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Nashorn-Art vor dem Aussterben: Da waren's nur noch fünf

Artensterben: Nördliches Breitmaulnashorn vor dem Aus Fotos
AP

Das Nördliche Breitmaulnashorn steht kurz vor dem Aussterben: Ganze sechs Exemplare gab es auf der Welt - nun ist ein weiteres gestorben. Forscher haben nur noch eine Hoffnung.

Nola lebt nun allein, denn Angalifu ist tot. Das Breitmaulnashorn starb im San Diego Zoo Safari Park eines natürlichen Todes, im Alter von 44 Jahren. Ein Verlust für den Zoo und seine Besucher. Doch der Tod des Bullen hat eine viel größere Dimension. Er war einer von sechs verbliebenen Nördlichen Breitmaulnashörnern. Nun gibt es weltweit nur noch fünf Tiere.

"Angalifus Tod ist ein gewaltiger Verlust für uns alle", sagte Randy Rieches, Kurator des Safari Parks. "Nicht nur, weil er hier im Park sehr beliebt war, sondern auch, weil sein Tod die gesamte Spezies dem Aussterben einen Schritt näherbringt." Das Nördliche Breitmaulnashorn gilt als das seltenste Großsäugetier der Welt. Ursprünglich war es im Kongo und in Uganda in Richtung des Tschad und Sudan verbreitet.

Von den verbliebenen Nördlichen Breitmaulnashörnern lebt eins in Tschechien, in einem Zoo in Dvur Králové, und drei weitere Tiere im Reservat Ol Pejeta in Kenia, darunter ein Bulle. Allerdings scheint eine natürliche Fortpflanzung der Nashörner unwahrscheinlich.

Vergangene Woche hatten Verantwortliche des Ol-Pejeta-Parks mitgeteilt, dass die Dickhäuter nicht mehr in der Lage sind, sich auf natürlichem Weg fortzupflanzen. Sie sind inzwischen zu alt. Noch im Dezember 2009 hatte man vier Exemplare extra aus Tschechien nach Kenia gebracht, in der Hoffnung, sie könnten sich in ihrer natürlichen Umgebung leichter fortpflanzen. Doch der einzige für die Zucht infrage kommende Bulle starb im Oktober 2014. Auch der nun verstorbene Angalifu und die Nashorndame Nola haben sich nie erfolgreich fortgepflanzt.

Künstliche Befruchtung soll es richten

Forscher wollen versuchen, die Nördlichen Breitmaulnashörner über künstliche Befruchtung am Leben zu halten. Im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin liegt das Sperma des im Oktober in Kenia gestorbenen, zeugungsfähigen Bullen. Mit ihm ließe sich die Eizelle eines Nördlichen Breitmaulnashorn-Weibchens befruchten. Ein junges, südliches Breitmaulnashorn könnte den Embryo austragen.

Auch die Zahl der Südlichen Breitmaulnashörner, die in Angola, Namibia, Botswana, Simbabwe und Mosambik vorkommen, war einst bedenklich niedrig. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es nur noch etwa 20 Tiere. Inzwischen hat sich die Population erholt. In Schutzgebieten im Süden Afrikas leben heute etwa 20.000 Südliche Breitmaulnashörner, es handelt sich damit um die am weitesten verbreitete Nashornart.

Es gibt weitere Beispiele, dass sich extrem niedrige Tierbestände wieder erholen können. So berichteten Forscher im Mai 2013, dass die heute lebenden Zwergkiwis von nur fünf Exemplaren abstammen, die 1912 auf Kapiti Island ausgesetzt wurden. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Nashörnern und Kiwis: Die Vögel pflanzen sich deutlich intensiver fort als Nashörner. Aufgeben kommt für die Forscher dennoch nicht infrage.

Einer der wichtigsten Ursachen des Nashornsterbens ist die große Gier nach Horn. In Asien werden ihm heilende oder potenzsteigernde Kräfte zugeschrieben, weshalb kriminelle Banden sich auf den Handel mit dem Material spezialisiert haben. Die Uno schätzt, dass Händler jedes Jahr über 200 Milliarden Dollar (147 Milliarden Euro) mit dem Handel illegaler Tierprodukte wie Horn oder Elfenbein umsetzen. Schätzungen zufolge leben insgesamt noch 25.000 Nashörner auf dem afrikanischen Kontinent. Das nördliche Breitmaulnashorn könnte es schon bald gar nicht mehr geben.

jme/AP/Reuters

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