Wirbelsturm im Mittelmeer Was ist ein Medicane?

Im Mittelmeer vor der griechischen Küste wütet ein gigantischer Sturm, der an einen Hurrikan erinnert. Experten sprechen von einem Medicane - was steckt dahinter?

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Die Schulen werden geschlossen, ein Verkehrschaos wird befürchtet, es wird geraten, nicht auf die Straße zu gehen. Vor den Küsten der Inseln Peloponnes und Kreta wütet ein Sturm - ein sogenannter "Medicane". Die Wortschöpfung "MEDIterranean" (Mittelmeer) und "HurriCANE" bezeichnet einen Wirbelsturm auf dem Mittelmeer.

Was ist der Unterschied zum Hurrikan?

Ein Hurrikan ist zum einen viel größer als ein Medicane. Bis zu 1500 Kilometer Durchmesser weisen die tropischen Wirbelstürme auf - auf dem Mittelmeer sind es höchstens 300 Kilometer. Die Medicane blasen mit rund 100 Kilometern die Stunde und sorgen für stärkere Niederschläge, oft verbunden mit Gewitter. Das kann an den Küsten für Verwüstungen sorgen. Immerhin: Er löst sich meist nach ein paar Stunden auf, überlebt im äußersten Fall zwei Tage - ein Hurrikan hält sich hingegen schon mal eine Woche.

Woher kennt man Medicanes?

Im Jahr 1980 entdeckten Wissenschaftler mithilfe von Satellitenbildern Tiefdruckgebiete auf dem Mittelmeer, die ein "wolkenfreies Auge" hatten - wie beim Hurrikan wirbeln Wolken und Regenbänder um einen Mittelpunkt herum. Er tritt nur selten auf, und die gut 40 Jahre Wetteraufzeichnung der Medicanes bieten den Forschern noch nicht genügend Daten, um alle wissenschaftlichen Fragen vollständig zu klären.

Wie entsteht ein Medicane?

Der Medicane entwickelt sich etwa fünf bis zehn Grad ober- oder unterhalb des Äquators. Durch eine Temperaturdifferenz von warmem Wasser, warmer Luft und kalter Luft kondensiert Wasser, das in Wolken aufwirbelt, die sich in einem Strudel formieren. Solche Strudel können im gesamten Winterhalbjahr auftauchen, ihre Hochsaison haben sie allerdings im Herbst. (Eine genaue Erklärung lesen Sie hier.)

Was kann er anrichten?

Im Oktober 2015 zog ein Medicane über Sardinien und Korsika. Das löste große Überschwemmung aus, zudem gefährliche Hangrutscher. 2017 mussten 14 Menschen ihr Leben lassen, weil ein solcher Sturm eine heftige Flut auslöste. Etliche Verletzte und zerstörte Häuser waren die Folge.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Pless1 28.09.2018
1.
Die Medicane entwickeln sich etwa 5 bis 10 Grad ober oder unterhalb des Äquators. So steht es im Artikel. Das ist aber sehr weit vom Mittelmeer entfernt. Dazwischen liegt Afrika oder die Arabische Halbinsel, über diesen Landmassen müsste so ein Sturm eigentlich seine Kraft verlieren. Die Erklärung ist also so noch nicht wirklich hilfreich.
at.engel 29.09.2018
2.
Was ist eigentlich an dem Wort "Sturmtief" - nur so zum Beispiel - so schlimm. Ein "Medicane" hat anscheinend weder etwas mit einem (richtigen) Hurricane zu tun, noch findet man das ausschließlich im Mittelmeerbereich. Das Wort mag ja - so aus mediensicht gesehen - schön griffig sein, wirklich Sinn hat es aber keinen.
alextherocker 29.09.2018
3. Edit
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Medicane nicht innerhalb einer gewissen Zone des Äquators entsteht wie im Artikel beschrieben. Alles was es braucht ist warmes Oberflächenwasser und Höhenkaltluft. Vielleicht soll auf die Entstehung von tropischen Zyklonen hingewiesen werden (normal durch Temperatur- u Druckdifferenz getriebene Konvektion nahe der ITCZ, genannt tropische Welle)? Ohne Korrioliskraft kann keine Zyklone aus einer Welle entstehen, daher muss der ganze Spass mehr als 5 Grad vom Äquartor polwärts entfernt sein. Hat aber nix mit Medicanes zu tun.
alextherocker 29.09.2018
4. @2 at.engel
Ein Sturmtief trifft als Beschreibung für einen Medicane nicht zu. Während ein Sturmtief ein kalten Kern mit Kalt- und Warmfront, später Okklusion besitzt, ist ein Medicane ein subtropischer Sturm - er hat einen warmen Kern in den unteren Luftschichten (Temperatur im Bereich des niedrigsten Drucks höher als in der Umgebung), bildet keine Warm- oder Kaltfront aus und hat ein maximales Windfeld näher am Kern des Tiefs als bei einem Zyklonen in mittleren Breiten. Der Pirouettenvergleich mit dem Eiskunstläufer trifft hier zu. Innerhalb deutlich kürzerer Zeit kann deutlich schnellerer Wind entstehen. Am aller wichtigsten jedoch: Ein Medicane bezieht seine Kraft direkt aus (über-)warmen Wasserdampf (ähnlich einem Hurricane), während ein “Sturmtief” von Druckunterschieden lebt.
Bananenschale 30.09.2018
5. Medicane
Zitat von alextherockerEin Sturmtief trifft als Beschreibung für einen Medicane nicht zu. Während ein Sturmtief ein kalten Kern mit Kalt- und Warmfront, später Okklusion besitzt, ist ein Medicane ein subtropischer Sturm - er hat einen warmen Kern in den unteren Luftschichten (Temperatur im Bereich des niedrigsten Drucks höher als in der Umgebung), bildet keine Warm- oder Kaltfront aus und hat ein maximales Windfeld näher am Kern des Tiefs als bei einem Zyklonen in mittleren Breiten. Der Pirouettenvergleich mit dem Eiskunstläufer trifft hier zu. Innerhalb deutlich kürzerer Zeit kann deutlich schnellerer Wind entstehen. Am aller wichtigsten jedoch: Ein Medicane bezieht seine Kraft direkt aus (über-)warmen Wasserdampf (ähnlich einem Hurricane), während ein “Sturmtief” von Druckunterschieden lebt.
Ein Medicane ist also im Prinzip ein Hurricane / Cyclone / Typhoon en Miniature. Die Angabe im Artikel "Die Medicane entwickeln sich etwa 5 bis 10 Grad ober oder unterhalb des Äquators." macht aber wg. der Lage des Mittelmeeres keinen Sinn. Tatsächlich scheint das Wasser im südlichen und östlichen Mittelmeer eher wärmer zu sein als das Wasser im Atlantik auf gleicher geographischer Breite, s.d. subtropische Stürme im Mittelmeer eher auftreten können als dort. Es müssen aber besondere Mechanismen gegeben sein, die bei so geringer geographischer Ausdehnung die Ausbildung eines Auges ermöglichen.
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