London - Der Klimawandel verschiebt in aller Welt die Lebensräume: Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten können sich neue Gebiete erschließen - und verschwinden nicht selten aus ihren alten Verbreitungsgebieten. Das betrifft auch Schmetterlinge in Nordamerika, wie eine Studie jetzt ergeben hat: Sie wandern Richtung Norden.
Alle Regionen des US-Bundesstaates Massachusetts haben sich in den vergangenen 100 Jahren erwärmt - und einige Schmetterlinge können damit besser umgehen als andere, schreibt eine Gruppe um Greg Breed von der Harvard University im Fachblatt "Nature Climate Change". Das Team sieht nicht den Verlust passender Lebensräume oder Nahrungspflanzen, sondern den Klimawandel als Hauptursache für die Beobachtungen. Es geht davon aus, dass es in anderen Bundesstaaten ähnlich aussieht.
Breed und seine Kollegen stützen sich auf fast 20.000 Beobachtungen, die Amateure von 1992 bis 2010 unternommen hatten. Die privaten Schmetterlingsliebhaber melden in standardisierter Weise, wann und wo sie welche Insekten gesehen haben. "Unsere Auswertung zeigt eine große, vom Klimawandel ausgelöste Verlagerung der Schmetterlinge Nordamerikas, charakterisiert durch die Ausbreitung wärmeliebender Arten nach Norden und einen Rückgang eher kälteliebender Arten", schreiben die Forscher.
Die einen gewinnen, die anderen verlieren
Die Forscher haben Trends für 100 der 116 in Massachusetts vorkommenden Schmetterlingsarten beobachtet. Dabei habe sich ein klares Bild ergeben: Am nördlichen Rand ihrer Verbreitungsgebiete legten viele Spezies zu, während fast alle am südlichen Rand ihres Lebensraums verlören.
Das betreffe vor allem die 21 Arten, die hauptsächlich im Norden des Staates lebten: 17 seien auf dem Rückzug, drei zeigten keine Veränderung, nur eine breite sich aus. Dieser Trend sei vor allem in tiefer gelegenen Gebieten zu beobachten, die sich stärker erwärmten. In höher gelegenen Arealen bleibe das Mikroklima besser erhalten, was den daran angepassten Schmetterlingen das Leben erleichtere und zu ihrem Erhalt dort beitrage.
Zudem betrachteten die Forscher 14 Schmetterlingsarten, die in der Zeit von 1986 bis 1990 als ganz besonders selten galten. Zwölf von ihnen lebten eher südlich, eine eher im Norden. Letztere war die einzige, die während der Untersuchung im Rückgang begriffen war. Die zwölf aus dem Süden wurden im Laufe der Zeit häufiger gezählt, sie vermehrten sich.
Die im Norden verdrängten Arten werden laut der Studie durch mehrere wärmeliebende Arten ersetzt, etwa vom Schwalbenschwanz (Papilio cresphontes). Dies alles sei nicht mit der Zerstörung von Lebensräumen einhergegangen, die im 20. Jahrhundert als Hauptgrund für Artenschwund gegolten habe. Vielmehr sei diesmal der Klimawandel hauptverantwortlich. Womöglich haben überwinternde Eier, Larven und frisch geschlüpfte Schmetterlinge größere Überlebensprobleme bei höheren Temperaturen, etwa durch stärkere Verdunstung.
mbe/dpa
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