Menschenaffen Gibbons singen in Dialekten

Schopfgibbons sind die Gesangskünstler unter den Menschenaffen: Sie zwitschern wie Singvögel, gerne auch im Duett. Und das ist noch nicht alles, wie Forscher jetzt herausgefunden haben: Die Affen kennen auch regionale Dialekte.

Gibbon im thailändischen Khao-Yai-Nationalpark: Gesänge regional eingefärbt
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Gibbon im thailändischen Khao-Yai-Nationalpark: Gesänge regional eingefärbt


Dialekte sind kein rein menschliches Phänomen. Von Singvögeln etwa ist bekannt, dass sich ihr Zwitschern regional stark unterscheidet. Jetzt haben Göttinger Wissenschaftler herausgefunden, dass auch die Gesänge von Gibbons in Südostasien regional eingefärbt sind. "Jeder Gibbon hat seinen eigenen Gesang, aber - ganz wie bei Menschen - gibt es regionale Ähnlichkeiten zwischen Gibbons in derselben Gegend", sagt Van Ngoc Thinh vom Deutschen Primatenzentrum.

Das Göttinger Team hatte Gesänge und genetische Vielfalt bei insgesamt 19 Populationen von sechs der sieben bekannten Schopfgibbon-Arten untersucht. Die Kleinen Menschenaffen der Gattung Nomascus werden etwa 65 Zentimeter groß und sechs Kilo schwer. Ihren Namen tragen sie dank ihres Haarschopfs, wobei sich Männchen und Weibchen äußerlich stark unterscheiden.

Die vom Aussterben bedrohten Schopfgibbons leben in dichten Regenwäldern in Südchina, Laos, Kambodscha und Vietnam. Die zierlichen Affen kommunizieren über Gesänge, die akustisch optimal der Regenwaldumgebung angepasst sind. Bei fast allen Schopfgibbon-Arten singen Pärchen Duette, um ihre Bindung zu festigen. Zum Teil singen sowohl Männchen als auch Weibchen allein, um ihr Revier zu markieren und um Partner zu finden. Die Gesänge sind darauf ausgerichtet, über weite Strecken gehört zu werden, und heben sich nach Angaben der Forscher deutlich von allen anderen Menschenaffen-Lauten ab. Sie erinnerten eher an die Lieder, die im Regenwald heimische Vogelarten singen, schreiben die Forscher im Fachblatt "BMC Evolutionary Biology". Die Uni Zürich präsentiert einige Gesänge auf der Website des Gibbon-Forschungslabors.

Die Wissenschaftler analysierten mehr als 400 Gesangsproben anhand von 53 akustischen Parametern. Sie verglichen sie unter anderem mit der Herkunft sowie mit Mutationen in einem bestimmten Gen der Affen, das die Bauanleitung für ein wichtiges Protein, das mitochondriale Cytochrom-b, enthält. Es zeigte sich, dass die vier ähnlichsten Gesänge von den am engsten benachbarten Gibbonarten im Süden des Untersuchungsgebiets stammten, die zudem die größte genetische Übereinstimmung aufwiesen.

Mit den nördlicheren Populationen waren die Übereinstimmungen geringer. Das stütze die Annahme, dass sich die Gibbons von Norden nach Süden ausgebreitet haben, schreiben die Biologen. Sie nehmen an, dass sich auch die Verwandtschaftsverhältnisse anderer Menschenaffen-Arten anhand ihrer spezifischen Laute ergründen lassen.

wbr/dpa



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insgesamt 3 Beiträge
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Ylex 07.02.2011
1. Vorbildlich
Wie schade, Ihr Gibbon-Gesangs-Link funktioniert nicht - dabei hätte ich gern einmal den Affenarien gelauscht. Die Mühe der Forscher ist vorbildlich, besonders vor dem Hintergrund, dass wir dann später zwar noch über Gibbon-Gesänge verfügen, aber nicht mehr über Gibbons, weil die von der sogenannten Zivilisation ausgerottet wurden. Solche Artikel bleiben mir irgendwie im Halse stecken, bzw. sie sperren im Kopf.
frank_lloyd_right 07.02.2011
2. es ist aber ein geruecht,
dass die gibbons die urheber des schwyzerdytsch seien - diese behauptung wurde schon durch forschungen von w. fotheringate und b. gibbons im jahre 1994 ad absurdum gefuehrt.
own_brain_user 08.02.2011
3. Regionale Auspraegungen ...
... wird man bei jeder Art bei jedem Verhalten finden, das zumindest teilweise auf Nachahmen der Eltern oder anderer fuer die Jungen herausragenden Individuen in der Population beruht. Das gilt fuer Sprache, Tierlaute, Gesten, Haartracht, Futterauswahl, Werkzeugverwendung, Ekelempfinden und vieles mehr. Zumindest keiner Sensationsmeldung wert, dass Altbekanntes ein weiteres Mal empirisch belegt werden konnte. Aber wenn man sonst keine Sensationameldungen hat...
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