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Satellitendaten: Schnellster Gletscher Grönlands nimmt Fahrt auf

Jakobshavn Isbræ: Eisbergflut vor Grönland Zur Großansicht
AFP / UNIVERSITY OF WASHINGTON

Jakobshavn Isbræ: Eisbergflut vor Grönland

Abertausende Eisberge ergießen sich vom Jakobshavn-Gletscher ins Meer, einer hat wohl einst die "Titanic" versenkt. Die grönländische Eiszunge fließt immer schneller ins Meer, Medien melden gar einen Weltrekord. Doch die wahre Besonderheit des weißen Riesen liegt unter dem Meer.

Hamburg - Alle elf Tage überfliegt der Satellit "TerraSAR-X" den Gletscher Jakobshavn Isbræ in Westgrönland. Acht Sekunden misst er jeweils die Lage der Eiszunge. Ende Juli 2012 zeigten die Daten, dass der Jakobshavn rapide vorangekrochen war: Um 46 Meter pro Tag. Das sei vermutlich die größte jemals registrierte Geschwindigkeit eines Gletschers in Grönland oder der Antarktis, schreiben Wissenschaftler im Fachblatt "The Cryosphere", in dem sie die Daten nun nach Begutachtung vorstellen.

Medien greifen angesichts der Studie zu den ganz großen Superlativen: Einen "Fließweltrekord" meldet die FAZ, einen "traurigen Weltrekord" sehen andere Publikationen, den "schnellsten je gemessenen Gletscher" bejubelt das Wissenschaftsportal "Phys.org". Allerdings wurden in Island oder im Hochgebirge schon deutlich schnellere Gletschervorstöße beobachtet, sogar mehr als hundert Meter am Tag konnten Forscher bereits messen.

Der Jakobshavn-Gletscher mündet in einem Fjord an der Westküste Grönlands ins Meer und gilt schon lange als einer der am schnellsten fließenden Gletscher. Eistrümmer seiner Zunge bedecken das Meer bis weit hinaus in den Atlantik. Von ihm löste sich vermutlich jener Eisberg, mit dem die "Titanic" bei ihrer Jungfernfahrt 1912 kollidierte.

Verborgen im Wasser

Die wahre Besonderheit des Jakobshavn verbirgt sich unter dem Meer; seine Lage macht ihn so flott: Die Zunge liegt in einem tiefen Becken mit einer Talsohle von 1300 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Gletscherfront hat sich in wenigen Jahren um mehr als einen Kilometer zurückgezogen.

Neben dem steilen Fjordprofil hat warmes Wasser zum Rückzug des Gletschers beigetragen; das Meer hat sich in der Region besonders erwärmt. Der Jakobshavn-Gletscher bewege sich mittlerweile viermal schneller als in den neunziger Jahren, berichten die Forscher um Ian Joughin von der University of Washington und Dana Floricioiu vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in ihrer Studie.

Der Höchstwert von 2012 konnte 2013 allerdings nicht bestätigt werden. Ausgerechnet Ende Juli, Anfang August, wenn der Gletscher üblicherweise am schnellsten ist, standen die Satelliten nicht zur Verfügung.

Er hebt das Meer

Sein Schmelzwasser trägt inzwischen messbar zum Anstieg des Meeresspiegels bei, die Beschleunigung bedeutet, dass er immer mehr Eis ins Meer entlässt. "Wir wissen, dass allein dieser Gletscher von 2000 bis 2010 den Meeresspiegel um etwa einen Millimeter anhob", erklärt Ian Joughin. "Mit dem höheren Tempo wird er vermutlich im kommenden Jahrzehnt noch etwas mehr beitragen", meint der Forscher.

Verglichen mit den neunziger Jahren könne sich der Jakobshavn noch um das Zehnfache oder mehr beschleunigen, mahnen die Wissenschaftler. Bis Ende des Jahrhunderts könnte sich die Gletscherfront demnach um weitere 50 Kilometer zurückziehen - bis zur Fjordspitze.

