Dengue-Überträger Forscher erwarten Mückenplage

Starke Regenfälle könnten dafür sorgen, dass bald wieder mehr Mücken unterwegs sind - darunter auch invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke. Krankheiten haben sie hierzulande aber noch nicht übertragen.

Vollgesaugte Mücke
DPA

Vollgesaugte Mücke


Die Trockenheit in Deutschland hat in den vergangenen Wochen einige Probleme bereitet - aber auch einen Vorteil: Sie hat die Mücken in vielen Regionen Deutschlands dezimiert. Doch das könnte sich bald ändern, denn am Wochenende werden starke Regenfälle in Süddeutschland erwartet - ideal für Stechmücken.

"In der langen Trockenphase trugen viele weibliche Mücken ihre fertigen Eier in sich und suchten nach Möglichkeiten, sie abzulegen", sagt Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg bei Berlin. Nach den Unwettern könnten sie nun die passenden Bedingungen vorfinden.

"Umfangreiche Mückenpopulation"

Die Entwicklung von der Eiablage bis zur stechenden Mücke dauere bei 25 Grad Celsius etwa zwei Wochen. "Wir werden bald in vielen Regionen umfangreiche Mückenpopulationen haben", sagt Walther.

Darunter mischen sich auch immer mehr neue Arten, wovon zwei besonders bedeutend sind. "Die aus den Tropen stammende Asiatische Tigermücke hat bereits in drei Bundesländern überwintert", sagt Walther. Und zwar in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen.

Die Asiatische Buschmücke, die auch kälteres Klima verträgt, habe schon Regionen in neun Bundesländern besiedelt. Erstmals sei sie 2008 in Baden-Württemberg aufgetaucht, und mittlerweile bis nach Niedersachen und Sachsen-Anhalt gelangt.

Übertragung nur unter bestimmten Umständen

Beide Arten sind auch als Überträger von Dengue-, Chikungunya- und West-Nil-Viren bekannt. Nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurde in Deutschland aber noch keine Übertragung bekannt.

Das RKI registriert allerdings jährlich Hunderte Rückreisende aus tropischen und subtropischen Gebieten, die sich mit Dengue-Fieber angesteckt haben. Die Krankheit verläuft oft symptomlos, kann aber auch zu starken Muskelschmerzen, Blutungen und - ganz selten - zum Tod führen. Zudem werden mehrere Dutzend Rückreisende mit Chikungunyafieber gemeldet, das starke Gelenkschmerzen auslöst.

Hierzulande könnten Tigermücken nach Auskunft von RKI-Epidemiologin Christina Frank Viren allenfalls unter bestimmten Umständen übertragen: Die Mücke muss einen Reiserückkehrer mit entsprechenden Viren im Blut stechen. Zudem muss die Lufttemperatur lange hoch genug sein, damit die Mücke das Virus weitergeben kann und bevor die kurzlebige Mücke stirbt, muss sie noch einen zweiten Menschen stechen.

"Unter welchen Umständen die nach Deutschland gelangten Tigermücken welche Viren übertragen können, ist noch recht unklar", sagt Frank. "Tropenreisende können dennoch helfen, Übertragungen zu vermeiden, indem sie sich im Urlaub und auch noch danach vor Mückenstichen schützen."

In Europa hat die Buschmücke das Dengue-, Chikungunya- und West-Nil-Virus bisher nur im Laborversuch übertragen. In den USA seien Westnil-Viren in Mücken dieser Art aber auch schon im Freiland nachgewiesen worden, sagt Infektiologe Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald.

"Wir müssen davon ausgehen, dass die Buschmücke das West-Nil-Virus übertragen kann, aber wir haben keinen Beleg dafür, dass es schon passiert ist", sagt Kampen und verweist auf die Rolle der Temperatur. Werde das Klima in Deutschland wärmer, könne es sein, dass Buschmücken, aber auch heimische Mückenarten hier zu Virenüberträgern werden. Nötig seien dazu aber infizierte Menschen.

Vermehrung in der Cola-Dose

Es sei schwer zu sagen, ob der Klimawandel die Mückenzahl verändert habe, sagt Kampen. "Die Mückendichte ist schwer zu messen." Um mehr darüber herauszufinden, betreiben Zalf und FLI den deutschen Mückenatlas, für den seit 2012 jeder Tiere einsenden kann. Dort wird kartiert, wo und wann welche Stechmückenarten in Deutschland vorkommen.

Die eingeschleppten Mücken können sich in Deutschland zumindest gut vermehren. "Für die invasiven Arten sind zur Eiablage schon kleinste Wassermengen ausreichend, etwa in einem Blumenuntersetzer oder einer Cola-Dose", sagt Walther. Die Mücken haben sich an städtische Lebensräume angepasst.

Fotostrecke

6  Bilder
Wildschwein, Waschbär, Fuchs: Wildnis in der Stadt

Im Prinzip sind die Stiche der beiden invasiven Arten nicht schlimmer oder schmerzhafter als die von heimischen Stechmücken. Mückenstiche, egal welcher Art, können sich generell durch Kratzen entzünden.

Besonders unangenehm seien Stiche der Kriebelmücke, sagt Dermatologe Martin Metz von der Berliner Charité. Sie führen auch häufiger zu einer Entzündung der Lymphgefäße. Dabei entsteht ein roter Strich auf der Haut, der früher oft fälschlich als Blutvergiftung gedeutet wurde, aber viel weniger gefährlich ist.

Dennoch sollte man bei diesem Symptom zum Arzt gehen. Das rät Metz auch bei deutlich über den Bereich des Stichs hinausgehenden Schwellungen, Quaddeln oder Rötungen, insbesondere wenn Symptome wie Fieber oder Lymphknotenschwellungen hinzukommen.

Schwere allergische Reaktionen auf Mückenstiche seien deutlich seltener als etwa auf Bienen- und Wespenstiche, ein anaphylaktischer Schock extrem selten. Entgegen einiger Behauptungen ist zudem nicht erwiesen, dass Mückenspeichel heute mehr allergische Stoffe enthält als früher. "Da die Menschen aber insgesamt mehr Allergien haben, kann es sein, dass es deshalb mehr Allergien auf Mückenstiche gibt", sagt Metz.

Wenn nun nach Regenfällen wieder mehr Mücken durch Deutschland surren, sei das aber nicht nur negativ, sagt Walther. "Mücken sind eine wichtige Nahrungsquelle für räuberische Insekten, Vögel und Fledermäuse, aber auch für Fische, die sich von den Larven ernähren."

lpu/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.