Neue Zählung Deutlich weniger Vögel in deutschen Gärten

Normalerweise ist Deutschland im Winter Ziel für zahlreiche Zugvögel aus Nordeuropa. Doch in diesem Jahr hausen sehr viel weniger Tiere in deutschen Gärten. Warum?

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Es piept und zwitschert leiser in diesem Winter: Rund 17 Prozent weniger Vögel leben derzeit in deutschen Gärten - verglichen mit den Zahlen aus den Vorjahren. Das ist das Ergebnis einer flächendeckenden Zählung der Umweltorganisation Nabu und dem bayerischen Landesbund für Vogelschutz.

"So wenige Vögel wie in diesem Winter hatten wir schon lange nicht mehr", erklärte der Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Vor allem die häufigsten Futterhausbesucher wie Meisen und Kleiber wurden demnach deutlich seltener beobachtet. Diese Arten fliegen normalerweise im Winter aus Nord- und Osteuropa nach Deutschland. Auch Kernbeißer wurden nicht so häufig gezählt wie in Vorjahren.

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Rätselhafter Schwund: Der Zauber der Wintervögel

Dabei war die Meisenzahl vor allem im Südwesten Deutschlands geringer, während es in Nord- und Ostdeutschland keine großen Unterschiede gab. Die Experten vermuten daher, dass die Tiere wegen des milden Winters ihre Wanderungen gen Süden frühzeitig unterbrochen haben.

Dazu passt laut Nabu außerdem, dass Arten wie Amseln, Rotkehlchen oder Stare, die im Winter traditionell aus Deutschland gen Süden fliegen, besonders häufig gezählt wurden. Die Amselzahl pro Garten lag im Schnitt um 20 Prozent höher als im vergangenen Jahr.

Auch eine schlechte Brutsaison bei Meisen und anderen Waldvögeln könnte die Bestände gedrückt haben. Fressfeinde schließt der Nabu dagegen als Ursache für den Vogelschwund aus. Die Bestände von Katzen, Raben oder Greifvögeln hätten sich im Vergleich zu früheren Jahren nicht verändert.

118.000 Menschen haben mitgezählt

Nabu und der Landesbund Vogelfreunde rufen jedes Jahr dazu auf, an einem Tag Anfang Januar eine Stunde lang Vögel in Gärten zu beobachten und zu zählen. Aus den Meldungen wird auf die Bestandsentwicklung geschlossen. 2011 gab es die Aktion zum ersten Mal.

Insgesamt beteiligten sich den Angaben zufolge rund 118.000 Menschen. An der Spitze der am häufigsten gesichteten Vogelarten blieb der Spatz, vor Amsel und Kohlmeise. Im Mai gibt es eine weitere ähnliche Zählung, bei der die Brutvögel im Fokus stehen.

sep/AFP/dpa



insgesamt 59 Beiträge
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stefanmargraf 01.02.2017
1. Vogelgrippe tötet Vögel
Und: "Die Amselzahl pro Garten lag im Schnitt um 20 Prozent höher als im vergangenen Jahr" , wahrscheinlich sogar 20% höher pro zwei Gärten.
grabenkaempfer 01.02.2017
2.
Nachdem es jetzt dochmal länger Schnee gab, kann ich das nicht bestätigen. Ich habe jetzt zwar nicht gezählt, aber die üblichen Verdächtigen haben sich dann doch gezeigt. Was mehr als üblich anwesend war, waren die Drosseln, aber das kann auch am Nachbargarten liegen, wo massig Äpfel herumlagen.
Thorkh@n 01.02.2017
3. Insektenverfügbarkeit
Raum Kiel, 54. Breitengrad: noch Anfang November flogen hier Wespen herum, an sonnigen Tagen sah ich Anfang Dezember mancherorts Insektenschwärme wie Mücken in der Luft tanzen, Fliegen kamen bei geöffnetem Fenster in die Zimmer geflogen (sehr zur Freuude unserer Wohnungskatzen) und während eines Live-Interviews zum Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf schlug sich der Interviewte einen Brummer vom Ohrläppchen. Kurz: die Insektenverfügbarkeit scheint in diesem Jahr zu Winterbeginn deutlich höher gewesen zu sein als in den Vorjahren. Wenn sich das nach Norden fortgesetzt hat, erklärt sich, warum die Teilzieher zunächst nicht zu uns kamen. Sie fanden in den und nahe der Brutgebiete noch immer genug artgerechte Nahrung (Rotkehlchen, Zaunkönige und Meisen bevorzugen Insekten- und Wirbellosentiernahrung). Wenn die Vögel auch nicht in den garten kamen, so konnte ich sie hier trotzdem in den parks und Waldrändern beobachten, wobei die speziellen Waldarten wie z. B. Kernbeißer fehlten. Dass Vögel aus dem Norden hier überwintern, zeigte sich mir an den Dompfaffen, von denen ich mehrfach die nasalen, rauhen Rufe der sogenannten Trötergimpel vernehmen konnte. Hierbei handelt es sich um Vögel, die weit aus dem hohen Nordosten Europas zu uns ziehen (https://www.youtube.com/watch?v=KwdumbPZbfc). Ich finde, der Aspekt Insektenverfügbarkeit wird zu sehr außer Acht gelassen, zumal er ein Indiz sein könnte für den fortschreitenden Klimawandel.
upalatus 01.02.2017
4.
Der Winter war, ob nun im Kleinstadtgarten, dem Gehölz rund um Supermärkte, oder weit draussen im Wald, wirklich sehr ohne Vogelstimme. Zu vergangenen Zeiten haben größere Gruppen Spatzen, Rotkehlchen etx. den Balkon und den Futterkasten dort aufgesucht; diese Jahr gar nix, im Garten ließen sich irgendwann mal zwei Amseln am Futter sehen. Ich mag mich im Nachhinein irren, aber auch das sonst übliche Vorkommen der Bienen und dergleichen war letztes Jahr kaum wahrnehmbar (wir haben zb. etliche Gamanderbüsche, worauf sich Hummeln/Bienen normalerweise fleissig tummeln...).
c.PAF 01.02.2017
5.
Nur 17% weniger? Letztes Jahr hielt das Futter im Häuschen 2-3 Tage, dieses Jahr teilweise über zwei Wochen. So gut wie keine Vögel bei uns...
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