Mittelmeer Fangstopp soll Thunfisch-Bestände retten

Thunfische werden im Mittelmeer immer seltener, weil Fangflotten gnadenlos Jagd auf die Tiere machen. Umweltschützer haben nun einen Fangstopp gefordert. Nur so sei die vom Aussterben bedrohte Art noch vor der "Thunfisch-Mafia" zu retten.


Zwei Jahrtausende lang ernährte der Raubfisch die Menschen am Mittelmeer. Doch nun scheint es dort so gut wie keinen Thunfisch mehr zu geben. Der Bestand der Fische stehe vor dem Kollaps, teilte die Umweltschutzorganisation WWF mit. "Nach Jahren rücksichtsloser Ausbeutung ist ein Moratorium die einzige Chance, um den Roten Thun noch zu retten", sagte WWF-Experte Sergi Tudela.

Thunfische: Bestände im Mittelmeer sind kollabiert
AFP

Thunfische: Bestände im Mittelmeer sind kollabiert

In den kommenden Tagen bietet sich genau dafür eine Chance: Im marokkanischen Marrakesch tagen bis zum 24. November die 46 Vertragsstaaten der Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT), zu denen auch die EU zählt. Dabei könnte es zu einer Wende kommen, hofft der WWF. Mit Japan und Spanien haben sich bereits zwei der wichtigsten Länder für einen Fangstopp ausgesprochen. Die EU habe im Juni die Fangsaison ausgesetzt, weil die europäischen Fischer ihre Quote bereits überschritten hätten.

Wissenschaftler empfehlen seit Jahren Fangquoten von etwa 15.000 Tonnen pro Jahr. Die in der ICCAT organisierten Nationen hatten laut WWF die zulässigen Mengen jedoch immer etwa doppelt so hoch angesetzt. Wegen der massiven illegalen Fischerei habe der tatsächliche Fang allein im vergangenen Jahr bei 60.000 Tonnen gelegen. Vor allem die Türkei, Italien, Kroatien, Libyen, Frankreich und Spanien hätten die Quoten immer wieder überschritten.

"Wir haben es hier mit einer regelrechten Thunfisch-Mafia zu tun", erklärte WWF-Mitarbeiterin Karoline Schacht. Eine von ICCAT eingesetzte Expertenkommission habe kürzlich festgestellt, dass das Fischereimanagement bisher versagt hat und aufgrund der bedrohlichen Situation für den Roten Thun sogar von einer "internationalen Schande" gesprochen.

Vor allem die große Nachfrage nach Sushi hat zum Niedergang der Thunfisch-Bestände beigetragen. Für besondere Exemplare werden Rekordsummen gezahlt, und vier Milliarden Euro werden jedes Jahr allein im Geschäft mit dem Thunfisch gemacht.

Nach den Vorstellungen des WWF sollte ein Fangstopp so lange gelten, bis ein umfassendes Rettungsprogramm auf den Weg gebracht ist. Dazu könnten Schutzgebiete für Jungfische, schärfere Kontrollen und eine drastische Verkleinerung der Fangflotte zählen.

chs/dpa/AFP



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