Bundeswehrgelände in Meppen Warum der Moorbrand so schwer zu löschen ist

Seit gut zwei Wochen brennt auf einem Bundeswehrgelände in Meppen ein Moor. Experten vermuten, dass sie die Fläche auch in dieser Woche nicht löschen können. Warum hält sich der Brand so hartnäckig?

WTD 91/Bundeswehr/dpa

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Von einem Hubschrauber aus haben Soldaten Raketen auf ein Gelände der Bundeswehr bei Meppen in Niedersachsen abgefeuert. Der Waffentest löste einen Brand aus, den die Feuerwehr seit rund zwei Wochen nicht in den Griff bekommt. Lodernde Flammen sind zwar nicht zu sehen, doch das Feuer schwelt im Boden, die Vegetation verkokelt.

Laut Bundeswehr ist bislang eine Fläche von ungefähr fünf Quadratkilometern betroffen. Der Brand reicht stellenweise einen Meter tief in den Boden. Dass er sich so weit ausbreiten konnte, hat im Wesentlichen zwei Gründe.

Zum einen konnte die Bundeswehrfeuerwehr unmittelbar nach der Waffenübung nicht sofort löschen. Die dafür vorgesehene Löschraupe fiel aus, das Ersatzgerät war gerade in der Werkstatt.

"Löschraupen sind nötig, um auf dem moorigen Untergrund voranzukommen", sagt Christophe Neff, Landschaftsökologe am Karlsruher Institut für Technologie. "Wären von Anfang an zwei solche Löschfahrzeuge verfügbar gewesen, hätte sich der Brand erst gar nicht so stark ausbreiten können."

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Brand auf Bundeswehrgelände: Wasser marsch

Erschwerend kommt hinzu, dass der Brand in einem alten Moorgebiet ausgebrochen ist. Unter dem Gras besteht der Boden aus Torf und der ist gutes Brennmaterial. Nicht ohne Grund wird er gezielt abgebaut, um aus ihm als Brennstoff Energie zu erzeugen.

"Es brennt unter der Erde"

"Was man in Meppen sieht, ist kein klassisches Feuer, wie man es kennt, wenn zum Beispiel ein Baum brennt", erklärt Neff. Stattdessen handele es sich um einen Schwelbrand. Der Torf als brennbares Material liegt unter der Erde, wo nur wenig Luft hinkommt. Statt eine Flamme zu bilden, kokelt der Torf unterirdisch vor sich hin.

"Vereinfacht könnte man sagen, es brennt unter der Erde", so Neff. "Das hat einen entscheidenden Nachteil: Man kann die Brandherde nicht sehen."

Die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk (THW) versuchen deshalb nun, die Fläche großzügig mit Wasser aus einem nahe gelegenen Fluss zu fluten. 15 Hochleistungspumpen bringen das Wasser zur Einsatzstelle. Feuerwehrleute aus mehreren Städten und mehr als 300 freiwillige Helfer sind im Einsatz. Experten der Bundeswehr gehen trotzdem nicht davon, dass der Brand noch in dieser Woche gelöscht werden kann.

"Fünf Quadratkilometer sind für europäische Verhältnisse schon eine ordentliche Fläche", erklärt Neff. Theoretisch sei es möglich, unterirdische Brandherde mithilfe von Wärmebildkameras ausfindig zu machen und so auch im Moor gezielter zu bekämpfen. Inwiefern die Technik in Meppen genutzt wurde, ist allerdings unklar.

Extrem trockener Sommer

Bedenken müsse man zudem, dass es in Deutschland dieses Jahr extrem trocken gewesen sei, erklärt Neff. Von April bis Juli war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie so heiß und trocken wie im Jahr 2018. Im Norden war die Abweichung zur sonst üblichen Regenmenge besonders groß. "In einem feuchten Moor kann sich üblicherweise kein Brand entwickeln", sagt Neff. "Insofern hat die Trockenheit die Grundlage dafür geschaffen, dass jetzt so eine große Fläche betroffen ist."

Moore sind große Kohlenstoffspeicher

Brände in Mooren sind auch insofern besonders, als dass dabei überdurchschnittlich viel Kohlendioxid (CO2) frei wird. Der Grund: Moore sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Ungefähr ein Drittel der gesamten Kohlenstoffvorräte der Erde lagern dort.

Laut den Berechnungen eines Mitarbeiters des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) könnten durch den Brand in Meppen so etwa 500.000 Tonnen Kohlendioxid freiwerden, berichtet der NDR. Das entspreche in etwa der Menge CO2, die 50.000 Menschen in Deutschland im Jahr verursachen.

"Ob die Zahl so korrekt ist, kann ich auf die Schnelle nicht abschätzen", sagt Neff. "Es ist aber richtig, dass Moore wichtige Kohlenstoffspeicher sind."

Nach Angaben der Bundeswehr ist es nicht der erste mehrwöchige Brand auf dem Gelände in Meppen. 2010 habe ein Brand rund sechs Wochen geschwelt, ehe er gelöscht werden konnte. Naturschützer und die Grünen im niedersächsischen Landtag kritisieren, dass der Waffentest mit dieser Vorgeschichte trotz der großen Trockenheit überhaupt stattgefunden hat.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Beteiligung des Technischen Hilfswerks an den Arbeiten vor Ort nachträglich im Text ergänzt.



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