Urgestein Forscher benennen Fossil nach Mick Jagger

"Jaggers Wassernymphe" - diesen Namen haben Forscher einem ausgestorbenen Urtier verpasst. Besonders Merkmal der flusspferdähnlichen Kreatur: dicke Lippen.

Fossiler Knochen von Jaggermeryx naida: Flusspferdverwandter mit Mick Jagger-Lippen
Ellen Miller/ Wake Forest University

Fossiler Knochen von Jaggermeryx naida: Flusspferdverwandter mit Mick Jagger-Lippen


Die Lippen waren der ausschlaggebende Punkt: Forscher haben ein Fossil nach Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger benannt. "Wir haben ihm den Namen Jaggermeryx naida gegeben", erzählt Ellen Miller von der Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina. Übersetzen ließe sich das mit "Jaggers Wassernymphe".

Das Tier, wahrscheinlich ein Flusspferd-Urahn, lebte im Miozän vor etwa 19 Millionen Jahren in Afrika. In einer Mitteilung beschreibt die Duke University es so: Es war in etwa so groß wie ein kleiner Hirsch und sah so ähnlich aus wie eine Mischung aus einem zu schmal geratenen Flusspferd und einem langbeinigen Schwein. Miller hat das Geschöpf gerade gemeinsam mit Forschern der Duke University aus fossilen Knochenfunden rekonstruiert.

Kieferknochen: Bilder 1 bis 3 zeigen einen Knochen von verschiedenen Seiten
Journal of Paleontology

Kieferknochen: Bilder 1 bis 3 zeigen einen Knochen von verschiedenen Seiten

Der fossile Kieferknochen des Tiers weist eine Reihe von kleinen Löchern in beiden Seiten auf. Durch sie verliefen wahrscheinlich Nerven, die Kinn und Lippen steuerten und sie deutlich hervortreten ließen. "Einige meiner Kollegen wollten das Tier nach Angelina Jolie benennen, weil sie ebenfalls für ihre vollen Lippen bekannt ist", sagt Miller. "Für mich musste es aber Mick Jagger sein."

Gestern Wasserlandschaft, heute Wüste

Gefunden hatten die Forscher die versteinerten Kieferknochenfragmente von Jaggermeryx naida inmitten abgelegener Sanddünen in Ägypten. Heute ist es an der Stelle trocken und karg, doch geologische Daten lassen vermuten, dass hier vor Millionen von Jahren ein üppiges tropisches Flussdelta lag, durchzogen von Wasserläufen und Sumpflandschaft.

Auch die Anatomie von Jaggers Wassernymphe spricht dafür: Untersuchungen hätten gezeigt, dass das Tier wahrscheinlich ein Pflanzenfresser war. "Es könnte seine empfindliche Schnauze genutzt haben, um am Flussufer nach Futter zu suchen", sagt Miller. Mit seinen unteren Zähnen und den Lippen hat es sich möglicherweise Pflanzenteile ins Maul geschaufelt. Ausführlich beschrieben haben die Forscher Jaggermeryx naida im "Journal of Paleontology".

Eine Milbe namens Lopez

Tiere nach Berühmtheiten zu benennen, ist unter Biologen weit verbreitet und wird von den Forschern als Kompliment verstanden. So gibt es zahlreiche Tiere mit berühmten Namenspaten: Angelina Jolie hat bereits eine Spinne als tierischen Namensvetter - Aptostichus angelinajolieae.

Erst vor zwei Monaten benannten Forscher außerdem eine Wassermilbenart nach Jennifer Lopez: Litarachna lopezae. Nach Johnny Depp wurde das Krustentier Kootenichela deppi benannt.

Ein stattlicheres Wesen hatten Forscher für den Gitarrenvirtousen Mark Knopfler parat: Der Name des Dinosauriers Masiakasaurus knopfleri sei entstanden, weil sie während der Ausgrabungen der versteinerten Dino-Knochen ständig die Musik des berühmten Künstlers gehört hätten. Und auch deutsche Promis kamen bereits auf ihre Kosten: So gibt es die Meeresschnecke Bufonaria borisbeckeri.

Die Stones kommen als Namensgeber häufig vor, besonders bei der Benennung von Trilobiten, urzeitlichen Gliederfüßern: Perirehaedulus richardsi ist nach Keith Richards benannt. Aegrotocatellus nankerphelgeorum heißt nach Naker Phelge, dem Namen, unter dem die Rolling Stones zu Beginn ihrer Karriere Platten veröffentlicht hatten. Auch nach Mick Jagger wurde bereits ein Trilobit benannt: Aegrotocatellus jaggeri.

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jme

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insgesamt 1 Beitrag
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JaIchBinEs 14.09.2014
1. Kriegsverbrecher als Namensgeber für neue Tierarten?
Ein Tier mit markanten Merkmalen nach einem Prominenten zu benennen, den diese auch auszeichnen, ist originell. Aber einen Tyrannen und Kriegsverbrecher als Namensgeber zu benutzen ist nicht nur geschmacklos sondern gehört verboten. Der Gipfel der Unsinnigkeit ist dann die Gefährdung dieses Tieres von IMHO kranken Devotionalien-Sammlern.
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