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Gasleck in Kalifornien: So klimaschädlich wie 500.000 Autos

Monatelang roch es im Norden von L.A. nach faulen Eiern: Riesige Mengen Methangas strömten aus einem unterirdischen Speicher. Forscher haben nun den Treibhauseffekt beziffert - er ist gewaltig.

Leck in Gaslager: Das Methan-Desaster von Los Angeles Fotos
Stephen Conley

Ein riesiges Gasleck in Kalifornien hat rund 100.000 Tonnen Methan in die Luft gepustet. Deren Treibhausgaseffekt entspreche dem von mehr als einer halben Million Pkw in den USA innerhalb eines Jahres, berichten Forscher in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals "Science".

Durch das Leck eines unterirdischen Erdgasspeichers im Norden von Los Angeles strömte 112 Tage lang vor allem das starke Treibhausgas Methan. Das Gas trägt einen substanziellen Teil zum vom Menschen verursachten Klimawandel bei, denn es ist nach Angaben des Umweltbundesamts 25-mal so wirksam wie Kohlendioxid, das beim Verbrennen fossiler Brennstoffe entsteht.

Das Unglück bei der Erdgasförderung nördlich von Los Angeles zeige, wie schnell lokale und nationale Klimaschutzstrategien gefährdet werden könnten, schreiben die Forscher. Weltweit wird ein Zehntel des jährlich benötigten Gasvorrats in derartigen unterirdischen Speichern gelagert.

Menschen litten unter Übelkeit und Nasenbluten

Das Team um Stephen Conley (University of California, Davis) wertete für seine Studie die Daten von 13 wissenschaftlichen Messflügen zwischen dem 7. November und dem 13. Februar aus. Am 11. Februar konnte das Leck in dem zum Aliso Canyon führenden Speicherschacht nach mehr als dreieinhalb Monaten Gasausstoß gestopft werden.

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Klimaforschung: Rätselvoller Wandel
Im Januar war in Porter Ranch, einem Vorort im Norden von Los Angeles, der Notstand ausgerufen worden. Etwa 11.000 Anwohner waren umgesiedelt worden, viele litten an Übelkeit, Nasenbluten, oder Kopfschmerzen. Hinzu kommt, dass Erdgas zur besseren Erkennung streng riechende Substanzen zugemischt werden.

Krebserregendes Benzol nachgewiesen

"Die Methanausstöße waren außerordentlich hoch, die höchsten, die wir je gesehen haben", sagte Co-Autor Donald Blake, der seit 30 Jahren Luftschadstoffe in allen Teilen der Erde misst. Zeitweise seien bis zu 4,5 Tonnen Ethan und bis zu 60 Tonnen Methan pro Stunde entwichen. Pro Tag hätte diese Methanmenge einen Ballon so groß wie ein Sportstadion mit fast 100.000 Plätzen gefüllt.

In der bodennahen Luft der betroffenen Wohnsiedlung fand Blake zudem erhöhte Werte weiterer gefährlicher Stoffe, etwa des krebserregenden Benzols oder gesundheitsschädlicher Xylole.

Allein in Kalifornien gibt es 340 derartige unterirdische Erdgasspeicher. 160 davon betreibt das Unternehmen Southern California Gas, das auch für den über Wochen undichten Speicher verantwortlich gemacht wird. Untersuchungen sollen nun zeigen, wie es zu dem Gasausbruch in 2400 Meter Tiefe kam und weshalb er so lange nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Klagen gegen Southern California Gas

Die Panne könnte das Unternehmen Hunderte Millionen Dollar kosten. Im Februar hatte Kaliforniens Justizministerin Kamala Harris eine Klage gegen die verantwortliche Firma eingereicht. Das Unternehmen habe Gesundheits- und Sicherheitsgesetze des Bundesstaats verletzt.

Der mit dem Aliso Canyon verbundene Speicher ist der viertgrößte seiner Art in den USA. Dort lagert genug Erdgas, um Südkalifornien einen Monat lang zu versorgen. Der Schacht war schon 1953 zur Förderung von Öl gebohrt worden, seit den Siebzigerjahren wird er als Speicher für Erdgas genutzt.

hda/dpa

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