Mikroorganismen Schleimpilze betreiben Ackerbau

Amöben bauen Nahrung für schlechte Zeiten an: Sie züchten Bakterien, wie eine neue Studie zeigt - Wissenschaftler sprechen von "Bauern". Für die primitive Landwirtschaft schließen sich die Schleimpilze zu mehrzelligen Organismen zusammen.

Schleimpilze der Art Dictyostelium discoideum: Landwirtschaft im Kleinen
Owen Gilbert

Schleimpilze der Art Dictyostelium discoideum: Landwirtschaft im Kleinen


London - Amöben betreiben eine primitive Form des Ackerbaus. Die Schleimpilze der Art Dictyostelium discoideum sammeln ihre Nahrung, Bakterien, und bewahren sie auf, um sie woanders wieder "auszusäen". Das schreiben Forscher im Wissenschaftsjournal "Nature".

Dictyostelium discoideum sind Amöben, die im Boden leben und sozial miteinander interagieren. Sie ernähren sich von Bakterien. Ihre Wachstumsphase verbringen sie als Einzeller. Kommt es zu einem Nahrungsmangel, schließen sich Zehntausende der Amöben zu einem vielzelligen Organismus zusammen. Dieser ist unterteilt in einen Stiel, der aus abgestorbenen Amöben besteht, und den sogenannten Sorus, in dem Sporen der Einzeller enthalten sind. Wenn die Entwicklungsphase endet, keimen die Sporen wieder aus.

Debra Brock und ihre Mitarbeiter von der Rice University in Houston (US-Bundesstaat Texas) zeigten nun, dass etwa ein Drittel aller freilebenden Amöben eine Art von Landwirtschaft betreiben. Die Forscher nennen diese Gruppen "Bauern". In Laborversuchen wiesen sie nach, dass die Bauern nicht wie ihre Artgenossen alle Bakterien in einer Kulturschale fraßen. Stattdessen stellten sie zu einem bestimmten Zeitpunkt das Futtern ein, bildeten einen mehrzelligen Organismus und schlossen dabei die verbleibenden Bakterien in den Sorus ein.

Schleimpilze imitieren U-Bahnnetz von Tokio

Transportierten die Forscher die Amöben nun auf bakterienfreie Kulturschalen, keimten die Sporen der "Bauern" wieder aus. Dank der mitgebrachten Bakterien hatten die Amöben genügend Nahrung. Sie vermehrten sich folglich und bildeten anschließend wieder neue Sporen. Die "Nicht-Bauern" hingegen gediehen merklich schlechter, sie produzierten kaum Sporen.

Setzen die Forscher die Amöben allerdings in Kulturschalen, in denen bereits Bakterien vorhanden waren, kehrte sich das Bild um: Die Bauern bildeten weniger Sporen als die Nicht-Bauern. Das Sammeln der Bakterien kann sich also als Vor- oder Nachteil herausstellen, je nachdem, welche Umgebungsbedingungen vorherrschen. Vermutlich sei dies auch der Grund dafür, dass nicht alle Amöben das Verhalten zeigten.

In der Natur gebe es nur wenige Orte, die frei von Bakterien sind, schreiben die Wissenschaftler. Dennoch könne es sinnvoll sein, die eigenen, bevorzugten Bakterien mitzubringen, genau so, wie auch der Mensch bestimmte Pflanzen in einer ohnehin grünen Umgebung anpflanzt.

Erst kürzlich hatten Forscher eine andere erstaunliche Fähigkeit von Schleimpilzen festgestellt: Die Winzlinge bauen komplexe Verkehrssysteme. In einem Versuch imitierte ein Pilz sogar das U-Bahnnetz von Tokio.

boj/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
alocasia 20.01.2011
1. Was den nun?
Amöben oder Schleimpilze? Das ist etwas total unterschiedliches. Wirtschaftsredakteure sollten keine naturwissenchaftliche Berichte schreiben.
chromatine 20.01.2011
2. @alocasia
Zitat von alocasiaAmöben oder Schleimpilze? Das ist etwas total unterschiedliches. Wirtschaftsredakteure sollten keine naturwissenchaftliche Berichte schreiben.
Und wenn Sie sich nicht richtig informiert haben, sollten Sie besser auch keinen Kommentar schreiben. 1:0 für den "Wirtschaftsredakteur". Amöbe ist ein Sammelbegriff für eine einzellige Lebensform. Das hat mit Verwandschaftsverhältnissen gar nichts zu tun. Dictyostelium gehört jedenfalls zur Taxonomie der Schleimpilze und im einzelligen Stadium ist er Amöbe.
bernd220383 21.01.2011
3. nichts ganz neu
aber trotzdem schoen und auch fasinierrend. Das erstemal habe ich davon auf einer konferenz in colorado gehört wenn ich mich recht erinnere. Schoen das mit mit Dicty forschung noch in Nature publizieren kann
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