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Neue Höhe: Erdbeben knautscht Mount Everest

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Mount Everest: Höchster Gipfel der Welt noch höher?

Das Erdbeben in Nepal hat anscheinend die Höhe des höchsten Berges der Welt verändert - um mehrere Zentimeter. Andere Regionen verschoben sich gar um fünf Meter.

Das Erdbeben von Nepal ist eine der schrecklichsten Naturkatastrophen in der Geschichte Asiens. Mindestens 5000 Menschen sind von Trümmern erschlagen, viele mehr schwer verletzt worden. Noch immer liegen viele Opfer unter eingestürzten Gebäuden, und die Hilfsmaßnahmen für die Überlebenden laufen nur schleppend an.

Warum das Beben solch katastrophale Wirkung hatte, zeigt sich im Hochgebirge - es wurde verschoben: Rund 200 Kilometer östlich des schweren Erdbebens in Nepal türmt sich der Mount Everest. 8848 Meter hebt sich der höchste Berg der Welt in den Himmel, so steht es im Lexikon. Doch die Angabe ist veraltet, der Everest wurde geknautscht.

"Um mehrere Zentimeter" liege sein Gipfel nun höher oder tiefer, berichtet Kenneth Hudnut, Geophysiker beim Geologischen Dienst der USA, dem USGS. Zu dem Ergebnis kämen Computersimulationen, die Bodenverschiebungen nach Erdbeben berechnen.

Genauere Angaben erhalten die Forscher erst, wenn sie die Daten vom Berg geborgen haben - was ein Rennen gegen die Zeit bedeutet. In der Region stehen 28 Sensoren, die Bodenbewegungen aufzeichnen. Doch es ist unklar, ob die Daten gelesen werden können.

Sie werden nach zwei Wochen überschrieben, um Speicherplatz zu sparen. Bis zum 9. Mai müssten die Aufzeichnungen geborgen werden, sagt Hudnut. Ansonsten wären sie verfallen.

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Nicht nur die genaue Höhe des Mount Everest müsste dann anderweitig gemessen werden. Vor allem gingen wichtige Daten über den Ablauf des verheerenden Nepal-Bebens verloren. Mit ihnen ließe sich das Risiko von Erdbeben in aller Welt besser abschätzen, sagt Hudnut.

Am liebsten würden die Forscher sofort einen Helikopter mieten. Doch das komme erst in Frage, wenn die Rettung und Versorgung der Menschen im Erdbebengebiet abgeschlossen sei, betont Hudnut. Die Wissenschaft stehe erst an zweiter Stelle.

Erste Analysen haben ergeben, dass sich der Boden in Nepal durch das Beben extrem verformt hat. Neuesten Messungen von Radarsatelliten zufolge verrutschten Ortschaften nördlich von Kathmandu sogar um fünf Meter.

Nördlich der Stadt hat sich der Boden zudem großflächig um bis zu zwei Meter gehoben, das zeigen Radardaten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR. Das Hochgebirge hat sich dem DLR zufolge weiträumig um Dutzende Zentimeter abgesenkt.

Bodenveränderung nach Erdbeben: Blau zeigt Hebung, Gelb und Rot Senkung Zur Großansicht
DLR/ EOC

Bodenveränderung nach Erdbeben: Blau zeigt Hebung, Gelb und Rot Senkung

Der Ruck am vergangenen Samstag in elf Kilometer Tiefe setzte eine Kaskade von Gesteinsbewegungen in Gang: Der Boden in Nepal ist zersprungen wie eine kaputte Glasscheibe - die verkanteten Felspakete rucken bei einem Beben in unterschiedliche Richtungen.

Ursache der Verschiebungen ist der Zusammenstoß zweier Tausende Kilometer breiter Kontinentalplatten unter dem Himalaya: Die Indisch-Australische Platte schiebt sich etwa einen Millimeter pro Woche in den Eurasischen Kontinent.

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2000 Kilometer hat sich die Indische Platte im Lauf der vergangenen 50 Millionen Jahre hineingebohrt - und dabei den Himalaya aufgefaltet; zehn seiner Berge wölben sich höher als 8000 Meter. Unter steten Erdbeben hebt sich das Gebirge im Durchschnitt um etwa einen halben Millimeter pro Woche.

Mehr als 500 Jahre lang hatte sich nordwestlich von Kathmandu Spannung im Untergrund aufgebaut. Der letzte starke Schlag entlang der Erdbebennaht, die vergangenen Samstag gebebt hat, entlud sich wohl im Jahr 1505. Immer tiefer hat sich die Indische Platte seither nach Norden gebohrt und dabei offenbar darüber liegende Felspakete mitgeschleift.

Am Samstag hielt das Gestein der Spannung nicht mehr stand. Obere Schichten lösten sich mit einem Mal - sie schnellten nach Süden. Kathmandu, das ebenfalls auf einer oberen Splitterplatte liegt, steht nun etwa drei Meter weiter südlich.

Am Mount Everest aber, in größerer Entfernung zum Beben, sagt Geophysiker Hudnut, verformte sich der Boden anscheinend weitaus weniger stark. Da es sich jedoch um die höchste Erhebung der Welt handelt, sind ein paar Zentimeter in gewisser Weise weltbewegend.

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insgesamt 44 Beiträge
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    Seite 1    
1. Mitgeschliffen?
Claudia_D 30.04.2015
Wie ist das in diesem Kontext zu verstehen? MitgeSCHLEIFT würde mir ja einleuchten, aber mitgeschliffen?
2. 8850
arno.hammann 30.04.2015
Die Höhe des Everest wurde 1999 durch ein auf dem Gipfel installiertes GPS-Gerät auf 8850m korrigiert, auch wenn viele Lexika noch 8848m angeben ;-)
3.
MrSnoot 30.04.2015
Zitat von Claudia_DWie ist das in diesem Kontext zu verstehen? MitgeSCHLEIFT würde mir ja einleuchten, aber mitgeschliffen?
Stehen die Sensoren da nur temporär? Sonst würden sie doch fortlaufen neue Daten generieren - stört ja niemand, wenn die alten überschrieben werden.
4. Wenn man bedenkt...
ich_bin_der_martin 30.04.2015
Das kein Gebirge oder Riss in der Erkruste ohne Erdbeben entsteht, kann man diesen Bericht wohl auslassen ;)
5. Wenn der Mount jetzt z.B. 8851 Meter hoch ist -
Mieze Schindler 30.04.2015
dann haben alle, die vor dem Erdbeben auf seinem Gipfel waren, nur den zweithöchsten Berg der Erde bestiegen und alles beginnt von neuem.
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