Meppen Moorbrand setzt bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO2 frei

Nach Schießübungen der Bundeswehr brennen inzwischen acht Quadratkilometer Moor in der Nähe von Meppen. Dabei könnte soviel CO2 freigesetzt werden, wie 144.000 Menschen in Deutschland pro Jahr verursachen.

Bundeswehr/WTD 91

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Bei Meppen in Niedersachsen kokelt ein Moor vor sich hin und stößt beeindruckende Rauchschwaden aus. In den vergangenen gut zwei Wochen hat sich der Brand immer weiter ausgebreitet. Inzwischen sind ungefähr acht Quadratkilometer betroffen. Stellenweise reicht der Brand bis zu einen Meter tief in den Boden.

Auslöser waren Raketentests der Bundeswehr. Die konnte die zunächst kleinen Brandherde nicht löschen, weil die eigentlich vor Ort verfügbaren Löschfahrzeuge defekt oder in der Werkstatt waren. Inzwischen sind Bundeswehr, Feuerwehr und zahlreiche Hilfskräfte des Technischen Hilfswerks damit beschäftigt, das Feuer einzudämmen. Sie gehen davon aus, dass sie noch ein bis zwei Wochen mit den Löscharbeiten beschäftigt sein werden.

Moorbrände sind aus mehreren Gründen tückisch und haben besondere Folgen für die Umwelt. Das Problem: Moore bestehen zu einem großen Teil aus Torf. "Sie enthalten ungefähr zehnmal so viel Kohlenstoff wie Mineralböden", sagt Matthias Drösler, Vegetationsökologe an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising. Wenn Torf verbrennt, verbindet sich großflächig Kohlenstoff mit Sauerstoff - es werden riesige Mengen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) frei.

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Brand in Meppen: Es kokelt im Moor

Potenzial für 1,4 Millionen Tonnen CO2

"An Land gibt es kein anderes Ökosystem, dass so viel Kohlenstoff speichert wie die Moore. Nicht mal der Amazonas-Regenwald kann da mithalten", sagt Drösler. Moore entstehen, weil tote Pflanzen, Blätter und Wurzeln unter Wasser anders abgebaut werden als an der Luft.

"An der Luft geht der Abbau ziemlich schnell und vollständig", erklärt Drösler. Unter Wasser würden die Pflanzenbestandteile durch Sauerstoffmangel dagegen nur langsam und unvollständig abgebaut. "Über dem Grundwasserspiegel wächst also mehr Pflanzenmasse nach, als unten abgebaut wird", sagt der Experte. So baue sich eine immer mächtigere Torfschicht auf. "Manche Moore sind bis zu zehn Meter dick."

Bei dem Brand in Meppen könnten laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bis zu 900.000 Tonnen Kohlendioxid freiwerden. Die Zahl erscheint sehr groß, ist aber durchaus plausibel: Wenn auf einer Fläche von einem Quadratmeter 50 Kilogramm Kohlenstoff verbrennen, entstehen 180 Kilogramm CO2. Hochgerechnet auf fünf Quadratkilometer ergeben sich 900.000 Tonnen CO2. Geht man davon aus, dass der Brand nicht überall einen Meter in die Erde reicht, wären laut Nabu-Schätzung immer noch 500.000 Tonnen CO2 realistisch.

All diese Angaben beziehen sich allerdings noch auf fünf Quadratkilometer Fläche, inzwischen brennen acht. Hochgerechnet kommt man mit den Angaben des Nabu auf 800.000 bis 1,4 Millionen Tonnen CO2. Das wäre so viel wie 80.000 bis 144.000 Menschen in Deutschland im Jahr verursachen.

"Die Rechnung ist plausibel und ein guter Anhaltspunkt", erklärt Drösler. Derzeit wisse man aber noch nicht, wie tief der Brand tatsächlich in den Boden reicht und wie vollständig der Kohlenstoff verkokelt ist. Genauer lasse sich der CO2-Ausstoß durch den Brand deshalb erst abschätzen, wenn dieser gelöscht ist.

Brand erhöht CO-Ausstoß durch sterbende Moore

In der gesamtdeutschen CO2-Bilanz macht der Brand trotz dieser hohen Zahlen kaum etwas aus. Ungefähr 900 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent gelangen in Deutschland jedes Jahr in die Luft. Ein CO2-Äquivalent hat dabei den gleichen Klimaeffekt wie CO2 selbst. Bei 900 Millionen Tonnen trägt der Anteil des Moorbrandes nicht mal 0,2 Prozent bei - selbst, wenn man mit dem höchstmöglichen Wert rechnet.

"Der CO2-Ausstoß durch Moore ist absolut nicht irrelevant", sagt Drösler. Bereits jetzt werden aus Mooren in Deutschland jedes Jahr etwa 45 Millionen Tonnen Kohlendioxid frei. Grund sind etwa absichtliche Entwässerungen, um Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Die durch den aktuellen Brand freigesetzte CO2-Menge entspricht ungefähr einem Prozent des Gesamtwertes. "Für deutsche Verhältnisse ist das Ausmaß gewaltig", so Drösler.

Er befürchtet, dass Moorbrände in den kommenden Jahren bedeutender für die CO2-Bilanz werden könnten. Denn neben den anfänglichen Problemen mit den Löschraupen, trägt auch der ungewöhnlich trockene Sommer dazu bei, dass der Brand so heftig ausfällt und kaum zu löschen ist.

"Dürren werden im Zuge des Klimawandels häufiger und trockene Moore können sich auch selbst entzünden", warnt Drösler. Auch Feinstaub und Kohlenmonoxid werden dabei freigesetzt. (Mehr zu den Gesundheitsrisiken von Feinstaub und Kohlenmonoxid lesen Sie hier und hier).

Es sei wichtig, auf solche Brände vorbereitet zu sein. Nass-Bewirtschaftung, sogenannte Paludikulturen, und Renaturierung müssen dringend ausgeweitet werden. "Abgesehen vom CO2-Problem beherbergen Moore eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, die in Meppen nun mitverbrennt", so Drösler. Dabei ist der Schutz von Moorlandschaften der beste naturbezogene Beitrag gegen den Klimawandel, den es gibt.

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