eine Naturkatastrophe.
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