Sensationsfund Dinosaurierschwanz in Bernstein entdeckt

Es ist eine kleine paläontologische Sensation, die an die Jurassic-Park-Filme erinnert: Chinesische Forscher haben in einem Stück Bernstein Stücke eines Dinosaurierschwanzes gefunden - im vollen Federkleid.

Rekonstruktion des kleinen Raubsauriers
Chung-tat Cheung

Rekonstruktion des kleinen Raubsauriers

Von


Die Fachzeitschrift "Current Biology" berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe über einen bisher einmaligen Fund: Chinesische Forscher fanden in einem Stück Bernstein "von der Größe einer Aprikose" das Bruchstück eines gefiederten Dinosaurierschwanzes. Nur 36 Millimeter kurz ist das Fundstück, und die Größe und das deutlich sichtbare Federkleid machen auch klar, was hier gefunden wurde: Das Jungtier eines kleinen Raubsauriers.

Denn viele von denen, weiß man seit Jahren, waren gefiedert: Unter den sogenannten Theropoda, zu deren größten Vertretern der T-Rex gehörte, fanden sich auch sehr kleine, filigrane Saurier, aus denen sich im Laufe der Zeit die Vögel entwickelten.

Auch das nun vorgestellte Fundstück ordnen die Forscher den sogenannten Maniraptora zu: Seine ursprüngliche Gesamtgröße wird von den Forschern mit der eines Sperlings verglichen. Rund 99 Millionen Jahre alt stand dieser kleine Saurier wohl am Anfang der Entwicklung hin zu flugfähigen Tieren.

Denn mit den Federn, die man an seinem Schwanzstück fand, wäre das definitiv nicht möglich gewesen.

Dinosaurierschwanz im Bernstein: Haut und Federn ermöglichten ein Rekonstruktion der ursprünglichen Färbung. Demnach war der Saurier an der Oberseite braun und an der Bauchseite hell gefärbt.
RSM/ R.C. McKellar

Dinosaurierschwanz im Bernstein: Haut und Federn ermöglichten ein Rekonstruktion der ursprünglichen Färbung. Demnach war der Saurier an der Oberseite braun und an der Bauchseite hell gefärbt.

Ihnen fehlt der mittige, versteifende Kiel - sie erinnern mehr an Haare oder Daunen. Form und Struktur deuteten jedoch darauf hin, dass sie keinen vornehmlich wärmenden Zweck erfüllten, sondern möglicherweise schmückende, also kommunikative Zwecke erfüllten - sie werden als "Display"-Federn beschrieben, wie sie auch viele heutige Vögel tragen.

Wer jetzt Jurassic-Park-Hoffnungen entwickelt, muss allerdings enttäuscht werden: Anders als in Steven Spielbergs Dino-frisst-böse-Kapitalisten-Opern ist den im Bernstein erhaltenen Überresten kein Material zu entnehmen, mit dem man irgendetwas klonen könnte: Die Forscher freuen sich schon darüber, dass darin zumindest Eisenverbindungen erhalten sind, die auf das fossilisierte Hämoglobin im einstigen Blut des Sauriers zurückgeführt werden können.

Rekonstruktion eines Coelurosauria
Chung-tat Cheung/ Yi Liu

Rekonstruktion eines Coelurosauria

Und natürlich darüber, dass die so seltene Form der Fossilisierung einen fast beispiellosen Blick auf Details erlaubt, die bei mineralischen Fossilen allenfalls andeutungsweise zu erkennen sind: Die Struktur der Dinosaurierhaut zum Beispiel. Deneben sind auch Strukturen des Bindegewebes zu erkennen sowie acht winzige Wirbelknochen, die hier in ihren ursprünglichen Proportionen unverzerrt erhalten sind.

Und wie weiß man, dass hier ein Dinosaurier- und kein Vogelküken gefunden wurde? Die Forscher um Lida Xing legen sich hier eindeutig fest: Die klar zu erkennenden Wirbel seien eindeutig Saurier- und keine Vogelwirbel.

Gefunden wurde das Bernsteinstück 2015 in Burma. Es war auf dem Wege, zu einem Schmuckstück verarbeitet zu werden, als einem Arbeiter auffiel, dass der enthaltene Einschluss irgendwie ungewöhnlich war: Zu diesem Zeitpunkt war der Stein bereits an mehreren Stellen geschnitten und angeschliffen worden.

Macht nichts, sagen die Forscher: Es bescherte ihnen einen perfekten Aufschnitt eines der Wirbel. Ob das Jungtier noch lebte, als es von Baumharz bedeckt wurde, ist posthum nicht zu sagen.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.