Nachwachsende Zähne Forscher nehmen Alligatorgebiss als Vorbild

Ein Zahn fällt heraus, ein neuer wächst nach: Das Gebiss von Alligatoren hat erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Vielleicht gelingt das eines Tages auch bei Menschen, hoffen Mediziner, dritte Zähne wären obsolet. Der Weg dahin ist aber noch weit.

Corbis

Washington/Los Angeles - Nachwachsende Zähne von Alligatoren könnten nach Ansicht von Forschern eines Tages möglicherweise ein Vorbild für das menschliche Gebiss sein. Die Wissenschaftler haben genau untersucht, welche Mechanismen hinter den erstaunlichen Regenerationsfähigkeiten der Alligatoren-Beißer stecken. Das Gebiss dieser Reptilien ähnele im Aufbau dem der Säugetiere.

Die Experten hoffen daher, dass ihre Ergebnisse die Erforschung des Zahnwechsels beim Menschen vorantreiben. So könnte es vielleicht irgendwann möglich sein, bei Menschen neues Zahnwachstum anzuregen, schreiben Forscher von der University of Southern California in Los Angeles im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Noch handle es sich aber um kaum mehr als Gedankenspiele, betonen Cheng-Ming Chuong und seine Kollegen.

Wenn Menschen ihre Milchzähne verloren haben, und diese mit den bleibenden Zähnen ersetzt worden sind, büßen sie danach die Fähigkeit ein, ihr Gebiss zu erneuern. Bei Reptilien wie Schlangen, Geckos oder Alligatoren ist das anders. Alligatoren verlieren regelmäßig ihre Beißer: Jeder einzelne Zahn wird rund einmal im Jahr durch einen neuen ersetzt. Im Laufe des Lebens kommt es somit bis zu 50-mal zur Erneuerung jedes einzelnen Kauwerkzeugs, berichten die Forscher.

Cheng-Ming Chuong und Kollegen untersuchten in ihrer Studie die Zähne von Alligatorenembryos und -jungtieren genauer. Den Forschern zufolge besteht bei den Reptilien jeder Zahn aus einer dreiteiligen Einheit: Sie umfasst einen komplett ausgebildeten Zahn, einen kleineren unreifen Ersatzzahn und eine spezielle Gewebeschicht, die sogenannte Zahnleiste. Auch beim Menschen entwickeln sich die Milch- und die bleibenden Zähne aus einer Zahnleiste.

Verliert der Alligator eines seiner 80 Kauwerkzeuge, rutscht Einheit um Einheit nach: Der Ersatzzahn entwickelt sich zum ausgewachsenen Zahn, die Zahnleiste wird zum neuen Ersatzzahn und vom Ersatzzahn spaltet sich eine Gewebeschicht ab, die zur neuen Zahnleiste wird.

Die Forscher entdeckten an einem Ende der Zahnleiste zudem eine Art Ausbeulung. Sie gehen davon aus, dass es sich hierbei um eine Ansammlung von Stammzellen handelt. Außerdem konnten die Wissenschaftler Moleküle ausmachen, die eine wichtige Rolle bei der Regulation der Zahnerneuerung bei den Reptilien spielen. Vor vier Jahren war es Forschern gelungen, einen verlorenen Zahn im Kiefer einer Maus nachwachsen zu lassen.

hda/dpa



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