Meerestiere: Wale schreien gegen menschlichen Lärm an

Sonar, Schiffsmotoren, Ölförderung: Der Mensch verursacht in den Weltmeeren ungeheuren Lärm - und zwingt Meerestiere, gegen den Krach anzukämpfen. Neue Messungen haben jetzt gezeigt, dass Glattwale auf die Belastung ähnlich reagieren wie Vögel in Städten.

Atlantischer Nordkaper: Anschreien gegen den Lärm der Menschen Zur Großansicht
NOAA / NEFSC Peter Duley

Atlantischer Nordkaper: Anschreien gegen den Lärm der Menschen

Bei Vögeln ist der Effekt bereits bekannt, jetzt haben Wissenschaftler ihn auch bei Walen beobachtet: Die Tiere müssen verstärkt gegen den Lärm ankämpfen, den Menschen verursachen. Vögel singen immer lauter gegen den Krach in Städten an, und Meeressäuger tun das Gleiche, wie Susan Parks von der Pennsylvania State University und ihre Kollegen festgestellt haben.

Im Meer gibt es eine ganze Reihe menschlicher Lärmquellen: Das Sonar von Marineschiffen macht Delfine zeitweise taub, Schiffsmotoren sorgen für Dauerlärm. Auch sogenannte Air Guns, die zu seismischen Messungen bei der Ölsuche zum Einsatz kommen, produzieren heftige Schallwellen.

Das gehe an Walen nicht spurlos vorüber, wie Parks' Team in den "Biology Letters" der britischen Royal Society schreibt. Die Forscher hatten mit Hilfe von Saugnäpfen Aufnahmegeräte an 14 Atlantischen Nordkapern (Eubalaena glacialis) vor der Ostküste Kanadas befestigt. Die Geräte registrierten nicht nur die Rufe der Wale, sondern auch die Umgebungsgeräusche im Meer. Dabei stellte sich heraus, dass die Tiere ihre Rufe kurzfristig anpassten und lauter riefen, sobald es rundherum mehr Krach gab.

Auch andere Walarten reagieren auf den zunehmenden Lärm im Meer: Erst kürzlich hatten australische Forscher berichtet, dass Buckelwale bei zunehmendem Geräuschpegel auf Klopfsignale ausweichen. Sie singen weniger, sondern schlagen stattdessen verstärkt mit ihren langen Brustflossen auf die Wasseroberfläche.

Lärm ist mittlerweile allgegenwärtig

Die Wale rufen ihre Artgenossen in einem tiefen Frequenzbereich zwischen 50 und 400 Hertz. Gerade in diesem Bereich hat in den vergangenen Jahrzehnten die Geräuschbelastung im Meer durch Schiffsmotoren stark zugenommen. Auch die Versauerung der Ozeane durch vom Menschen produziertes Kohlendioxid steigert den Lärmpegel in den Weltmeeren.

Der Atlantische Nordkaper aus der Familie der Glattwale ist stark gefährdet. Seine Population von früher geschätzten 100.000 Tieren zählt heute nur noch wenige hundert und hat sich auch nach dem Ende des Walfangs nicht deutlich erholt. Experten vermuten, dass der Bestand der Meeressäuger durch den Lärm zusätzlich bedroht ist. Die Tiere orientieren sich unter anderem mit Hilfe von Tönen. Wird der Orientierungssinn durch Unterwasserbeschallung gestört, kann es zu Strandungen kommen. 420 Wale seien seit den sechziger Jahren auf diese Weise ums Leben gekommen, schreibt die amerikanische Umwelt- und Friedensforschungsorganisation Natural Ressources Defense Council.

