Monsterzyklon über Australien Tiefenhitze aus dem Pazifik befeuerte "Yasi"

Der Wirbelsturm "Yasi" erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h, hinterließ eine Spur der Verwüstung: Selten wurde ein stärkerer Zyklon beobachtet. Neue Daten zeigen sein gigantisches Energiereservoir. Klimaforscher rätseln, ob solche Monsterstürme bald häufiger auftreten.

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Mehr als 180.000 Haushalte waren ohne Strom, Tausende Menschen verloren ihre Häuser, einige Gemeinden sind am Donnerstag noch von der Außenwelt abgeschnitten. "Yasi", jene 500 Kilometer breite Unwetterfront, die seit Mittwoch über Australiens Nordostküste zieht, hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Allein in der Stadt Tully sei jedes dritte Haus zerstört oder das Dach abgedeckt worden, sagte die Ministerpräsidentin des Staates Queensland, Anna Bligh, am Donnerstag. Sie konnte aber auch Entwarnung geben: Den bisherigen Berichten zufolge gebe es keine Toten. Für eine endgültige Bilanz sei es aber noch zu früh, so die Politikerin.

"Yasi" traf als einer der schlimmsten Stürme seit Menschengedenken auf die australische Küste mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde; stärkere Winde sind weltweit nur selten gemessen worden. Meteorologen haben die treibenden Kräfte hinter dem Monsterzyklon analysiert. Sie diskutieren, ob der Klimawandel Wirbelstürme dieser Art befeuert.

Experten sahen die Gefahr voraus, denn vor der australischen Ostküste im Pazifik herrschen seit Sommer 2010 sogenannte La-Niña-Verhältnisse: Ungewöhnlich starke Passatwinde haben 30 Grad warmes Wasser nach Westen getrieben. La Niña hatte bereits für die katastrophalen Regenfluten der vergangenen Wochen in Australien gesorgt.

Vor der Küste von Queensland wurden für Dezember die dritthöchsten Wassertemperaturen seit Beginn der Messungen festgestellt; die Januartemperaturen lagen ähnlich hoch, sie sind aber noch nicht gänzlich ausgewertet. Wirbelstürme, in Australien Zyklone genannt, entstehen über einer Wasserschicht von mindestens 50 Meter Dicke, die 26,5 Grad Celsius erreicht. Das Meer vor Nordost-Australien ist derzeit noch in 150 Meter Wassertiefe wärmer als 26 Grad. Dieses gigantische Energiereservoir speist den Wirbelsturm "Yasi".

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Rekordsturm "Yasi": Eine Schneise der Verwüstung
Denn aus dem tropischen Ozean verdunsten gigantische Mengen feuchtwarmer Luft. In der Kühle höherer Luftschichten kondensiert die Feuchte zu Wolken. Wobei weitere Energie freigesetzt wird, die den Luftaufstieg zusätzlich antreibt. Die Erddrehung zwingt die Wolken in eine Kreisbahn. Das Zentrum des Wirbels - sein "Auge" - saugt immer mehr Luft an, bis der Wind auf Sturmstärke beschleunigt.

Führt wärmeres Klima zu mehr Monsterstürmen?

Doch welche Rolle spielt dabei der Klimawandel? Allein warme Meere machen noch keinen Wirbelsturm. In den vergangenen 15 Jahren war das Meer vor Australien zu dieser Jahreszeit oft gleich warm oder gar wärmer, ohne dass große Wirbelstürme aufgezogen wären. Dem australischen Wetterdienst zufolge haben sich über Australien und vor seinen Küsten in den vergangenen Jahren nicht mehr Tiefdruckgebiete gebildet; ihre Zahl schwankt seit Beginn der Messungen vor 110 Jahren von Jahr zu Jahr nur wenig.

