Knochensplitter

Fund in Mexiko Lambeosaurus am Stück

Von

Corbis

Die Entenschnabel-Dinosaurier waren so etwas wie die Kühe der Kreidezeit: In Herden zogen sie weidend durchs Land. Entsprechend häufig findet man ihre Überreste - aber selten so schön erhalten wie jetzt in Mexiko.

Dinosaurier kennen die meisten Laien aus Museen als Skelette von beeindruckender Größe. Man ahnt kaum den Aufwand, den es braucht, bis Wissenschaftler so ein Skelett nach Jahrmillionen wieder auf die Beine stellen können. Denn anders als im Film werden vollständige Skelette nur sehr, sehr selten gefunden.

Das liegt schon an der Entstehungsgeschichte von Fossilien. Meist ist es so, dass für eine Fossilierung ein totes Tier in feuchtem, luftabgeschlossenem Milieu versinken muss, um dann im Laufe von Jahren eine chemische Metamorphose durchlaufen zu können. Tiere und Bakterien, die das organische Material zersetzen könnten, dürfen nicht herankommen. Nur dann werden die biologischen Materialien nach und nach durch mineralische ersetzt.

Dass bei diesem Prozess nur selten ein vollständiges Skelett in geordneter, zusammenhängender Form präserviert wird, ist logisch: Viele der Kadaver liegen von vornherein nicht "am Stück" da, weil Räuber oder Aasfresser die Körper verteilt haben. Noch mehr werden über Flüsse auf den Grund eines Sees oder sogar Meeres gespült. Auf dem Weg geht schon mal das eine oder andere Teil verloren.

Was dann noch intakt ist, ist über Jahrmillionen den geologischen Kräften ausgesetzt. Es wird gepresst, gewalkt, vielleicht geknickt, gebrochen und gespalten. Fels mag nicht das dynamischste aller Materialien sein, aber in 72 Millionen Jahren kann schon eine ganze Menge Bewegung zusammenkommen.

Sechs Meter Schwanz am Stück: Das ist ein Filet-Fund

Deshalb kann man auch schon einmal den Fund eines eigentlich bereits bestens belegten Sauriers feiern, wenn der Erhaltungszustand besonders gut ist. Im Norden von Mexiko haben Forscher des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (Inah) mit der Bergung eines Skelettes begonnen, für das dies zutrifft: Über 50 zusammenhängende Wirbel mit anhängenden Knochen arbeiteten die Forscher schon aus dem Stein - einen bestens erhaltenen, gut sechs Meter langen Saurierschwanz.

Gehört hat der zu einem Lambeosaurus, wahrscheinlich der Unterart laticaudus, von der in Mexiko schon zuvor Teile gefunden worden waren. Der Lambeosaurus war der größte Vertreter der Entenschnabel-Dinosaurier.

Laut Grabungsleiter Felisa Aguilar ist es das erste Mal, dass in Mexiko ein vollständig erhaltener Saurierschwanz gefunden wurde. Paläontologie ist eben eine Puzzle-Disziplin. Zum Lambeosaurus-Puzzle trägt der Fund in der Wüste des Bundesstaats Coahuila neben dem Schwanz noch Bein- und Hüftknochen bei.

Oft muss das reichen, um ein vollständiges Skelett für ein Museum zu rekonstruieren: Man nimmt, was man findet, ergänzt es durch andere fragmentarische Funde gleicher Art und Größe und ergänzt den Rest, indem man beispielweise einen linken Oberschenkelknochen nimmt und spiegelverkehrt dazu einen rechten gießt. Viele der beeindruckendsten Museumssaurier, die wir kennen, bestehen nur zu 20, 30 Prozent aus echten Knochen.

Ob auch der Lambeosaurier von Mexiko einmal wieder stehen wird, muss sich zeigen: Wenn, dann wäre das ein Restaurationsprozess, der etliche Jahre dauern würde. Jetzt muss er erst einmal aus dem Fels herausgearbeitet, gesichert und zur weiteren Präparation ins Labor verfrachtet werden. Schon das dürfte noch einige Monate dauern.

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5 Leserkommentare
quaaakquaaak 24.07.2013
dschiseskreist 24.07.2013
herrschickhilfe! 24.07.2013
lackehe 24.07.2013
eusyllis 24.07.2013

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