mbe/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Pure Augenwischerei!
Sapientia 07.07.2010
Zitat von sysopSonar, Schiffsmotoren, Öl-Förderung: Der Mensch verursacht in den Weltmeeren ungeheuren Lärm - und zwingt Meerestiere, gegen den Krach anzukämpfen. Neue Messungen haben jetzt gezeigt, dass Glattwale auf die Belastung ähnlich reagieren wie Vögel in Städten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,705139,00.html
Hier wird offenbar in Unkenntnis über die Weiten der Weltmeere der Eindruck eines Blinden wiedergegeben, als befände man sich dort fortwährend mit Tieren und Schiffen auf einer Art: Verkehrsknotenpunkt. Das ist nicht der Fall. Das heißt aber auch nicht, daß Tiere auf die genannten Emissionen der Menschen nicht reagieren. Der Verfasser dieses Artikels leidet offenbar beim Verfassen unter den üblichen Restriktionen der Effekthascherei. Demgegenüber ist doch viel interessanter, was der Mensch gerade im Golf von Mexico macht und was das ggf. für bleibende Auswirkungen auf Flora und Fauna haben wird; obwohl - wer bohrt oder genehmigt - immer auch davon ausgehen muß, daß dies auch außer Kontrolle geraten kann: Hierfür wurden keine technischen Vorkehrungen getroffen, um im Falle des worst case Antworten parat zu haben, um insbesondere dies PSSA (Particularly Sensitive Sea Area), die die Karibik im Ganzen darstellt, zu schützen - das ist der eigentliche Eklat! Schifffahrt ist hier extrem gefordert, keinerlei Abfall über Bord zu werfen und die Ölmulties bohren dort auf Teufel kommer heraus, ohne zu wissen was sie tun können, wenn die Bohrerei außer Kontrolle gerät. Was nutzt uns da die Erkenntnis, ob Walfische an Tinnitus leiden?
2. ...
kalumeth 07.07.2010
Zitat von SapientiaHier wird offenbar in Unkenntnis über die Weiten der Weltmeere der Eindruck eines Blinden wiedergegeben, als befände man sich dort fortwährend mit Tieren und Schiffen auf einer Art: Verkehrsknotenpunkt. Das ist nicht der Fall. Das heißt aber auch nicht, daß Tiere auf die genannten Emissionen der Menschen nicht reagieren. Der Verfasser dieses Artikels leidet offenbar beim Verfassen unter den üblichen Restriktionen der Effekthascherei. Demgegenüber ist doch viel interessanter, was der Mensch gerade im Golf von Mexico macht und was das ggf. für bleibende Auswirkungen auf Flora und Fauna haben wird; obwohl - wer bohrt oder genehmigt - immer auch davon ausgehen muß, daß dies auch außer Kontrolle geraten kann: Hierfür wurden keine technischen Vorkehrungen getroffen, um im Falle des worst case Antworten parat zu haben, um insbesondere dies PSSA (Particularly Sensitive Sea Area), die die Karibik im Ganzen darstellt, zu schützen - das ist der eigentliche Eklat! Schifffahrt ist hier extrem gefordert, keinerlei Abfall über Bord zu werfen und die Ölmulties bohren dort auf Teufel kommer heraus, ohne zu wissen was sie tun können, wenn die Bohrerei außer Kontrolle gerät. Was nutzt uns da die Erkenntnis, ob Walfische an Tinnitus leiden?
Sorry, aber Wale unterhalten sich auf hunderte Kilometer mit ihren Gesängen. Und da fährt ständig ein irgend ein Super-Containerschiff, oder eine Schnellfähre dazwischen. Oder ein Jet-Ski am Strand. Oder ein Manöver mit Wasserbomben und Sonar der Army. Vielleicht vor irgendeiner Kanarenküste, wo sich auch Walrudel gerade mal gern aufhalten. Nicht umsonst werfen sich Wale immer wieder an den Strand.
3. ...
Celegorm 07.07.2010
Zitat von SapientiaHier wird offenbar in Unkenntnis über die Weiten der Weltmeere der Eindruck eines Blinden wiedergegeben, als befände man sich dort fortwährend mit Tieren und Schiffen auf einer Art: Verkehrsknotenpunkt. Das ist nicht der Fall. Das heißt aber auch nicht, daß Tiere auf die genannten Emissionen der Menschen nicht reagieren. Der Verfasser dieses Artikels leidet offenbar beim Verfassen unter den üblichen Restriktionen der Effekthascherei. Demgegenüber ist doch viel interessanter, was der Mensch gerade im Golf von Mexico macht und was das ggf. für bleibende Auswirkungen auf Flora und Fauna haben wird; obwohl - wer