Nach Mexiko-Reisen: Virologen stellen drei Schweinegrippe-Fälle in Deutschland fest

Zwei Fälle in Bayern, einer in Hamburg: Das Robert-Koch-Institut hat jetzt bei drei Menschen in Deutschland das Schweinegrippe-Virus nachgewiesen. Die Infizierten haben sich offenbar in Mexiko angesteckt.

München - In Deutschland gibt es inzwischen drei bestätigte Erkrankungsfälle mit dem neuen Schweinegrippe-Virus. Dies teilte das Robert-Koch-Institut mit.

Schweinegrippe-Virus: In Deutschland ist die erste Infektion nachgewiesen, zudem gibt es mehrere Verdachtsfälle
DPA

Schweinegrippe-Virus: In Deutschland ist die erste Infektion nachgewiesen, zudem gibt es mehrere Verdachtsfälle

Das Virus A/H1N1 sei bei einer 22 Jahre alten Frau nachgewiesen worden, die nach einer Mexiko-Reise mit Influenza-ähnlichen Symptomen in Hamburg ins Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) gekommen war. Die erste Labordiagnose sei im Hamburger Bernhard-Nocht-Institut erstellt worden. Der zweite Patient ist ein Mann, Ende 30, der in der Universitätsklinik Regensburg behandelt wird. Ein dritter Fall wurde demnach aus Kulmbach bestätigt. Dabei handele es sich um eine 37-jährige Frau, die sich ebenfalls während einer Mexiko-Reise infiziert hatte. Auch hier sei die erste Diagnose an der Universität Regensburg gestellt worden. Daneben seien einzelne weitere Verdachtsfälle aus unterschiedlichen Bundesländern in Untersuchung, berichtete das Institut.

Die UKE-Patientin war nach Klinik-Angaben über Düsseldorf nach Hamburg zurückgekehrt. "Wir checken jetzt das Umfeld der Patientin ab", sagte der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Es werde untersucht, zu wem die junge Frau Kontakt gehabt habe und ob diese Menschen Grippesymptome aufwiesen. Nötigenfalls werde auch mit den Behörden in Düsseldorf Kontakt aufgenommen. Die Patientin war nach ihrer Ankunft im UKE sofort isoliert und eingehend untersucht worden. Die Frau sei sofort mit den entsprechenden Medikamenten behandelt worden, hieß es. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut.

In Österreich ist ebenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine 28-Jährige mit dem Schweingrippe-Virus H1N1 infiziert. Das sagte der Leiter des Wiener Universitätsinstituts für Virologie, Franz X. Heinz, im ORF.

Aus etlichen anderen Ländern wurden weitere Verdachtsfälle gemeldet, darunter Frankreich, Belgien, die Schweiz und Chile. Zwei bestätigte Erkrankungen gab es am Dienstagabend in Großbritannien, zwei weitere in Spanien. Bei allen Patienten ist der Zustand jedoch nicht bedrohlich.

In Mexiko stieg die Zahl der wahrscheinlich an dem Virus gestorbenen Menschen indes auf 159. Der mexikanische Gesundheitsminister José Ángel Córdova setzte die Zahl der bestätigten Todesfälle durch Schweinegrippe hingegen von bislang 20 auf 7 herab. Er verwies darauf, dass für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur in sieben Fällen die Kriterien erfüllt seien. Bislang hätten die Gesundheitsbehörden 2498 mögliche Infektionen mit Schweinegrippe gezählt, sagte Córdova. Von den Patienten seien 1311 noch im Krankenhaus.

Kalifornien ruft Notstand aus

In den USA stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungsfälle auf 66. Im Bundesstaat Kalifornien rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus, betonte aber, es bestehe kein Anlass zu Alarmismus. Im Bezirk Los Angeles überprüften die Behörden einen Todesfall, der möglicherweise in Zusammenhang mit der Schweinegrippe stehen könnte.

Als erstes zentralamerikanisches Land bestätigte Costa Rica zwei Krankheitsfälle. In Kanada erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionen auf 13 und in Neuseeland auf 14, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. In Israel sind ebenfalls zwei Infektionen bestätigt.

Weltweit wurden wegen der Ausbreitung der Krankheit die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Russland, Hongkong und Taiwan erklärten, Durchreisende mit Grippesymptomen würden sofort in Quarantäne eingewiesen. Als erstes Land stellte Kuba am Dienstag den Flugverkehr von und nach Mexiko für 48 Stunden ein. Argentinien erklärte, bis Sonntag würden alle Flüge aus Mexiko ausgesetzt.

Nach der EU sprachen sich unterdessen auch die USA für eine Umbenennung der Schweinegrippe aus. Die derzeitige Bezeichnung suggeriere, dass es ein Problem mit Schweinfleischprodukten gebe, sagte Agrarminister Tom Vilsack. Bei der Grippe handele es sich aber nicht um eine Lebensmittelinfektion, und das Virus habe nichts mit dem Konsum von Schweinefleisch zu tun. Die Bezeichnung Schweinegrippe könnte Züchtern wirtschaftlich schaden.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat wegen der Schweinegrippe eine Hotline geschaltet. Unter der Telefonnummer 030-187544161 können sich Interessierte bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr informieren. Bei Bedarf soll die Nummer auch am Wochenende und kommende Woche zur Verfügung stehen. Das Gesundheitsministerium in Berlin will am Mittwoch die kostenpflichtige Nummer 01805-996619 für Bürger freischalten.

Forscher arbeiten unterdessen an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Krankheit. Reiseveranstalter bieten kostenlose Umbuchungen für Touristen an, die Touren nach Mexiko und in die USA gebucht haben.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

hda/dpa/AP/ddp

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