Exkremente: Das große Geschäft der blauen Wale
Blauwale liefern den Ozeanen mit ihren Exkrementen eine entscheidende Zutat: Ein aktuelles Foto zeigt die Düngung der Meere in schonungsloser Anschaulichkeit. Forscher staunen über die immense Wirkung der Substanz.
Hamburg - Blauwale sind die größten und schwersten lebenden Tiere auf der Erde. Da verwundert es nicht, dass auch ihre Exkremente nicht spurlos im Ozean verschwinden. Tatsächlich erforschen Wissenschaftler, wie der natürliche Dünger zum biologischen Gleichgewicht der Meere beiträgt. Eine aktuelle Luftaufnahme liefert Anschauungsmaterial.
Blauwale ernähren sich von Krill, kleinen Krustentieren, deren orangene Farbe in der Fäkalienwolke gut zu erkennen ist. Der Kot der Tiere enthält für Pflanzen und Tiere wichtige Nährstoffe. Wale und andere Meerestiere düngen mit ihren Ausscheidungen das Oberflächenwasser.
Unter Meeresbiologen gelten Wale aufgrund ihrer umfangreichen Ausscheidungen als Gärtner der Meere. "Der natürliche Dünger kann dazu führen, dass es mehr Krill gibt, mehr Fische und damit auch mehr Wal", erklärt Joe Roman von der University of Vermont gegenüber der Nachrichtenseite "Wired News".
Dünger verteilt sich
Bereits 2010 beschrieben Zoologen der Harvarduniversität die "whale pump", den Antrieb des Nahrungskreislaufs durch die Meeressäuger: Demnach fressen die Tiere in der Tiefe und verteilen anschließend stickstoffhaltige, verdaute Nahrung im warmen Oberflächenwasser. Dort verteilt sie sich und fördert das Planktonwachstum, zu dem auch der Krill gehört.
Bevor Wale zwischenzeitlich zu kommerziellen Zwecken gejagt wurden, brachten sie laut der Berechnung der Zoologen durch ihren Kot dreimal mehr Stickstoff in den Golf von Maine ein, als das Meer aus der Atmosphäre aufnimmt. "Auch anderen Wirbeltiere, wie Seevögel oder Seehunde, geben Stickstoff ans Meer ab", berichteten die Forscher. "Jedoch in viel geringeren Mengen. Der Kot der Blauwale muss das Ökosystem also maßgeblich beeinflussen." Auch heute noch gelange mehr Stickstoff durch den Kot der Wale in den Golf von Maine, als durch alle Zuflüsse.
Unklar ist noch, wie die sinkende Anzahl der Wale das Ökosystem verändert hat. Bevor Wale in großem Stil gejagt wurden, lebten mehr als 200.000 Blauwale im Südpolarmeer. Heute sind es Schätzungen zufolge etwa 8000 Tiere weltweit.
jme
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