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Meeresschildkröten: Zu Hause ist, wo das Magnetfeld stimmt

Meeresschildkröten: Das Erdmagnetfeld weist den Weg Fotos
J. Roger Brothers

Jedes Jahr kehren Meeresschildkröten an den Ort zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. Dabei orientieren sie sich am Magnetfeld der Erde und landen doch hin und wieder an der falschen Stelle.

Der Ort, an dem eine weibliche Meeresschildkröte schlüpft, bleibt ihr ein Leben lang in Erinnerung. Nach der Geschlechtsreife wird sie immer wieder hierher zurückkehren, um ihre eigenen Eier abzulegen. Den Rest des Jahres verbringt sie im Meer. Nun haben Forscher untersucht, wie Schildkröten immer wieder zur gleichen Brutstätte zurückfinden.

Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass sich Unechte Karettschildkröten im Meer über das Magnetfeld der Erde orientieren. Ob sie so auch zu ihren Brutstätten zurückfinden, war allerdings schwer nachzuweisen. Bis den Forschern eine Idee kam. "Wenn Meeresschildkröten tatsächlich das Magnetfeld nutzen, um ihren Geburtsstrand wiederzufinden, dann müssten Veränderungen des magnetischen Erdfeldes auch den Brutort verändern", erklärt Roger Brothers von der University of North Carolina in Chapel Hill.

Alle Schildkröten auf einen Haufen

Gemeinsam mit Kollegen analysierte er eine Datenbank, in der die Brutplätze von Unechten Karettschildkröten entlang der Küste Floridas über 19 Jahre dokumentiert sind. Dabei entdeckten die Forscher einen engen Zusammenhang zwischen der Verteilung der Nester und feinen Veränderungen des Erdmagnetfelds, etwa in der Stärke oder der Richtung.

Zu manchen Zeiten veränderte sich das Feld so, dass für bestimmte Stellen typische Eigenschaften enger zusammenlagen. Dann rückten auch die Schildkröten beim Eierlegen dichter zusammen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Current Biology". Dort, wo das Magnetfeld auseinanderdriftete, legten die Schildkröten ihre Eier weiter voneinander entfernt ab.

"Das Ergebnis liefert Hinweise, dass Meeresschildkröten sich besondere Eigenschaften des Magnetfeldes an ihrem Geburtsort als Jungtiere einprägen und diese Informationen zur Rückkehr nutzen", erklärt Brothers.

Magnete im Hirn

Dass die Schildkrötendamen zur Brut an ihren eigenen Geburtsort zurückkehren, hat sich im Zuge der Evolution nicht ohne Grund durchgesetzt. "Die einzige Möglichkeit, sicherzustellen, dass sich der Nachwuchs am ausgewählten Strand gut entwickeln kann, ist, den eigenen Geburtsort zu wählen", erklärt Brothers. Frei nach dem Motto: Was bei mir geklappt hat, funktioniert auch bei meinem Nachwuchs.

Meeresschildkröten nehmen weite Wege auf sich, um an den Ort zu gelangen, an dem sie selbst geschlüpft sind. Die Ansprüche an das Nest sind hoch: Es braucht weichen Sand, die richtige Temperatur, wenige Fressfeinde und einen leicht zugänglichen Strand.

Die Unechte Karettschildkröte dient Forschern als Modell für die Lebensweise von Meeresschildkröten im Allgemeinen. Eines konnte mit ihrer Hilfe bislang jedoch nicht geklärt werden: Wie genau Schildkröten das Erdmagnetfeld aufspüren. Derzeit wird vermutet, dass winzige magnetische Partikel im Gehirn der Schildkröten auf das Erdmagnetfeld reagieren.

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jme

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