Meeresforschung: Unterwasserlärm schädigt Tintenfische

Nicht nur Wale und Delfine leiden unterm Lärm in den Ozeanen. Der Krach schädigt auch Kalmare, Kraken und Tintenfische - laut einer neuen Studie sogar drastisch: Bereits kurze Geräuschimpulse führten bei den Tieren zu einem akustischen Trauma.

Meerestiere: Lärm beeinträchtigt Tintenfische Fotos
AP/ Museum Victoria

Baustellen verursachen Krach - das gilt auch auf See. Wenn riesige Offshore-Windparks entstehen, fürchten Biologen um Delfine und Wale, die in der Umgebung leben und vom Lärm geschädigt werden können. Und auch der Schiffsverkehr allgemein, Ölbohrungen und andere menschliche Aktivitäten sorgen dafür, dass der Krach im Meer zunimmt.

Darunter leiden nicht nur Wale und Delfine. Vor kurzem zeigte eine Studie, dass Fische sich bei Lärm schlechter auf die Futtersuche konzentrieren können. Und jetzt berichten spanische Forscher, dass Kopffüßer durch Töne niedriger Frequenzen massive Traumata an Gleichgewichts- und Hörsinn erfahren. Die Ergebnisse zeigen, dass auch Arten, die bei ihren alltäglichen Aktivitäten nicht so offensichtlich auf ihren Hörsinn angewiesen sind wie etwa Delfine, deutlichen Schaden nehmen. Der Schall verursacht dauerhafte und erhebliche Veränderungen der Sinneshaarzellen in den so genannten Statozysten der Weichtiere, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Frontiers in Ecology and the Environment". Diese Organe sind wichtig für die Wahrnehmung von Gleichgewicht und Position im Wasser. Es handelt sich um zwei mit Flüssigkeit gefüllte, mit Sinneshärchen ausgekleidete Blasen. Frühe Experimente haben gezeigt, dass Kopffüßer ohne funktionierende Statozysten nicht mehr in der Lage sind, sich schwimmend fortzubewegen, sie können sich nur noch mühsam am Boden kriechen.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Lärmverschmutzung in den Ozeanen sogar noch ernstere Folgen hat, als wir erwarteten, weil sie die gesamte Nahrungskette betreffen könnte", erläutert Michel André von der Universitat Politècnica de Catalunya in Barcelona. Weitere Studien, die zeigen, ab welcher Lautstärke das Trauma einsetzt und wie dies genau geschieht seien nötig, um Tätigkeiten auf offenem Meer in der Zukunft zu regulieren. André und seine Kollegen untersuchen im Großprojekt "Lido" ("Listening to the Deep Ocean Environment") die Geräuschkulisse tieferer Meeresschichten in Mittelmeer, Nordsee und Atlantik.

Alle Tiere zeigten Anzeichen eines akustischen Traumas

Die Forscher hatten Experimente an 87 Kopffüßern vier verschiedener Arten durchgeführt; neben dem Gewöhnlichen Tintenfisch und Kraken zählten auch zwei Kalmar-Arten dazu. Die Kopffüßer wurden kurzen Geräuschimpulsen ausgesetzt und deren Auswirkungen auf die Statozysten, die Gleichgewichtsorgane, untersucht. Obwohl die Forscher die niedrigfrequenten Töne zwischen 50 und 400 Hertz dabei nur in einer geringer Intensität einsetzen, waren die Schädigungen deutlich: Alle Tiere zeigten deutliche Anzeichen eines akustischen Traumas. Unmittelbar nachdem sie dem Schall ausgesetzt waren, fanden sich Schäden an den Sinneszellen in den Statozysten. Später zeigten sich weitere an den Nervenfasern, die einige Stunden nach dem Schalltrauma zunehmend deutlicher wurden.

"Wenn diese kurze Einwirkung relativ geringer Intensität in unserer Studie bereits solch ernste akustische Traumata verursachen kann, dann sollte der Einfluss kontinuierlicher, hochintensiver Lärmverschmutzung in den Ozeanen bedacht werden", sagt André. Zum Beispiel sei absehbar, dass durch Lärm verursachter Schaden der Statozysten sehr wahrscheinlich diverse Fähigkeiten eines Kopffüßlers von der Jagd über die Flucht bis zur Fortpflanzung beeinträchtigen wird, da diese Struktur für Gleichgewicht und räumliche Orientierung verantwortlich ist.

Viele menschliche Aktivitäten im Meer - wie etwa Bohrungen oder Frachtschifftransporte - produzieren intensive Geräusche im niedrigen Frequenzbereich. Die Arbeit von André und seinen Kollegen gibt nun Hinweise darauf, dass die Auswirkungen sehr viel mehr Lebewesen treffen und damit um einiges weitreichender und gravierender sind als befürchtet.

wbr/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Noch nicht ganz wach oder einfach nur blöd?
meinungsmacher 12.04.2011
> Nicht nur Wale und Delfine leiden unterm Lärm in den Ozean. Und dann schon gleich im ersten Satz... 1. die "joviale" Verkürzung "unterm" ist hier unangebracht! 2. Auch wenn der Schreiberling im RL so nachlässig pronunziert wie er hier schreibt, lautet der Dativ Plural von "Ozean" immer noch "Ozeanen"! Was beschäftigt Ihr bei SpOn eigentlich für Stümper?
2. v
duffybarracuda 12.04.2011
die >100.000 Windräder in Deutschland werden zum Alptraum für die Tierwelt und überall sonst auf der Welt genauso.
3. Ja.
Smartpatrol 12.04.2011
Zitat von meinungsmacher> 2. Auch wenn der Schreiberling im RL so nachlässig pronunziert wie er hier schreibt, lautet der Dativ Plural von "Ozean" immer noch "Ozeanen"! Was beschäftigt Ihr bei SpOn eigentlich für Stümper?
Die Sorte von preisgünstigen Stümpern, schätze ich. Obwohl ich mich eher selten zu den Grammarnazis zähle, stellten sich bei mir nach der Lektüre dieses Satzes auch die nackenhaare auf.
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