Meeresforschung Grafik zeigt faszinierende Ozeanstrudel

Die Ozeane sind in ständiger Bewegung. Mit einem Supercomputer haben Forscher nun die Strömungen simuliert und eine spektakuläre Momentaufnahme der Wasserbewegungen erschaffen.

Ständig in Bewegung: Warmes Wasser ist rot, kaltes blau dargestellt
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Ständig in Bewegung: Warmes Wasser ist rot, kaltes blau dargestellt


Der Atlantik nahe dem Äquator leuchtet kräftig rot. Richtung Europa geht die Farbe in Orange und Gelb über. Um Großbritannien ist die See grün - und nahe Grönland tiefblau. Dieses Bild ist nicht das Werk eines Impressionisten, sondern eines Supercomputers. Es zeigt die Temperaturen an der Wasseroberfläche und macht so Meeresströmungen sichtbar.

Die bunte Grafik zeige die "Schönheit der Ozeane", sagt Todd Ringler, der sie gemeinsam mit Kollegen am Los Alamos National Laboratory in den USA erstellt hat. Sie beruht auf aufwendigen Simulationen der Meeresströmungen und zeigt kleine und große Wirbel.

Meeresforscher vergleichen die komplexe Dynamik in den Ozeanen immer wieder mit den Abläufen in der Atmosphäre. Es gibt starke Strömungen, in der Luft etwa den Polarfrontjetstream und im Wasser den Golfstrom. Die Strömungen entstehen wegen starker Temperaturunterschiede.

Die globalen Förderbänder im Wasser beeinflussen das Klima, unter anderem weil sie aus der Atmosphäre aufgenommenes CO2 verteilen. Der Golfstrom sorgt zudem für vergleichsweise milde Temperaturen in Europa. Die Strömungen spielen jedoch auch eine wichtige Rolle für die Ökosysteme, weil sie Nährstoffe und Sauerstoff transportieren.

CO2-Transport in die Tiefe

Trifft ein Wasserstrom auf ein Hindernis, etwa Inseln oder ein anderes Transportband, können Wirbel ganz unterschiedlicher Größe entstehen. Solche Strukturen sind in der von Los-Alamos-Forschern erstellten Karte sehr gut zu erkennen. Der Atlantik zwischen Europa und Nordamerika ist gespickt mit solchen Wirbeln, die an unterschiedlichen Wassertemperaturen zu erkennen sind.

"Diese Ozeanstürme transportieren Kohlendioxid aus der Atmosphäre in tiefere Wasserschichten", sagte Ringler der Zeitung "Santa Fe New Mexican". Dies geschehe sehr langsam. Doch in den kommenden 1000 Jahren werde ein Teil des durch den Menschen ausgestoßenen Kohlendioxids in den Tiefen der Meere landen. "Es sind die Wirbel, die letztlich dafür verantwortlich sind."

Mit Simulationen der Ozeanströme, deren Ergebnis die nun vorgestellte bunte Karte ist, wollen Forscher besser verstehen, was in den Meeren vor sich geht. Den Klimawandel verhindern werden die Ozeane allerdings kaum. Inzwischen zeigt sich, dass die CO2-Emissionen der Menschheit die natürlichen Speicher überfordern. Außerdem droht eine Übersäuerung der Meere mit weitreichenden Folgen.

Ozeanforschung

hda

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