Mitgefühl im Tierreich Schimpansenmütter trauern um tote Babys

Erstmals haben Biologen eindeutig beobachtet, wie Schimpansenmütter auf den Tod ihres Nachwuchses reagieren: Sie trauern. Videoaufnahmen zeigen, wie schwer es einer Mutter fällt, sich von ihrem toten Baby zu trennen.

Schimpansendame im Zoo von Sydney: Emotionale Bindung zum Nachwuchs
Getty Images

Schimpansendame im Zoo von Sydney: Emotionale Bindung zum Nachwuchs


Schimpansen können Stöcke als Werkzeuge benutzen, wie Kinder mit "Puppen" spielen, lachen, schauspielern - und allem Anschein nach auch tiefe Trauer empfinden und zeigen. Das schreiben Forscher vom niederländischen Max-Planck-Institut für Psycholinguistik jetzt im Fachmagazin "American Journal of Primatology". Ihren Angaben nach ist es das erste Mal, dass Biologen so detailliert die Trauer einer Mutter beobachtet und dokumentiert haben.

Umfangreiche Video-Aufnahmen zeigten (ein Video finden Sie hier), dass das Gebaren einer trauernden Schimpansenmutter ergreifend wirke, schreiben Katherine Cronin und ihre Kollegen. Und es weiche eindeutig vom Verhalten und Gebaren im Umgang mit lebenden Affenjungen ab.

Im Affenschutzgebiet Chimfunshi in Sambia beobachteten und filmten die Biologen, wie eine Schimpansenmutter die Leiche ihres mit 16 Monaten gestorbenen Jungen mehr als einen Tag lang mit sich herumtrug, immer wieder auf den Boden legte und mit ihren Fingern über dessen Gesicht und Nacken strich.

"Sie blieb zunächst fast eine Stunde neben der Leiche, trug sie dann zu einer Gruppe von Schimpansen und sah zu, wie diese sie untersuchten", berichten die Wissenschaftler. Erst am nächsten Tag habe sie die Leiche nicht mehr bei sich getragen.

Bisher sei zu wenig erforscht, wie Primaten auf den Tod naher Angehöriger reagieren, was sie davon verstehen - ob sie tatsächlich trauern, sagt Cronin. Die Videoaufzeichnungen aus Chimfunshi böten Möglichkeiten für weitere Verhaltensforschungen. Die Videos würden Betrachter zwingen, darüber nachzudenken, was in den Köpfen von Primaten vor sich gehe, und zugleich ähnliche frühere Beobachtungen und Aufzeichnen ergänzen sowie das Verhalten von Schimpansen teils in neuem Licht erscheinen lassen.

Schon 2010 hatten britische Forscher berichtet, dass Schimpansen sich um sterbende Gruppenmitglieder kümmern und sich nur schwer vom gestorbenen Nachwuchs trennen können.

cib/dpa

insgesamt 102 Beiträge
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Naturhuf 28.01.2011
1. Erst jetzt??
Ich verstehe das nicht - werden die Beobachtungen von anderen Forschern denn total ignoriert?? Ich weiss schon seit mehreren Jahren durch Jane Goodalls Arbeit, dass nicht nur Schimpansenmütter trauern - andere Schimpansen tun es auch. Ein Jungaffe starb an gebrochenen Herzen, als seine alte Mutter starb. Er blieb in der Nähe ihres Körpers und verhungerte, obwohl er schon alt genug war (3 - 5 Jahre), um in der Gruppe und mit normaler Nahrung zu überleben.
albert schulz 28.01.2011
2. Rassenheilkunde oder Seelenkunde
Daß zumindest Säugetiere einen Hypothalamus und ein limbisches System haben wie wir ist ein uralter Hut. Sie haben demnach eine Seele. Kennen wir nicht, aber da wir unsere auch nicht kennen, ist das ziemlich schnuppe. Seele ist als das definiert, was wir nicht wissen. Also Gefühle, Hoffnungen und der ganze Schmus, der Leben bedeutet, nach Goethe "Wahn", als hätte er Freud vorhergesehen. Daß Tiere blöde sind ist eine geistige Errungenschaft, die wir dem Christentum verdanken. Danach sind alle blöde, die gelb oder rot oder schwarz sind. Daß Moslems "weiß" sind ist eben eine bedauerliche Ausnahme.
albert schulz 28.01.2011
3. ich werde vergeßlich
Von Hunden sind ähnliche Verhaltensweisen seit Urzeiten aus der Liter
albert schulz 28.01.2011
4. ich werde vergeßlich
Von Hunden sind ähnliche Verhaltensweisen seit Urzeiten aus der Literatur bekannt ("die sind ja so menschlich"). Was das Miteinander angeht, also das Verhalten, sind ganz sicher die wundervollen Tiersendungen von BBC auf Arte oder Phönix weit aussagekräftiger als hundert Jahre Psychoanalyse.
kaksi 28.01.2011
5. "Erstmals"???
Zitat von sysopErstmals haben Biologen beobachtet, wie Schimpansenmütter auf den Tod ihres Nachwuchses reagieren: Sie trauern. Videoaufnahmen zeigen, wie schwer es einer Mutter fällt, sich von ihrem toten Baby zu trennen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,742259,00.html
Ich habe schon vor Jahrzehnten gesehen und gehört, wie eine Hündin laut winselnd nach ihren frisch "geworfenen" Jungen suchte, die ihr Eigentümer heimlich getötet hatt. Und das laute Blöken einer Kuh, der man ihr eben "geworfenes" Kälbchen weggenommen hatte, klingt mir noch heute in den Ohren. "Viele Grausame gibt es, doch nichts ist grausamer als der Mensch." Frei nach einem altgriechischen Dichter.
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