Im Mittelalterlichen Klimaoptimum war die Nordatlantische Oszillation vorzugsweise in ihrem positiven Zustand. Klimamodelle sagen vorher, dass die aktuelle Anreicherung von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre ebenfalls verstärkt dafür sorgen wird, dass das Phänomen diesen Status einnimmt. "Das ist gut für Europa, wenn man milde Winter mag, aber schlecht für die Niederschlagsmengen, wenn man in den unter Wassermangel leidenden Regionen des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens lebt", sagt Mann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
In der Kleinen Eiszeit kehrten sich dann die Vorzeichen aus dem Mittelalterlichen Klimaoptimum offenbar um. Mann mag ohnehin lieber von einer Klimaanomalie sprechen. Geringe Sonnenaktivität und stärkerer Vulkanismus kühlten die Erde großräumig ab. "Ich finde es überraschend, wie stark eine kleine globale Änderung der Oberflächentemperatur regionale Prozesse beeinflussen kann, und welche großräumigen Folgen sich daraus ergeben können", sagt Drew Shindell vom Goddard Institute für Space Studies der Nasa in New York. Er ist ein Schwergewicht der Klimaforschung und Co-Autor des aktuellen "Science"-Papers.
Klimaskeptiker könnten die aktuelle Arbeit als Indiz dafür nehmen, dass in Wahrheit natürliche Faktoren das Klima weit mehr beeinflussen, als es der Mensch je tun könnte. Doch so will Shindell seine Arbeit ausdrücklich nicht verstanden wissen. Für ihn zeigen die aktuellen Ergebnisse, wie ernst man die vom Menschen verursachte Erwärmung nehmen müsse. Denn zwischen Mittelalterlichem Klimaoptimum und Kleiner Eiszeit hätten sich die Temperaturen statistisch gesehen nur um ein halbes Grad geändert. Für einige Weltregionen waren die Folgen dennoch dramatisch. Seit Beginn der Industrialisierung habe der Mensch bereits für einen Anstieg der Durchschnittstemperatur um etwa ein Grad gesorgt.
"Veränderung viel zu klein, um beobachtete Erwärmung zu erklären"
Anders als im Mittelalter haben natürliche Prozesse mit der aktuellen Erwärmung nach Ansicht Shindells kaum etwas zu tun. Im 20. Jahrhundert habe sich etwa die Sonnenaktivität eher wenig verändert. Zwar habe das Klima auch darauf reagiert, sagt Shindell. "Diese Veränderung ist aber viel zu klein, um die beobachtete Erwärmung zu erklären." Michael Mann geht sogar noch weiter: "Natürliche Faktoren hätten für sich genommen zu einer geringen Abkühlung in den vergangenen 50 Jahren führen müssen, weil es mehr vulkanische Ausbrüche und gleichzeitig eine geringe Sonnenaktivität gab."
Nur menschliche Aktivität, genauer gesagt der Anstieg der Treibhausgas-Konzentrationen, könne gemessene Erwärmung erklären. Und doch plädiert Shindell dafür, die aktuelle Diskussion um den Klimawandel zu modifizieren. Er tue sich nach seiner jüngsten Studie etwas schwer mit dem Begriff der "globalen Erwärmung", sagt der Nasa-Mann.
Zusammen mit seinen Kollegen habe er zeigen können, dass Temperaturänderungen je nach Weltregion stark unterschiedlich ausfallen könnten. Deswegen sei es nicht sinnvoll, immer mit der globalen Durchschnittstemperatur zu argumentieren. Stattdessen müsse es darum gehen, die regionalen Auswirkungen der Klimaänderungen besser zu untersuchen - "wo sie eine Rolle spielen für Menschen, Wasserversorgung und Ökosysteme".
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