Hamburg - Ein Schlag des Schicksals vor rund 66 Millionen Jahren veränderte das Leben auf der Erde: Auf einmal starben die Dinosaurier und mit ihnen drei Viertel aller Lebewesen aus. Der Weg für Neues wurde frei - die Säugetiere traten ihren Siegeszug an.
Wissenschaftler haben nun den ersten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und anderen höheren Säugetieren identifiziert. Ein kleiner Vierbeiner mit langem Schwanz, der vor etwa 65 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das possierliche Felltier wog zwischen 6 und 245 Gramm, also etwas weniger als Ratten. Es fraß Insekten und gebar einzelne Junge, die nackt und mit geschlossenen Augen zur Welt kamen.
Eine Analyse der weltweit größten Erbgut-Datenbank von Lebewesen habe gezeigt, dass höhere Säugetiere sich 200.000 bis 400.000 Jahre nach dem Niedergang der Dinosaurier ausbreiteten, schreiben Forscher um Maureen O'Leary von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York im Wissenschaftsblatt "Science". Bei höheren Säugetiere werden Embryonen in der Gebärmutter des mütterlichen Körpers über eine Plazenta ernährt.
Den Unterschied zu vorherigen Studien machte, dass sich die Forscher nicht nur auf genetische Daten stützten, sondern auch Informationen zu Körperbau und Verhaltensweisen früherer Lebewesen einbezogen. Die Wissenschaftler erstellten einen Katalog an Eigenschaften wie die Form des Skeletts, die Art des Fells oder der Aufbau des Gehirns, mit sie die Evolution der höheren Säugetiere zurückverfolgten. Entscheidende Merkmale des gemeinsamen Vorfahren waren demnach unter anderem eine Gebärmutter mit zwei Uterushörnern und die Knäuelform der Großhirnrinde.
Warum die Bahn für Säugetiere frei wurde, wollen andere Wissenschaftler geklärt haben. Ein mehr als zehn Kilometer dicker Meteorit sei vor 66 Millionen Jahren in den Golf von Mexiko gekracht. Der Einschlagkrater war bekannt, doch der Zeitpunkt des Einschlags umstritten. Manche Geologen zweifeln, dass er tatsächlich mit dem Massensterben zusammentraf - mithin wären andere Ursachen für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich.
War es ein Doppelschlag?
Paul Renne und seine Kollegen von der University of California in Berkeley legen aber nun in "Science" eine präzise Datierung vor. Sie haben Glas und Kohle datiert: Das Glas war durch den Einschlag geschmolzenes Gestein, die Kohle enthält Iridium, das von dem Meteoriten stammt. Der Einschlag fand demnach vor 66,038 Millionen Jahren statt - und damit 33.000 Jahre vor dem Aussterben der Saurier. Manche Studien hatten bislang einen Abstand von 300.000 Jahren gezeigt, was Zweifel an der Wirkung des Meteoriten auf das Massensterben nährte.
"Die Kollegen konnten darlegen, dass die beiden Ereignisse innerhalb einer Fehlertoleranz von 33.000 Jahren zusammenliegen", sagt Heiko Pälike, Paläozeanograf vom Forschungszentrum Marum der Universität Bremen.
Oder waren es sogar zwei Meteoriten? Eine weitere Studie zeigt, dass Krater wie jener im Golf von Mexiko auch von einem Doppelasteroiden erzeugt worden sein könnten. Etwa jeder siebte Asteroid habe einen Mond, doch nur jeder 50. Krater auf der Erde sei als Doppeleinschlag erkennbar, berichten Forscher um Katarina Miljkovic vom Imperial College in London im Fachblatt "Earth and Planetary Science Letters". Ihre Computeranimationen hätten gezeigt, dass zwei Himmelskörper auch einen großen Krater erzeugen könnten.
Der Niedergang der Dinos und anderer Lebewesen jedenfalls hatte sich bereits vor dem Einschlag angedeutet. Renne und seine Kollegen bestätigen, dass die Dinosaurier zuvor schon geschwächt gewesen waren. Klimaschwankungen mit kühleren Phasen hätten Tiere, die an wärmere Temperaturen angepasst gewesen waren, an den Rand des Aussterbens gebracht. "Der Asteroideneinschlag hat ihnen dann den Rest gegeben", sagte Pälike.
Eine Ursache für die Klimaveränderungen könnten lang dauernde Vulkanausbrüche in Indien gewesen sein, deren teils Hunderte Meter dicke Lavaspuren noch heute ein Gebiet so groß wie Spanien bedecken.
boj/dpa/AFP
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