Klimaforscher tun sich entsprechend schwer damit, die Zyklone mit der weltweiten Klimaerwärmung in Zusammenhang zu bringen. In einer wärmeren Welt werde es wahrscheinlich nicht mehr Wirbelstürme geben, allenfalls würden die stärksten Zyklone noch stärker werden, resümierte 2007 der Uno-Klimareport, der alle paar Jahre das Wissen über das Klima zusammenfasst. Einem Konsenspapier der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) aus dem Jahr 2006 zufolge lassen sich die Schwankungen bei der Häufigkeit der Wirbelstürme und ihrer Stärke nicht auf die Erwärmung zurückführen.

Zerfledderte Wirbelstürme

Zwar räumen selbst skeptische Klimaforscher ein, dass Ozeantemperaturen von mehr als 30 Grad besten Treibstoff für Wirbelstürme bieten. Neben Meereswärme entscheiden aber weitere Einflüsse darüber, ob sich Luftströmungen zu Wirbelströmen auswachsen: Umherschießende Luftmassen, sogenannte Scherwinde, zerfleddern Wirbelstürme regelrecht und rauben ihnen die Kraft. Auch große Mengen Staubpartikel können die Wirbel anscheinend schwächen. Beide Phänomene könnten sich im Gefolge einer weiteren Klimaerwärmung sogar noch verstärken, sagen Wissenschaftler.

Die Analyse von Korallen und Sandschichten scheint diesen Schluss zu bestätigen: Ausgerechnet in Zeiten, in denen das Meer kühler war, habe es beispielsweise in der Karibik starke Wirbelstürme gegeben, haben Geologen ermittelt.

Auch in Australien gab es zu allen Zeiten gewaltige Wirbelstürme: Im März 1899 fegte der bislang tödlichste Zyklon über Bathurst Bay hinweg; 300 Menschen starben. Der Zyklon "Tracy" verwüstete Weihnachten 1974 weite Teile der Stadt Darwin, er riss 71 Menschen in den Tod. Der Windmesser am Flughafen zeigte 217 Kilometer pro Stunde an, als das Instrument zerstört wurde. Die bislang höchste Windgeschwindigkeit wurde 1996 bei dem Zyklon "Olivia" auf der Insel Barrow vor Westaustralien gemessen - 408 Kilometer pro Stunde.

Zyklon "Yasi" verlor auf seinem Weg über das Festland an Kraft; der Nachschub an Wärmeenergie aus dem Ozean war abgeschnitten. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf der international gebräuchlichen Saffir-Simpson-Skala wurde auf die Kategorie zwei heruntergestuft.

In den nächsten Monaten könnte der Spuk weitergehen, warnt der australische Wetterdienst. La Niña werde noch Monate bestehen bleiben; es drohten weitere Wirbelstürme. Ob La Niña künftig häufiger auftreten wird, wissen Klimaforscher nicht. Der Uno-Klimareport hält fest: Eine Vorhersage ist nicht möglich.



