Massensterben Rätselhafter Bienentod alarmiert EU

Bienen bestäuben Blüten - sie sichern der Landwirtschaft gute Erträge. Doch die Insekten sterben in großer Zahl, Forscher stehen vor einem Rätsel. Mit einem Notprogramm will die EU dem Massentod auf die Spur kommen. Doch bereits jetzt drohen hohe wirtschaftliche Verluste.

Bienenschwarm: Große Bedeutung für die Landwirtschaft
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Bienenschwarm: Große Bedeutung für die Landwirtschaft


Brüssel - Die EU macht sich Sorgen um ihre Bienenvölker. "Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen ist sehr, sehr besorgniserregend", sagte Ungarns Landwirtschaftsminister Sandor Fazekas am Montag bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Brüssel. Ungarn führt turnusmäßig die Amtsgeschäfte der Union.

Viele Menschen könnten zwar ohne Honig leben. Doch der Nutzen von Bienen beruht vor allem darauf, dass sie gute Erträge der Landwirtschaft sichern - Bienen bestäuben Blüten. Damit sichern sie das Wachstum von Pflanzen. Ohne die Tiere wäre beispielsweise die Obsternte bedroht. Laut Imkerbund hängen rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab. Das mache die Biene nach Rind und Schwein zum wichtigsten Nutztier. Die Biene und andere Pflanzenbestäuber bringen der europäischen Landwirtschaft schätzungsweise jährlich rund 22 Milliarden Euro ein.

Wenn Bienen sterben oder kränkeln, betreffe das alle Bürger, warnt die Europäische Kommission. Bislang sei zu wenig getan worden, um das Ausmaß des Bienensterbens einschätzen zu können, schreiben EU-Fachleute in einem Bericht.

Nach Angaben des Deutschen Imkerbunds seien in Deutschland im vergangenen Jahr rund 15 Prozent aller Bienen verendet. Bei Imkereien, die nicht wissenschaftlich betreut würden, seien es sogar 30 Prozent gewesen, berichtet der Präsident des Imkerbunds, Peter Maske: "Das ist sehr hoch."

"Es ist ernst"

Die Ursachen für den schlechten Gesundheitszustand der Bienen liegen nach Kommissionsangaben weitgehend im Dunkeln. Forscher nennen häufig Krankheitserreger, Vergiftungen durch Pestizide, Klimaveränderungen sowie Methoden von Imkereien. Immer wieder wird außerdem beklagt, den hochempfindlichen Honigbienen gingen durch einseitige Landwirtschaft das Futter und die Lebensräume aus.

Nun zwingt das weltweite Sterben der Pflanzenbestäuber die EU-Kommission zum Handeln. "Es ist ernst", sagt EU-Agrarkommissar John Dalli. Um die rätselhafte Bienen-Krankheit aufzuklären, brauchen Forscher Daten aus allen EU-Mitgliedsländern und standardisierte Messmethoden. Um die Ursachen für das rätselhafte Sterben und Kränkeln der Bienen aufzuklären, soll nach Plänen der EU-Kommission bis April in Frankreich ein "EU-Referenzlabor zur Bienengesundheit" entstehen. Wichtigste Aufgabe der Forscher wird es sein, ein Pilotprogramm zur Überwachung von Bienenvölkern zu erarbeiten - auf Wunsch der Kommission bis Ende des Jahres.

Der Präsident des Deutschen Imkerbunds, Maske, lobt die Initiative: "Untersuchungen und Ergebnisse werden durch das Referenzlabor EU-weit standardisiert." Derzeit forsche jedes Land in eine andere Richtung. Ein Labor sei jedoch nur ein Schritt auf dem Weg zur Rettung der Bienen. Das weiß man auch in Brüssel. Die Kommission appelliert an die Industrie, neue Medikamente für Bienen zu entwickeln. Außerdem sollten Imker besser geschult werden.

40.000-mal ausfliegen für ein Glas Honig

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schätzt, dass in Deutschland bis zu 80 Prozent aller Pflanzen von Insekten bestäubt werden müssen und ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von ihnen abhängt. Nabu-Präsident Olaf Tschimpke sagt: "Ihr weltweiter Rückgang gefährdet die Lebensmittelsicherheit und die Vielfalt an gesunden Lebensmitteln."

