Katastrophenbilanz 2012: Naturdesaster treffen USA besonders hart

905 Naturkatastrophen richteten im vergangenen Jahr Verwüstungen an - doch die Zahl der Todesopfer und Sachschäden blieben vergleichsweise gering. Die Bilanz der Versicherungen zeigt: Betroffen waren diesmal vor allem die USA.

Naturgewalten 2012: Bilanz des Schreckens Fotos
SPIEGEL ONLINE

München/Hamburg - Naturkatastrophen haben im vergangenen Jahr nach Angaben des Rückversicherers Munich Re weltweit gesamtwirtschaftliche Schäden in Höhe von 160 Milliarden Dollar (120 Milliarden Euro) verursacht. Der Anteil der USA lag dabei wegen des Hurrikans "Sandy" und der sommerlichen Dürre besonders hoch: 67 Prozent der Gesamtschäden entfielen auf die Vereinigten Staaten. Von den versicherten Schäden, die rund 65 Milliarden Dollar betrugen, kamen sogar 90 Prozent in den USA zusammen.

Insgesamt sei die Bilanz deutlich glimpflicher ausgefallen als 2011, als die Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie die schweren Überschwemmungen in Thailand Rekordschäden verursachten. Im Jahr 2011 belief sich die Gesamtsumme auf rund 400 Milliarden Dollar, die versicherten Schäden erreichten 119 Milliarden Dollar.

Die durch den Hurrikan "Sandy" verursachten Kosten lassen sich laut Munich Re immer noch nicht endgültig beziffern. Der volkswirtschaftliche Schaden belaufe sich auf etwa 50 Milliarden, die versicherten Schäden voraussichtlich auf rund 25 Milliarden Dollar. "Ohne diesen außergewöhnlichen Sturm wäre 2012 ein sehr schadenarmes Jahr gewesen", stellt der Rückversicherer fest. "Es wäre mit Sicherheit möglich, Ballungsräume wie New York besser vor den Folgen von Sturmfluten zu schützen", erklärte Munich-Re-Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek.

Wahre Orte des Schreckens

Der Hurrikan "Sandy" war Ende Oktober auf die US-Ostküste getroffen. Die Schäden erstreckten sich auf ein riesiges Gebiet, die Sturmflut traf einen mehrere hundert Kilometer langen Küstenstreifen. Die Dürre im Mittleren Westen der USA - der sogenannten Kornkammer, in der vor allem Mais und Soja angebaut werden - verursachte laut Munich Re den größten Schaden in der Geschichte der Agrarversicherung in den USA. Durch Ernteausfälle entstanden der US-Landwirtschaft im vergangenen Jahr Schäden von etwa 20 Milliarden Dollar. In einem durchschnittlichen Schadensjahr lägen sie bei etwa neun Milliarden.

Insgesamt war 2012 ein eher schadenarmes Jahr. Zwar war die Gesamtzahl der Ereignisse mit 905 sehr hoch und übertraf auch den Zehn-Jahres-Durchschnitt von 800 Ereignissen deutlich. Die Gesamtschäden reichten aber bei weitem nicht an die Rekordsumme von 400 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahr heran, als das Erdbeben vor Japans Küste und Überschwemmungen in Thailand Verwüstungen anrichteten.

Auch die Zahl der Todesopfer war im Jahr 2012 relativ gering. Rund 9500 Menschen kamen bei Naturkatastrophen ums Leben, im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre waren es 106.000. Als Grund gibt die Munich Re die geringere Zahl an Katastrophen in Schwellen- und Entwicklungsländern an. Dort hätten solche Ereignisse in der Regel "viel schwerwiegendere humanitäre Folgen".

In der Bilanz von Versicherungen tauchen sie aber kaum auf: Zu gering ist der versicherte Wert der zerstörten Güter. So ist auch zu erklären, warum Hurrikan "Sandy" als Unglück der USA gilt - obwohl der Sturm in der Karibik mindestens ebenso schlimme Verwüstungen angerichtet hat.

boj/AFP/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Naturkatastrophen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Buchtipp

Fotostrecke
Rangliste bedrohter Staaten: Statistik der Naturgefahren

Fotostrecke
Klimawandel: Die teuersten Naturkatastrophen