Nahrungsschnorrer Geier lassen ihr Futter von Adlern suchen

Geier sind Schnorrer. Statt selbst mühevoll nach Kadavern zu suchen, beobachten sie andere Raubvögel. Von Adlern lassen sie sich die Beute sogar anrichten, bevor sie die Konkurrenten wieder vertreiben.

Geier in Kenia: Die Raubvögel jagen Adlern gern die Beute ab
Darcy Ogada

Geier in Kenia: Die Raubvögel jagen Adlern gern die Beute ab


Warum selbst stundenlang umherfliegen und Kadaver suchen, wenn andere es doch besser können. Spart Zeit und Energie. So ist zumindest die Taktik der Geier: Sie beobachten Adler und folgen ihnen, sobald diese einen Kadaver aufgespürt haben. Oft warten sie dann noch, bis die Adler mit ihren spitzen Schnäbeln die Häute der Kadaver aufgerissen haben, bevor sie die Raubvögel von der Beute vertreiben. Dies berichten der Biologe Adam Kane vom Trinity College Dublin und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B".

Die Forscher werteten für ihre Studie 46 Videos aus, die bereits für eine andere Untersuchung im kenianischen Laikipia District aufgenommen wurden. Zu sehen ist darauf, was geschieht, wenn in der afrikanischen Steppe ein Tier stirbt und die Aasfresser kommen. Kane und Kollegen konzentrierten sich in ihrer Videoauswertung auf den Weißrückengeier (Gyps africanus) und den Sperbergeier (Gyps rueppellii) sowie den Savannenadler (Aquila rapax) und den Steppenadler (Aquila nipalensis). Sie werteten die Ankunftszeiten der Vogelarten und ihr Verhalten am Kadaver aus.

Schnorrsieger nach Punkten

Das Ergebnis der Auswertung: In 38 von 46 Fällen waren die Adler zuerst am Kadaver. Die Geier folgten ihnen aber in einem so kurzem Abstand, dass es nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Forscher kein Zufall sein konnte. Die Geier orientieren sich also offenbar an den Adlern. In den wenigen Fällen, in denen ein Geier zuerst vor Ort war, folgte ebenso schnell ein Adler. Insgesamt traten die Geier aber viel häufiger als Schnorrer auf.

Die Forscher vermuten, dass die Geier deshalb so nassforsch sind, weil sie wissen, dass sie größer und stärker sind als die Adler. Die Geier begannen häufiger eine Auseinandersetzung als die Adler und gewannen diese dann auch meist: In den Videoauswertungen siegten die Geier in 61 Prozent der Fälle, also gewannen sie gut 280 der 461 Nahrungskämpfe.

"Man kann aber nicht sagen, dass die Adler hier die Verlierer sind", sagt Adam Kane. "Weil sie früher ankommen, bekommen sie ihren 'Finderlohn' und können zudem weiter jagen, sobald sie von den Geiern vertrieben werden."

Der Adler ist der bessere Späher

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Adler nicht nur deshalb meist schneller am Kadaver sind als die Geier, weil sie die schärferen Augen haben. Weil Adler leichter seien, könnten sie zudem die schwächeren Aufwinde am Morgen für das Gleiten bei der Nahrungssuche nutzen, schreiben Kane und Kollegen. Die schwereren Geier hingegen seien auf die stärkere Thermik in der Tagesmitte angewiesen.

Die Rolle als Schmarotzer werde den bedrohten Geiern nun aber zum Verhängnis, schreiben die Biologen. Ihr Schicksal sei eng mit dem von Raubvögeln und anderen Arten verknüpft, deren Bestände ebenfalls gefährdet seien. Die Forscher mahnen daher: Artenschutz dürfe sich nicht auf einzelne Arten konzentrieren, sondern müsse die Ökosysteme als Ganzes im Blick haben.

khü/dpa



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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
stefan kaitschick 10.09.2014
1.
Wenn ich den Inhalt richtig verstehe ist der Titel ziemlich irreführend. Denn um sich das Futter "suchen zu lassen" müssten die Geier sich ja absichtlich zurückhalten, was aber nicht der Fall ist.Zugegeben: "Adler können etwas besser fliegen, Geier etwas besser kämpfen", ist natürlich deutlich weniger sensationell als der reißerische Titel.
kenterziege 10.09.2014
2. Also kann der Adler besser fliegen und besser sehen...
....das ist viel, aber nicht genug gegen den stärkeren Schnorrer. Das ist ja fast, wie beim Homo sapiens. Die Adler kennen keine Rudel. Wenn sich zwei oder drei Adler bereit erkären würden die Beute zu teilen, hätten die Geier keine Chance.
7eggert 10.09.2014
3.
Noch mehr Infos: Geier sind extrem vorsichtig und landen erst, wenn andere Tiere unten nicht angegriffen wurden ... weil sie eben nicht so schnell starten können, wie Adler.
mundysfarm 10.09.2014
4. Alter Hut
Vor 15 Jahren arbeitete ich wiederholt in der Serengeti und die Researcher erklaerten mir dass es der Batelleur Adler war der die Geier von meilenwiet zu den Kadavern fuehren.. Die Geier selber benoetigen gute Augen um den Batelleur auf die Entfernung auszumachen... Na ja so ne Studie is natuerlich notwendig fuer den Wisssenschaftler... ist aber wie gesagt nichts Neues..
minsch 11.09.2014
5.
Mit Interesse nehme ich zur Kenntnis, dass die Geier den Neoliberalismus früher als die Menschen erfunden haben: Andere arbeiten lassen und dann, wenn die Früchte der Arbeit geerntet werden können, zuschlagen und sich diese aneignen.
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