Landwirtschaft Avocado-Boom führt zu illegaler Abholzung in Mexiko

Ob als Guacamole, als Beilage oder Salatzutat: Avocados erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Beim weltgrößten Produzenten, Mexiko, hat der Boom jedoch auch negative Folgen.

Avocados auf einem Wochenmarkt
DPA

Avocados auf einem Wochenmarkt


Avocados sind beliebt - unter anderem in Europa ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Jetzt warnen Umweltschützer, dass der Appetit auf die Früchte in Mexiko zu illegaler Abholzung führt. Mexiko ist der größte Avocado-Produzent der Welt und auch der größte Exporteur; die Früchte werden vor allem im westlichen Bundesstaat Michoacán angebaut.

"Pro Jahr werden 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen", sagt Jaime Navia von der mexikanischen Umweltschutzorganisation Gira. Auch die Menschen litten unter den Folgen der intensiven Landwirtschaft. "Der Einsatz von Pestiziden in den Monokulturen verschmutzt das Trinkwasser", sagt Navia.

Die Regierung zeigt sich besorgt über die illegalen Abholzungen, wobei sie das Ausmaß für geringer hält als Wissenschaftler und Umweltschützer. "Die Avocados wachsen unter den Nadelbäumen", sagt Mario Tapia Vargas vom Nationalen Forschungsinstitut für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischfang. "Früher oder später werden die Bauern die Bäume fällen, damit die Avocado-Pflanzen mehr Sonnenlicht bekommen."

Zwischen 2000 und 2010 vergrößerte sich die Anbaufläche in Mexiko von 95.000 Hektar auf mehr als 134.000 Hektar. Die starke Nachfrage und steigende Preise machten es für die Bauern attraktiv, Avocados anzubauen.

Auch eine Gefahr fürs soziale Gefüge

Zuletzt gingen die Behörden verstärkt gegen Abholzung oder Umwidmung von Flächen vor. Mitte August schloss die Staatsanwaltschaft für Umweltschutz in Michoacán vier illegale Avocado-Felder. Ende Juli hatte die Bundespolizei ein Dutzend Verdächtige festgenommen, die Felder auf einer kürzlich abgeholzten Fläche anlegen wollten. In den Hochebenen von Michoacán gerät die Staatsmacht allerdings an ihre Grenzen. In der schwer zugänglichen Region sind Verbrechersyndikate und Bürgerwehren aktiv.

Die Abholzung der Wälder und die intensive Landwirtschaft zerstört nach Einschätzung von Umweltschützer Navia nicht nur das Ökosystem, sondern auch den Zusammenhalt in der Region. 80 Prozent der Wälder in Mexiko gehören Dorfgemeinschaften. Die Bewohner verwalten das Land gemeinsam, bestellen es aber individuell. "Wird das Land an mächtige Agrarunternehmer verkauft, löst sich das soziale Gefüge auf", sagt Navia.

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO wurden 2013 in Mexiko mehr als 1,4 Millionen Tonnen Avocado geerntet. Für die Saison 2015/2016 rechneten die Produzenten mit 1,6 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: 2004 ernteten die mexikanischen Landwirte 987.000 Tonnen Avocados, 1994 knapp 800.000 Tonnen.

Mexiko exportiert die Früchte vor allem in die USA. Dort stieg der Pro-Kopf-Verbrauch von Avocados in den vergangenen 15 Jahren von unter einem Kilogramm pro Jahr auf gut drei Kilogramm.

Zwar ist der Avocado-Konsum auch in Europa gestiegen, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau. Hier liegt der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr inzwischen bei rund 600 Gramm. Und die europäischen Staaten importieren Avocados hauptsächlich aus Peru, Südafrika, Chile und Israel.

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wbr/dpa



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