Dicke Luft: Chinesen sagen Smog den Kampf an

Die chinesische Regierung hat sich zum Mega-Smog geäußert, der viele Metropolen tagelang verdunkelt hatte. Das Land könne sein ineffizientes Wachstumsmodell nicht fortsetzen, sagt Vizepremier Li Keqiang. Rückständige Produktionsmethoden sollten ausgemerzt werden.

Smog-Alarm: Dunstglocke über Chinas Metropolen Fotos
Getty Images

Chinas Regierung räumt ein, dass das ungebremste Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre den anhaltenden Smog in vielen Metropolen verursacht hat. Vizepremier Li Keqiang sagte, dass die aufstrebende zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt "ihr ineffizientes Wachstumsmodell nicht fortsetzen kann", wie die Nachrichtenagentur China News Service berichtete. Es war die erste Stellungnahme der Zentralregierung zu der dramatisch verschärften Luftverschmutzung in weiten Teilen Chinas.

Über Peking war am Mittwochnachmittag zum ersten Mal seit einer Woche wieder blauer Himmel zu sehen. Die Behörden hoben den Smog-Alarm auf. Offiziell war nur noch von "leichter Verschmutzung" die Rede. Die US-Botschaft in der chinesischen Hauptstadt warnte jedoch weiter vor "sehr ungesunden" Werten. Am Mittwochnachmittag seien bis zu 277 Mikrogramm Feintaub pro Kubikmeter Luft gemessen worden. In den vergangenen Tagen wurden in Peking zeitweise sogar Werte von mehr als 800 Mikrogramm registriert. Als gut gilt die Luft bei einem Wert von weniger als 50 Mikrogramm.

Auch in anderen Millionenstädten im Norden, Osten und der Mitte Chinas wurden hohe Schadstoffwerte gemessen. Der Smog in Harbin in Nordostchina sprengte am Mittwoch zeitweise die offizielle Skala. Im ostchinesischen Jinan gab es erstmals Fahrverbote. Bis auf weiteres dürfen nur Autos mit geraden beziehungsweise ungeraden Nummern an einem Tag fahren.

"Eine Lösung braucht Zeit"

Hinter der Luftverschmutzung steckten neben der ungünstigen Wetterlage auch umweltschädliche Herstellungsverfahren, sagte Vizepremier Li Keqiang, der im März neuer Regierungschef werden soll. "Wir können nicht auf Kosten der Umwelt produzieren, bauen und konsumieren", mahnte er. "Rückständige Produktionsmethoden müssten entschlossen ausgemerzt werden."

Der Kampf gegen die Luftverschmutzung sei aber eine langwierige Aufgabe. Smog gebe es nicht erst seit ein paar Tagen. "Eine Lösung braucht Zeit", sagte der Vizepremier. "Aber wir müssen etwas dagegen tun." Die Behörden müssten die Luftwerte zeitgemäß und transparent veröffentlichen, um die Menschen zu warnen, damit sie Schutzmaßnahmen ergreifen könnten. Auch müssten Umweltvorschriften energischer umgesetzt werden.

Nach einer Studie der renommierten Pekinger Qinghua-Universität und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) erreichen weniger als ein Prozent der 500 größten Städte in China die Standards der Weltgesundheitsorganisation. Von den zehn Städten mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit liegen sieben in China.

wbr/dpa

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