Bioforschung Münchner Bienen bekommen Flugnummern

Spaziergänger in München könnten in den kommenden Wochen Bienen mit Rückennummern auffallen. Die Markierungen gehören nicht zu einem Wettrennen, sondern sind Teil eines Forschungsprojekts.

Eine Biene in einem Park in München
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Eine Biene in einem Park in München


Wie weit fliegt eine Wildbiene? Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Doktorandin Michaela Hofmann von der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) soll diese Frage endlich klären.

"In Deutschland gibt es über 570 Wildbienenarten, und viele davon sind gefährdet", sagt Hofmann. Gemeinsam mit Studenten der LMU hat sie im Botanischen Garten München-Nymphenburg mehr als 400 Wildbienen mit Rückennummern versehen. Jetzt sind die Menschen in München und dem Umland dazu aufgerufen, Hofmann mitzuteilen, wo sie die markierten Bienen entdecken.

Besucher des Botanischen Gartens können ihre Beobachtungen direkt in einem Flyer notieren und diesen beim Verlassen des Gartens abgeben. Wer eine der markierten Bienen in freier Wildbahn entdeckt, soll dies an die E-Mail-Adresse wildbienen@bio.lmu.de melden. Dabei soll man Datum und Ort und eventuell weitere Details vermerken. Auch ein Foto wäre hilfreich, heißt es von den Forschern. Einfangen soll man die Tiere auf keinen Fall.

Je nachdem, wo sich die Bienen gerne aufhalten, könnten dann Blühinseln angebaut werden. Solche Inseln seien wichtig für den Wildbienen- und Pflanzenerhalt, sagt Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München. Es gebe viele Pflanzen, die nur von Wildbienen bestäubt würden - Tomatenpflanzen etwa oder auch Glockenblumen. Von den Blühinseln würden letztlich auch die Menschen profitieren: "Ich habe Studenten", sagt er, "die kennen keine Glockenblume mehr."

mak/dpa



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hilmarhirnschrodt 09.04.2017
1. Wildbienen / Honigbienen
Zitat aus dem Artikel - letzter Satz "Ich habe Studenten", sagt er, "die kennen keine Glockenblume mehr." Leider ist es offensichtlich so, dass die Spiegel-Redakteure auch keine Wildbienen mehr kennen. Wie kann es sonst sein, dass der Spiegelartikel davon berichtet, dass es hierzulande über 500 Wildbienenarten gibt. In der Bebilderung zum Artikel werden aber nur Honigbienen gezeigt, um die es im Artikel nicht geht. Kleiner Tipp: Hummeln sind z.B. auch Wildbienen und die sollte auch ein bürolastiger Stadt-Redakteur kennen.
permissiveactionlink 09.04.2017
2. # hilmarhirnschrodt
Gut, aber vielleicht lag gerade kein passendes Bild einer Furchen-, Sand- oder Hosenbiene der Redaktion vor. Der Begriff Wildbiene besagt zoologisch nichts, außer vielleicht, dass es sich bei den Insekten um Hautflügler (Hymenoptera), und speziell um Bienenartige Apoidea handelt. 95 Prozent aller dieser Wildbienen hierzulande sind weder soziale, noch eusoziale Insekten. Deshalb ist man mit dem Begriff Solitärbienen in erster Näherung auch besser bedient. Die mittlerweile auch in Discountern angebotenen Wildbienenbehausungen richten sich in erster Linie an solche Solitärbienen. Hummeln gehören zu den Wildbienen, das ist korrekt, sie sind aber in der Bevölkerung wesentlich besser bekannt und von der Wissenschaft weit besser erforscht als Solitärbienen. Da besteht Nachholbedarf. Und anstatt Vögel zu zählen oder Galaxien bestimmten Typen zuzuordnen, warum nicht mal Schmetterlinge, Wildbienen oder Stechmücken beobachten und den Fachleuten melden ?
geri&freki 09.04.2017
3. Alter Wein in neuen Schläuchen?
Etwas grundlegend Neues oder sogar Spektakuläres ist die Markierung von Wildbienen (und anderen Insekten) mit farbigen Nummern wahrlich nicht. Schon vor Jahrzehnten wurden hierfür in der einschlägigen Forschung sog. Opalith-Plättchen, die einst zunächst für Honigbienen entwickelt wurden und im Imkerei-Fachhandel schon lange standardmäßig erhältlich sind, eingesetzt. Im Hinblick auf den Radius der erhofften Resonanz aus der Bevölkerung erscheint eine intensive Verbreitung in den lokalen Medien daher sicherlich sinnvoll, für diese Plattform aber vielleicht doch etwas zu hoch aufgehängt.
geri&freki 09.04.2017
4. Wildarten versus Zuchtformen
Zitat von permissiveactionlinkGut, aber vielleicht lag gerade kein passendes Bild einer Furchen-, Sand- oder Hosenbiene der Redaktion vor. Der Begriff Wildbiene besagt zoologisch nichts, außer vielleicht, dass es sich bei den Insekten um Hautflügler (Hymenoptera), und speziell um Bienenartige Apoidea handelt. 95 Prozent aller dieser Wildbienen hierzulande sind weder soziale, noch eusoziale Insekten. Deshalb ist man mit dem Begriff Solitärbienen in erster Näherung auch besser bedient. Die mittlerweile auch in Discountern angebotenen Wildbienenbehausungen richten sich in erster Linie an solche Solitärbienen. Hummeln gehören zu den Wildbienen, das ist korrekt, sie sind aber in der Bevölkerung wesentlich besser bekannt und von der Wissenschaft weit besser erforscht als Solitärbienen. Da besteht Nachholbedarf. Und anstatt Vögel zu zählen oder Galaxien bestimmten Typen zuzuordnen, warum nicht mal Schmetterlinge, Wildbienen oder Stechmücken beobachten und den Fachleuten melden ?
Bei einem renommierten, weltweit vertriebenen Nachrichtenmagazin wie dem SPIEGEL sollte sich doch wenigstens die Abbildung einer Hummel finden lassen. Ansonsten wimmelt das Internet heute von qualitativ hochwertigen Farbfotos verschiedendster, auch solitärer Wildbienenarten. Und zur Not gibt es ja auch noch Bild-Agenturen... Ob die Verwendung des Terminus „Solitärbienen“ in diesem Kontext wirklich sinnvoller ist, sei dahingestellt. So bilden z.B. auch einige Arten heimischer Furchenbienen arbeitsteilige und sogar mehrjährige Gemeinschaften aus und gelten somit als sozial, während z.B. die Kuckuckshummeln - streng genommen - lediglich solitär leben. Dagegen kann man die wilde, züchterisch unveränderte Stamm- bzw. Nominatform der Honigbiene, oft auch als Schwarze Honigbiene bezeichnet, durchaus zu den Wildbienen rechnen. Dies gilt übrigens auch für die meisten anderen Apis-Arten, etwa die Riesenhonigbiene oder die Zwerghonigbiene, die v.a. in Asien und Afrika leben.
frenchie3 09.04.2017
5. Und wenn man einfach mal so
Blüteninseln anlegt, beispielsweise auf Flachdächern. Ich kann mir vorstellen daß man den Bienen nur noch auflauern muß.
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