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Rote Liste: Diese Vögel könnte es bald nicht mehr geben

Rote Liste: Viele Vogelarten in der EU bedroht Fotos
DPA

Experten sprechen von "schockierenden Daten": In Europa stehen 82 von 451 Vogelarten auf der Roten Liste, sie sind vom Aussterben bedroht. Von manchen gibt es nur noch ein Dutzend Paare.

82 von 451 Vogelarten stehen auf einer Roten Liste, die die Organisation Birdlife International gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der Weltnaturschutzunion IUCN veröffentlicht hat. Demnach ist mehr als jede sechste Vogelart in der Europäischen Union vom Aussterben bedroht.

Elf Arten - darunter die Schnee-Eule, der Balearensturmtaucher und die Weidenammer - werden in dem Bericht als kritisch gefährdet eingestuft. Für sie bestehe ein extrem hohes Risiko, in der unmittelbaren Zukunft in der Region auszusterben. Abgetragenes Ackerland, kleinere Lebensräume und der Klimawandel seien die Gründe für die "schockierenden Daten", hieß es. Erst vor wenigen Wochen hatte das Bundesamt für Naturschutz jede dritte Art in Deutschland als bedroht eingestuft.

Die Rote Liste basiert überwiegend auf offiziellen Angaben der EU-Mitgliedstaaten zur Zahl der Vögel. Kroatien wurde dabei noch nicht berücksichtigt, da das Land der EU erst im Juli 2013, während der Datenerfassung, beitrat. Im geografischen Europa, zu dem die Autoren unter anderem Island und den Ural zählen, sind der Mitteilung zufolge 67 von 533 Arten bedroht, also knapp jede achte.

Weidenammer an der Schwelle der Ausrottung

Der Bericht enthalte einige beunruhigende Statistiken, sagte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella. Nicht immer heißt ein Verschwinden der Art aus der Europäischen Union jedoch gleich ihr weltweites Aus. Beispiel Schnee-Eule: Während es in der EU nur noch zwölf Paare dieser Art gibt, sind es auf dem gesamten Kontinent Europa zwischen 700 und 2300. Die Tiere leben insbesondere in Russland.

Die Weidenammer hingegen ist weltweit gefährdet. In Europa ist die Population innerhalb von drei Generationen um 80 Prozent geschrumpft. Es gibt lediglich um die hundert Paare und die Art steht den Experten zufolge an der Schwelle der Ausrottung. Eine Auswahl der bedrohten und gut geschützten Arten gibt es in der Fotostrecke.

Die Rote Liste verpflichtet die Politik nicht zu konkreten Schutzmaßnahmen. Schritte wie etwa eine Berücksichtigung der Flugrouten von Zugvögeln außerhalb Europas oder die frühzeitige Entdeckung fremder Arten werden in dem Bericht lediglich empfohlen.

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood und ihr Kollege Graeme Gibson betonen im Vorwort des Berichts, Vögel seien sowohl wirtschaftlich als auch emotional wichtig für den Menschen: "Erst die Vögel, dann wir. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir die nächsten auf der Roten Liste sein", warnen sie.

20 Arten nicht mehr gefährdet

Im Vergleich zur letzten Gefährdungseinschätzung im Jahr 2004 gebe es aber auch Erfolge: 20 Arten haben die Gefährdungsränge verlassen, weitere 25 Arten sind heute weniger gefährdet als damals, berichtet der der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

"Aus dieser Gruppe sind Seeadler und Großtrappe die prominentesten Arten, bei denen auch Deutschland zur Sicherung der Bestände wesentlich beigetragen hat", sagte Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. "Andere Gewinner finden sich vor allem bei verschiedenen Greifvogelarten und endemischen Vogelarten der Kanaren, Madeiras und der Azoren." Ein Grund dafür sei die EU-Vogelschutzrichtlinie.

sep/dpa

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insgesamt 52 Beiträge
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1.
infonetz 04.06.2015
Na ja wir Menschenbrauchen ja immer mehr Platz und mag sich hart anhören aber in der Natur gewinnt nun mal der stärkere. Die Vögel würden es nicht anders machen!
2. Man sollte auch nicht vergessen
sepp08 04.06.2015
die Windparks, für die große Flächen von Wäldern zum Opfer fallen und Vögel und Fledermäuse massiv bedrohen, nicht immer nur den Klimawandel anführen.
3. Keine Sorge
mimas101 04.06.2015
ich installiere mir dann einfach eine Äpp die den fliegenden Vogel zeigt und eine weitere die dessen Laute wiedergibt. Allerdings wohl im Dauer-Abo weil irgendwelche Straemer-Geschäftemacher bereits wieder das Big Business mit der Ware "Natur" wittern o) Im Ernst: Die explodierende Anzahl des Homo Spaiens braucht mittlerweile derart viele Ressourcen das für den Rest der Biologie kein Platz mehr ist. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit bis der Mensch feststellt das er ohne nicht leben kann.
4.
schwarzflug 04.06.2015
Ich schäme mich ein Mensch zu sein. Was wir mit unseder einzigartigen Erde anstellen ist grenzenlose Dummheit, aber Alber Einstein sagte ja schon das diese beim Menschen grenzenlos ist. Und letzlich werden auch die Indianer, die wir als "primitiv" bezeichnen, Recht behalten, das der weiße Mann am Ende feststellen muss das man Geld nicht essen kann.
5. Es ist absehbar,
Pfaffenwinkel 04.06.2015
dass es Tiere aller Art in einigen Jahrzehnten nur noch im Zoo geben wird. So gesehen, kommt nun wieder den Zoo's eine bedeutende Rolle zu.
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