Nahrungstrick: Fledermäuse schlürfen mit Zungen-Mopp

Wie sammelt man in Sekundenbruchteilen möglichst viel Nahrung, während man kraftraubend vor dem Ziel flattert? Eine Fledermausart hat dafür ein besonderes Werkzeug entwickelt: den Zungen-Mopp.

Cally J. Harper

Hamburg - Im Tierreich gibt es so manche beeindruckende Zunge. Chamäleons etwa können ihre auf die eineinhalbfache Länge ihres Körpers ausfahren und Insekten fangen, Ameisenbären angeln sich auf ähnliche Art massenhaft Termiten. Selbst manche Fledermäuse müssen vor einem Vergleich nicht zurückschrecken - wie etwa Tiere der Art Glossophaga soricina.

Beim Nektarsammeln schweben die in Amerika lebenden Fledermäuse ähnlich wie Kolibris vor den Blüten. Damit sich der damit verbundene große Energieaufwand lohnt, müssen die Tiere die Aufnahme des Nährstoffes maximieren. Schon seit Jahrzehnten war bekannt, dass die Fledermäuse haarartige Fasern auf der Zunge tragen. Doch bisher dachte man, dies diene lediglich passiv dazu, die Oberfläche zu vergrößern.

Jetzt aber haben Biologen herausgefunden, dass das längst nicht alles ist. Die Forscher um Cally Harper von der Brown University in Providence (US-Staat Rhode Island) untersuchten unter anderem mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, wie die Tiere beim Nektarsaugen vorgehen.

Haarartige Fasern auf der Zunge

Wie die Forscher im US-Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, schießt zunächst die in der Blüte zylindrische Zunge nach vorne. Dabei ziehen sich Muskelfasern so zusammen, dass die Zunge länger und dünner wird, ohne dass sich ihr Gesamtvolumen ändert. Gleichzeitig presst diese Kontraktion Blut in die feinen Fasern. Diese richten sich dadurch blitzschnell senkrecht zur Zungenachse auf und vergrößern damit nicht nur die Oberfläche, sondern verbreitern die Zunge auch so, dass die Tiere möglichst viel Nektar aus der Blüte schlürfen.

Die Filmaufnahmen zeigen, dass das einströmende Blut auch die Farbe der Fasern von einem schwachen Rosa zu einem hellen Rot verändert. Beim Einziehen ist die Zunge dann von einem Nektarfilm überzogen. Harper bezeichnet den Mechanismus als "hämodynamischen Nektar-Mopp". Er helfe der Fledermaus wahrscheinlich, begrenzte Nektarvorräte voll auszunutzen, um den energieaufwendigen Lebensstil betreiben zu können.

Ob andere Nektar schlürfende Fledermäuse den gleichen Mechanismus nutzen, wissen die Forscher nicht. Möglicherweise habe der Honigbeutler, ein australisches Beuteltier, einen ähnlichen Trick auf Lager.

mbe/dpa

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