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Tierschutz: Atlas zeigt Lärmquellen im Mittelmeer

Anzahl von Lärmquellen im Mittelmeer (Häfen, Industrieprojekte wie Öl- und Gasförderanlagen und Windenergieanlagen, kommerzielle und seismische Erkundungen, sowie militärische Übungen):  Die Farben zeigen die Anzahl von Lärmquellen in einer Region (siehe Legende oben links) - nur die blauen Bereiche sind ungestört.  Zur Großansicht
Maglio et al. 2015

Anzahl von Lärmquellen im Mittelmeer (Häfen, Industrieprojekte wie Öl- und Gasförderanlagen und Windenergieanlagen, kommerzielle und seismische Erkundungen, sowie militärische Übungen): Die Farben zeigen die Anzahl von Lärmquellen in einer Region (siehe Legende oben links) - nur die blauen Bereiche sind ungestört.

Bauarbeiten, Häfen, Bohrinseln: Unter Wasser herrscht vielerorts großer Lärm. Eine Karte zeigt die Störquellen im Mittelmeer - der Rückzugsraum für Tiere wird immer kleiner.

Die Fische, Wale oder Delfine im Mittelmeer schwimmen mancherorts in extremem Lärm. Zu diesem Schluss gelangen Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA, die erstmals eine Karte der Lärm-Hotspots im Mittelmeer erstellt haben.

Speziell die in den vergangenen Jahren intensivierte Suche nach Öl- und Gasvorkommen mittels Schallkanonen sei ein großes Problem, sagte die Co-Autorin der Studie, Silvia Frey. "Das ist viel, viel lauter als ein startender Düsenjet." Die Fische hörten und spürten den Lärm. Eine generelle Geräuschquelle seien die durchschnittlich etwa 1500 Handelsschiffe, die zu jedem Zeitpunkt im Mittelmeer unterwegs seien.

Der Bericht im Auftrag des Abkommens zum Schutz von Walen und Delfinen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer hat die Lärmquellen im Zeitraum von 2005 bis 2015 erfasst. Dafür wurden Daten von 1446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, sieben Millionen Schiffspositionen, offiziell zugänglichen Angaben zu militärische Aktivitäten und 52 Windfarmprojekten erfasst. Selbst gemessen haben die Forscher aber nicht - ihre Daten beruhen auf Hochrechnungen.

Unter Stress

Der Einsatz von Schallkanonen, die per Lärmsignal die Beschaffenheit des Meeresboden analysieren sollen, habe enorm zugenommen, berichten die internationalen Meeresschutzorganisationen Oceancare und der Rat zur Verteidigung von Naturschätzen (NRDC) weiter. 2005 seien davon nur knapp vier Prozent der Oberfläche des Mittelmeeres betroffen gewesen, 2013 bereits 27 Prozent.

"Lärm ist ein Stressfaktor wie bei den Menschen", sagte Frey. Zwar könnten sich die Fische in ruhigere Gebiete zurückziehen, aber es sei oft schwierig, einen Ersatz für eine biologisch wertvolle Ursprungs-Umgebung zu finden. "Viele Gebiete im Mittelmeer bieten keine idealen Lebensbedingungen", sagte Frey.

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4  Bilder
Windparks in Nord- und Ostsee: Baulärm am Meeresgrund
Lärmkarten sind nach Ansicht des Bio-Akustikers Andreas Ruser von der Tierärztlichen Hochschule Hannover sehr sinnvolle Projekte, um die Belastung für die Tiere zu erfassen. Auch für Nord- und Ostsee sei eine solche Karte in der Entstehung.

Ursache für Strandungen

Für Rammarbeiten bei der Erstellung von Windkraftanlagen in der Nordsee gelte in deutschen Gewässern bereits eine Schallenergie-Höchstgrenze, um zum Beispiel die Belastung für die sensiblen Schweinswale in Grenzen zu halten, sagte Ruser. Gerade Delfine und Wale, die zur Orientierung auf ihr Gehör angewiesen seien, litten unter dem Lärm. Viele Strandungen von Schnabelwalen im Mittelmeer könnten auf Schädigungen des Hörsinns der Meeressäuger zurückzuführen sein, meinte Frey.

Zu den Lärm-Schwerpunkten zählen laut Bericht neben der Straße von Gibraltar auch die Gewässer zwischen dem spanischen Festland und den Balearen. Das spanische Umweltministerium habe aber inzwischen die Gefahr erkannt und wolle das Gebiet als Migrationskorridor für Wale und Delfine unter Schutz stellen. Dies hätte ein striktes Management lärmverursachender Aktivitäten zur Folge, hieß es.

Die an dem Bericht beteiligten Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die Karte noch viele Lücken habe. Die Unternehmen hielten sich stark mit der Veröffentlichung von Daten zurück. Der Bericht sei aber zumindest ein erster Hinweis auf das Ausmaß des Lärms im Mittelmeer.

boj/dpa

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1. Mittelmeer
112211 22.01.2016
Lärmemissionen sind rund um das Mittelmeer ein Thema, welches bislang so gut wie überhaupt nicht bearbeitet wurde. Die südländische Mentalität als wohlwollende Begründung zu akzeptieren, ist wirklich schlimm. Wieso sollte es dort eine größere Resistenz gegenüber Stress durch Lärm als woanders geben? Und jetzt auch noch Auswirkungen auf das Leben im Meer: da müssen die Anrainerstaaten dringend hinzulernen.
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