bohrt oder genehmigt - immer auch davon ausgehen muß, daß dies auch außer Kontrolle geraten kann: Hierfür wurden keine technischen Vorkehrungen getroffen, um im Falle des worst case Antworten parat zu haben, um insbesondere dies PSSA (Particularly Sensitive Sea Area), die die Karibik im Ganzen darstellt, zu schützen - das ist der eigentliche Eklat! Schifffahrt ist hier extrem gefordert, keinerlei Abfall über Bord zu werfen und die Ölmulties bohren dort auf Teufel kommer heraus, ohne zu wissen was sie tun können, wenn die Bohrerei außer Kontrolle gerät. Was nutzt uns da die Erkenntnis, ob Walfische an Tinnitus leiden?
Das Problem ist, dass im Wasser gegenüber dem Land die Unmittelbarkeit der Lärmquelle von begrenzter Relevanz ist. Schall breitet sich im Wasser rund 4.3 mal so schnell aus wie in der Luft, gleichzeitig fehlen i.d.R. begrenzende oder absorbierende Objekte. Was zur Folge hat, dass sich Lärm effektiv enorm weit und nachhaltig ausbreiten kann. Und wenn man - mal simpel gesagt - das Autobahnkreuz noch im Bergdorf 100km entfernt wunderbar hören kann, spielt es logischerweise nicht mehr so eine Rolle, dass dieses eigentlich 100km weit weg ist. Ergo: "Noise pollution" ist in den Ozeanen effektiv ein Problem, zumindest für jene Tiere, die diesbezüglich empfindlich oder auf Schallwellen zur Kommunikation/Orientierung angewiesen sind. Ebenso ist der Verweis auf andere Probleme letztlich müssig. Natürlich gibt es andere, teilweise existentiellere Bedrohungen für die marinen Ökosysteme. Aber soll man deswegen alles andere vergessen? Werden durch eine momentane Katastrophe andere Eingriffe belanglos? Wohl kaum, im Gegenteil, gerade im Gesamtkontext der manigfaltigen Schädigung der Meere durch den Menschen erhalten die einzelnen Puzzlesteine erst recht ein Gewicht. Im übrigen ist ein solcher Verweis auf vermeintliche Prioritäten selten hilfreich, sondern wirkt eher wie ein Ablenkungsversuch.
4. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun:
Sapientia 07.07.2010
Zitat von kalumethSorry, aber Wale unterhalten sich auf hunderte Kilometer mit ihren Gesängen. Und da fährt ständig ein irgend ein Super-Containerschiff, oder eine Schnellfähre dazwischen. Oder ein Jet-Ski am Strand. Oder ein Manöver mit Wasserbomben und Sonar der Army. Vielleicht vor irgendeiner Kanarenküste, wo sich auch Walrudel gerade mal gern aufhalten. Nicht umsonst werfen sich Wale immer wieder an den Strand.
Ob sich Wale über Hunderte von Kilometern miteinander "unterhalten" (über die Foristen bei Spiegel online vielleicht?), wird behauptet und mag von mir aus sein. So lange der Mensch sich dazu entschieden hat, den persönlichen Besitz der Natur vorzuziehen, wird und kann sich nichts ändern. Während wir hier feist mit unseren "4 elektrischen Zahnbürsten" prahlen, beschäftigen sich andere damit, mit unserer physischen und intellektuellen Gebrechen Geld zu verdienen und besorgen diese aus Asien - mit was? Container-Schiffen. Übrigens, eine Ansammlung von Walen nennt man: Schule, nur so ein Tip für den insider. Und ob sich die Wale sodann aus lauter depressiver Stimmung vor den angegebenen Emissionen kollektiv an den Strand werfen - glauben Sie das ernsthaft? Immerhin scheinen Ihnen ja die viel massiveren Wirkungen auf die Umwelt in der Karibik nicht so am Herzen zu liegen?
5. Meerestiere
picaro, 07.07.2010
Ob am Artikel etwas dran oder nicht, es wird langsam Zeit, dass sich die Spezies Mensch von diesem Erdball verabschiedet! Wir sind das überflüssigste Lebewesen überhaupt. Für die Dauer unseres Daseins auf diesem Planeten sind wir an Selbstherrlichkeit und Rücksichtslosigkeit nicht mehr zu überbieten. Was nützt die ganze Intelligenz, die uns von allen anderen Lebewesen unterscheidet, wenn sie nicht annähernd so ausgeprägt ist wie der Drang nach Wohlstand, Luxus, Annehmlichkeiten? Ist unsere Intelligenz Segen (für uns Menschen) und Fluch (für den Rest)zugleich? Warum zerstören wir sukzessive das, was uns einst so reich geschenkt wurde?
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