Mexiko: Schmetterlingssterben alarmiert Umweltschützer

Auf nach Süden: Tausende Kilometer fliegen Monarchfalter jedes Jahr zwischen Amerikas Nordosten und ihrem Winterquartier in Mexiko. Doch immer weniger der Tiere kommen dort an. Schuld daran ist offenbar ein verhängnisvoller Mix von Ursachen.

Monarchfalter in Mexiko (2008): Die Tiere sind akut gefährdet. Zur Großansicht
dpa

Monarchfalter in Mexiko (2008): Die Tiere sind akut gefährdet.

Mexiko-Stadt - Jedes Jahr bringen die orangefarbenen Flieger eine schier unglaubliche Strecke hinter sich: Die Monarchfalter verbringen den Sommer in Kanada und den USA, den Winter aber im warmen Mexiko. Und um dorthin zu kommen, müssen die Schmetterlinge mit einer Spannweite von bis zu neun Zentimetern eine Distanz von mehreren tausend Kilometern überwinden, pro Tag schaffen sie rund 130 Kilometer. Allerdings hält nicht ein einzelnes Tier die Reise aus, die Schmetterlinge pflanzen sich unterwegs fort und sterben dann. Die Nachfahren führen die Reise zu Ende.

Nun bereitet der dramatische Rückgang einer wichtigen Schmetterlingspopulation in Mexiko Wissenschaftlern und Umweltschützern Kopfzerbrechen. Die Zahl der Monarchfalter, die im Naturschutzgebiet Mariposa überwinterten, habe in der Saison 2009/2010 den niedrigsten Stand in 17 Jahren erreicht, erklärte der Chef des Schutzgebiets, Rosendo Caro. Als möglichen Grund nannte er den Klimawandel.

Der Monarchfalter gilt als einer der am besten untersuchten Schmetterlinge überhaupt. In der Vergangenheit wurde sein Winterquartier vor allem durch illegale Abholzung gefährdet. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF ist der Baumschwund in Mariposa in der vergangenen Saison aber deutlich zurückgegangen.

Allerdings sei eine weitaus größere Waldfläche als in den Vorjahren durch Stürme oder Erdrutsche zerstört worden, erklärten die Umweltschützer. Möglicherweise sei der Rückgang der Schmetterlingspopulation um bis zu 75 Prozent auch eine Spätfolge von Dürren in den USA und Kanada im Jahr 2008. Wegen der Trockenheit seien dort vermutlich weniger Raupen geschlüpft, so dass in den darauffolgenden Wintern weniger ausgewachsene Monarchfalter nach Mexiko gekommen seien.

Forscher um Andrew Davis hatten vor einigen Monaten im Fachmagazin "Biology Letters" berichtet, dass den Monarchfaltern immer mehr die Weibchen abhandenkommen. Noch vor 30 Jahren seien 53 Prozent der Schmetterlinge weiblich gewesen. Diese Zahl sei aber mittlerweile auf 43 Prozent geschrumpft - offenbar ist auch das eine Reaktion auf die Bedrohung des Lebensraumes der Tiere, vermuten die Forscher.

chs/apn

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