Auch in den USA sind im großen Stil Bienenvölker verendet, schon das vierte Jahr in Folge. In Deutschland erregte ein Massensterben der Bienen vor acht Jahren große Aufmerksamkeit; auch 2007 gab es ähnliche Vorfälle. Damals soll unter anderem eine Milbe verantwortlich gewesen sein - fast ein Drittel der deutschen Bienenvölker verendete. Doch es bleiben Fragen offen: Die Milbe kann aus Expertensicht nicht erklären, warum auch weiterhin europa- und weltweit Bienen kränkeln.

In Deutschland halten rund 87.000 Imker insgesamt etwa 750.000 Bienenvölker. Damit kommen auf jeden Imker im Durchschnitt neun Bienenvölker. Für die meisten ist die Imkerei ein Hobby: Weniger als ein Prozent betreibt sie nach Angaben des Deutschen Imkerbunds erwerbsmäßig.

Jedes Bienenvolk produziert 15 bis 20 Kilogramm Honig im Jahr. Zusammen bringen die Imker zwischen Nordsee und Alpen mehr als 20.000 Tonnen des süßen Stoffs auf deutsche Frühstückstische. Bei einem jährlichen Verzehr von durchschnittlich 1,4 Kilogramm pro Bürger reicht die Menge für ein Fünftel des Gesamtverbrauchs in der Bundesrepublik.

Das Sammelgebiet eines Bienenvolks umfasst bis zu 50 Quadratkilometer. Für ein Glas Honig müssen Arbeitsbienen rund 40.000-mal ausfliegen und dabei bis zu sieben Millionen Blüten besuchen.

boj/dpa

insgesamt 85 Beiträge
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buzzi 24.01.2011
1. Genetisch veränderte Pflanzen
Ich sag nur Genforschung. Als Biene würde ich wohl auch abkratzen, wenn ich sone Genpflanze bestäuben soll.
picard95, 24.01.2011
2. Reportage auf Arte
Einer der möglichen Gründe war ein neues Pestizid mit dem die Samen getränkt werden und welches dann später in der ganzen Pflanze zu finden war. In Frankreich erholten sich die Bienen bzw. kam es wohl zu einem deutlichen Rückgang der Bienenvölkerverluste als man dieses Pestizid verboten hatte. Lustigerweise war die Indizienkette in der Reportage gut aufgebaut gewesen und als Fazit am Ende war es plötzlich nur eine Möglichkeit unter vielen....wurde vergessen, den kritischen Mittelteil zu schneiden? Kam vor ca. 4-6 Monaten auf Arte.
mel80 24.01.2011
3. .
Dieses Problem tritt auch ausserhalb der EU auf, besonders in den USA. Man geht davon aus das genveränderte Pflanzen der Auslöser sind, da der Bienentod hauptsächlich nur dort auftritt, indem viel Genfood produziert wird. Leider werden diese Untersuchungen von der Gen-Lobby heruntergespielt..
maulwurf13 24.01.2011
4. sind nicht die Imker zu einem großen Teil dafür verantwortlich?
Zitat von sysopBienen bestäuben Blüten - sie sichern der Landwirtschaft gute Erträge. Doch die Insekten*sterben in großer Zahl, Forscher stehen vor einem Rätsel. Mit einem Notprogramm will die EU dem Massentod auf die Spur kommen. Doch bereits jetzt drohen hohe wirtschaftliche Verluste. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,741260,00.html
Toll wie Spiegel die Aussagen eines Interessensverband als Wahr verkauft. Vielleicht sollten sich einfach die Imker mal selbst überlegen das sie durch ihre eigene Zucht fürs Bienensterben verantwortlich sind. Vor 30 Jahren lag der durchschnittsertrag bei ca.6 kg Honig pro Volk. Heute liegt dieser zw. 15kg und 20 kg. Vor 30 Jahren mussten die Imker mit Schutzkleidung arbeiten. Durch Zucht wurde die "Agresivität" den Bienen weggezüchtet. Viele Insektenkrankheiten sind durch den Weltweiten Königen- und Bienenvölkerhandel verbreitet worden. Diese Krankheiten übertragen sich auch auf die Wildbienen.
soulseeker 24.01.2011
5. ...
Das ist das Ergebnis aus Monokultur und Pestizidverwendung ...
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