Aus Kopenhagen berichtet Roland Nelles
Erst um fünf Minuten nach Mitternacht betrat sie die Bühne im Hilton der dänischen Hauptstadt. Sie redete nicht lange darum herum, dass sie einen schwierigen Tag hinter sich hatte.
Die wegen ihrer internationalen Verhandlungserfolge einst "Klimakanzlerin" getaufte Regierungschefin sprach von "gemischten Gefühlen". "Die Verhandlungen waren extrem schwierig. Wir standen vor der Frage, den Prozess abzubrechen oder weiterzumachen." Die Entscheidung sei ihr sehr schwergefallen. "Wir hätten Jahre verloren, wenn wir abgebrochen hätten."
Dass der jetzige Mini-Kompromissplan, den die 30 führenden Staaten vorgelegt haben, viel zu kurz greift, ist auch Merkel klar. "Die Vereinbarungen reichen noch nicht aus, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen", sagte sie - wenige Stunden, bevor der Entwurf der 30 im Kopenhagener Plenum von vielen der insgesamt 192 Staaten auseinandergenommen wurde. Merkel selbst bekam diese Eskalation gar nicht mehr mit. Sie war schon auf dem Heimweg.
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Die deutsche Kanzlerin drängte und mischte auf dem Gipfel kräftig mit, hatte aber am Ende nicht mehr den größten Einfluss auf das Geschehen. Tatsächlich kam der Kompromissplan der 30 vor allem dadurch zustande, dass US-Präsident Barack Obama unter Hochdruck eine Einigung mit dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao forcierte. Merkel sprach von einem "Glücksfall, dass Obama da war".
Der deutschen Regierung soll nun eine zentrale Rolle zukommen. Ende Juni oder Anfang Juli soll laut Merkel die nächste Klimakonferenz in Bonn stattfinden, auf Ministerebene. Es handelt sich um ein Zwischentreffen; wichtiger wird in einem Jahr der geplante neue Klimagipfel in Mexiko-Stadt. Durch das Treffen in Bonn dürfte aber auch der deutschen Bundesregierung eine Schlüsselrolle zufallen, namentlich Umweltminister Norbert Röttgen.
Auch er ist offenkundig unzufrieden mit dem Kompromissplan von Kopenhagen. "Es ist eben ein Schritt", sagte der CDU-Politiker der ARD. "Es ist nicht das, was wir uns gewünscht hatten als Europäer." Wie Merkel sieht er in China das größte Hindernis. "Wir haben gekämpft und gerungen. China hätte einfach mehr an internationaler rechtlicher Verbindlichkeit herbeiführen müssen."
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