Der Jakobshavn-Gletscher ist wegen seiner besonderen Umwelt zwar ein Sonderfall. Die Eismassen Grönlands gelten gleichwohl als wesentlicher Unsicherheitsfaktor für den Meeresspiegelanstieg. Satellitenmessungen der Erdanziehungskraft haben gezeigt, dass Grönland zwischen 2002 und 2011 etwa sechsmal mehr Eismasse verloren hat als in den Jahren zuvor zwischen 1992 bis 2001. Bis zum Jahr 2100 könnte Grönland zwischen sechs und 18 Zentimeter zum weltweiten Anschwellen der Meere beitragen - je nachdem, wie viel Treibhausgase die Welt erwärmen werden, erwarten Forscher.

boj

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1. Kann gar nicht sein...
AxelSchudak 03.02.2014
denn einen Klimawandel gibt es nicht. Oder gab es nur keinen "menschgemachten" Klimawandel? Erst vor kurzem wurden in Niedersachsen die Deiche auf das Niveau erhöht, dass man nach der Sturmflut 62 für notwendig hielt. Wir reden hier also in Kategorien von 30+ Jahren für eine Runde Deicherhöhung. 10cm mehr Wasser bei Normalstand sind nicht nur 10cm mehr Hochwasserstand. Man sollte langsam anfangen, mit Holland und Dänemark zusammen verschiedene Problemkategorien durchzuplanen. Wenn die nächsten Jahre nichts passiert, umso besser, aber wenn doch sollte man vorbereitet sein - dass wir das weltweite Problem rechtzeitig lösen, ist mittlerweile kaum noch Wunschdenken.
2. Wir schnallens nicht
Ursprung 04.02.2014
Zitat von AxelSchudakdenn einen Klimawandel gibt es nicht. Oder gab es nur keinen "menschgemachten" Klimawandel? Erst vor kurzem wurden in Niedersachsen die Deiche auf das Niveau erhöht, dass man nach der Sturmflut 62 für notwendig hielt. Wir reden hier also in Kategorien von 30+ Jahren für eine Runde Deicherhöhung. 10cm mehr Wasser bei Normalstand sind nicht nur 10cm mehr Hochwasserstand. Man sollte langsam anfangen, mit Holland und Dänemark zusammen verschiedene Problemkategorien durchzuplanen. Wenn die nächsten Jahre nichts passiert, umso besser, aber wenn doch sollte man vorbereitet sein - dass wir das weltweite Problem rechtzeitig lösen, ist mittlerweile kaum noch Wunschdenken.
Hollaender oder Daenen oder andere, Probleme mit dem Meeresspiegel, vorsorgen? Da ist nichts vorzusorgen, taten die Doggerlaender ebensowenig. Erschlossen sich nur neue Ressourcen. Tun auch heute immer noch alle, denn an unserem Verhalten hat sich seit den laecherlich wenigen 5000 Jahren nichts veraendert. Dass wir heute rund 5 Mrd.mehr sind, haben wir verhaltensmaessig bisher nicht geschnallt.
3.
knuty 04.02.2014
Zitat von AxelSchudakdenn einen Klimawandel gibt es nicht. Oder gab es nur keinen "menschgemachten" Klimawandel? Erst vor kurzem wurden in Niedersachsen die Deiche auf das Niveau erhöht, dass man nach der Sturmflut 62 für notwendig hielt. Wir reden hier also in Kategorien von 30+ Jahren für eine Runde Deicherhöhung. 10cm mehr Wasser bei Normalstand sind nicht nur 10cm mehr Hochwasserstand. Man sollte langsam anfangen, mit Holland und Dänemark zusammen verschiedene Problemkategorien durchzuplanen. Wenn die nächsten Jahre nichts passiert, umso besser, aber wenn doch sollte man vorbereitet sein - dass wir das weltweite Problem rechtzeitig lösen, ist mittlerweile kaum noch Wunschdenken.
Nein, das hat man schon in den Sechziger Jahren gemacht, denn sonst hätte es in den Siebzigern schon mehrfach noch schlimmere Katastrophen gegeben. In den Neunzigern wurden die Deiche nochmals erhöht und vor ein paar Jahren wiederum. Also seit 1962 insgesamt drei Mal um rund 2,00 Meter. Bei auflaufenden Sturmfluten muss man mindestens mit dem dreifachen Pegelstand als bei Normal rechnen. Der Deichbau wird schon seit Jahrhunderten Länder übergreifend geplant und durchgeführt. Anders ist Deichbau gar nicht möglich.
4. Mal als Appetizer
e-paper-leser 08.01.2015
von Stephen Baxter. Eine Fiktion, sicher, und soviel Wasser ist wohl gar nicht da, daß es es SO hoch steigen könnte, aber ansatzweise kann man sich das schon vorstellen.
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