Unterwasserfotos Farbrausch in der kalten See

Flohkrebse, Salpidae, Skelettgarnelen - auf den Bildern von Alexander Semenov werden diese Tierchen zu spektakulären Motiven. Und der Fotograf? Hält die Luft an.

Alexander Semenov

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Rund 71 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt, ihre Tiefen bieten zahlreichen Lebewesen eine Heimat. Doch nur ein kleiner Teil der dort lebenden Arten ist bereits beschrieben, die meisten der Kreaturen warten noch darauf, entdeckt zu werden.

Der Meeresbiologe und Fotograf Alexander Semenov gibt mit seinen Bildern einen Einblick in dieses noch nicht sehr weit erforschte Universum. Gemeinsam mit einem Team der Staatlichen Universität in Moskau erkundet er die Unterwasserwelten im Weißen, Ochotskischen und Japanischen Meer sowie im nördlichen Pazifik und sucht die interessantesten und ungewöhnlichsten Bewohner.

"Viele denken, die nördlichen Meere wären leblose Wüsten, in denen nur traurig aussehende Fische die kalte Dunkelheit umkreisen, während alle bunten und interessanten Lebewesen weit weg in den tropischen Meeren leben", sagt Semenov. Doch seine Fotos belegen das Gegenteil: Sie zeigen eine große Artenvielfalt und eine bunte Farbenpracht.

"Die Ozeane sind bewohnt von Kreaturen, die so fantastisch sind, dass alles, was vom besten Science-Fiction-Autor erfunden wurde, im Vergleich verblasst", sagt der Meeresbiologe. Leuchtende Seeschmetterlinge funkeln im Dunkeln, lilafarbene Kammquallen huschen durch das Wasser, irisierende Seeringelwürmer schlängeln sich zusammen. Jeder Felsblock, jeder Quadratmeter beherbergt unzählige beeindruckende Wesen.

Fotostrecke

15  Bilder
Haarqualle und Skelettgarnele: Faszinierende Unterwasserwesen

Semenov fotografiert die Meeresbewohner meist direkt in ihrer natürlichen Umgebung. Manchmal allerdings auch im Labor, denn einige der Lebewesen sind so klein oder gut versteckt, dass man sie nur so gut erkennen kann. Für Semenovs wissenschaftliche Arbeit ist es zudem auch notwendig, nicht nur Ganzkörperansichten abzulichten, sondern auch Details wie Krallen, Augen oder Antennen.

Die Unterwasserwesen direkt in ihrem Lebensraum zu fotografieren sei nicht einfach, so Semenov. Mehrere Minuten müsse man ohne Sauerstoffzufuhr reglos im Wasser bleiben, die teils winzigen Wesen unter schlechten Sichtverhältnissen erkennen und die richtigen Kameraeinstellungen schnell finden.

Wegen der teils eisigen Temperaturen, starken Strömungen und rauen Wetterbedingungen sind Beobachtungen unter Wasser nur in wenigen Monaten im Jahr möglich - und das auch nur nach einem strengen technischen und körperlichen Training. Doch der Meeresbiologe und sein Team scheuen diese Anstrengungen nicht - zumindest solange es noch so viel zu entdecken gibt.

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