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timewalk 02.02.2011
1. Nein, Setzen 6
---Zitat--- Vor der Küste von Queensland wurden für Dezember die dritthöchsten Wassertemperaturen seit Beginn der Messungen festgestellt ---Zitatende--- Nein dies ist nicht richtig, The sea surface temperatures over the region of ocean Yasi is traversing (10S – 20S, 145E – 160E) were 1.2°C above average during December, the latest month we have data for from the UK Hadley Center. This is the highest value on record, going back to the early 1900s. http://climateprogress.org/2011/02/01/masters-tropical-cyclone-yasi-flooded-queensland-australia/#comments ---Zitat--- resümierte 2007 der Uno-Klimareport, der alle paar Jahre das Wissen über Klima zusammenfasst. Einem Konsenspapier der Welt-Meteorologischen-Organisation (WMO) aus dem Jahr 2006 ---Zitatende--- 2007 hat Herr Axel Bojanowski der Chef Skeptiker bei SPON wohl aufgehört zu recherchieren. 2009 A Warming World Means More Destructive Storms http://www.treehugger.com/files/2009/07/warming-world-means-more-destructive-storms.php 2010 Masters: “It appears that this year’s record [sea surface temperatures] have significantly expanded the area over which major hurricanes can exist over the Atlantic.” 2010 hurricane season has already set multiple records Warmer seas fueling hurricanes Streak of four storms in 20 days called unusual http://www.boston.com/lifestyle/green/articles/2010/09/22/warmer_seas_fueling_hurricanes/ This morning is just the second time in recorded history that two simultaneous Category 4 or stronger storms have occurred in the Atlantic. http://climateprogress.org/2010/09/16/2010-hurricane-season-records-jeff-masters-global-warming/ ---Zitat--- Auch in Australien gab es zu allen Zeiten gewaltige Wirbelstürme: Im März 1899 fegte der bislang tödlichste Zyklon über Bathurst Bay hinweg; 300 Menschen starben. Der Zyklon "Tracy" verwüstete Weihnachten 1974 weite Teile der Stadt Darwin, er riss 71 Menschen in den Tod. ---Zitatende--- Yavi ist er schwerste und größte Zyklon der jemals auf das australische Festland gestossen ist. Er gilt nach dem Sturm Jerry aus dem Jahre 2006 als der verherrendste für Australien und gilt als Super Typhoon der 3 tage auf dem Festland bestehen wird. Aber der Redakteur wird anscheinend dafür bezahlt die Situation klein zu reden. Wäre der SPIEGEL ein seriöses Magazin würde Sie einen Redakteur einstellen der auch angemessen zum Thema schreibt, so ist die Berichterstattung eine gefährliche Lobby veranstaltung.
timewalk 02.02.2011
2. Live Stream
ABC Live Übertragung von YASI http://www.abc.net.au/news/abcnews24/ Der Storm ist mit 300 km/h Wind Geschwindigkeiten auf das Festland getroffen und hat die Stadt Tully voll erwischt. Devastation awaits Tully locals http://www.news.com.au/breaking-news/devastation-awaits-tully-locals/story-e6frfku0-1225999158907 Der letzte Sturm Jerry aus dem Jahre 2006 der bisher als Maß aller Dinge galt gilt nun als der kleine Bruder von Yasi. Damals gab es 1.5 Milliarden Schaden im Wert der australischen Währung und 80% einiger Ernten wurden ausgelöscht. Die Gegend zählt zu den Haupt Touristengebieten Australiens und hatte sich gerade von Jerry erholt. Durch den Verlust von großen Mengen der Zuckerernte sind die internationalen Zucker Kurse auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren angelangt. Inzwischen werden die Aufruhren in vielen islamischen Staaten Nahrungsmittel Preisen zugerechnet.
minio 02.02.2011
3. titel
Laut Lokalzeitungen rund um Townsville ( rund 150km vom Auge entfernt ), ist der Zyklon auf Stufe 3 heruntergesetzt worden. Live Ticker aus dem Gebiet zeigen, dass die meisten Holzhäuser noch stehen. Die banana benders werden es wohl recht gut überstehen
simpelkopp, 02.02.2011
4. Monsterzyklon - und die Wirklichkeit
Zitat von sysop500 Kilometer breit ist der Zyklon "Yasni", 400 Liter Regen pro Quadratmeter bringt er Australien: Selten wurde ein stärkerer*Zyklon beobachtet. Neue Daten zeigen das gigantische Energiereservoir des Monstersturms. Klimaforscher rätseln, ob solche Wirbelstürme bald häufiger auftreten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,743144,00.html
. Tropical Cyclone Warning Center Brisbane 5.59 am, Febr 3, 2011 Tropical cyclone Yasi ca. 200 km von Kueste auf Staerke 3 (von urspruenglich 5) zurueckgestuft - das entspricht einem ueblichen tropischen Sturm. Es ist eine bekannte Tatsache, dass solche cyclones beim "landfall", d.h. dem Ueberqueren der Kuestenlinie wegen des Bodenprofils sehr schnell an Staerke verlieren. Gebiete im Abstand von einigen hundert Kilometern (Mt. Isa) werden nur noch Regenfaelle abkriegen, im Rahmen normalstarker Regen. simpelkopp
raumzeit3000 02.02.2011
5. 1996 schlimmer
1996 gab es übrigens vor Westaustralien einen Zyklon mit 408 km/h in der Spitze...
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