Kampf gegen Nashorn-Wilderei 38 von 8000 Kilo

2014 töteten Wilderer in Südafrika so viele Nashörner wie nie zuvor, sie verkauften geschätzte 8000 Kilo Hörner auf dem Schwarzmarkt. Nun wurden 38 Kilo entdeckt - in Vietnam.

Nashorn in Südafrika: 1215 Tiere wurden in dem Land 2014 von Wilderern getötet
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Nashorn in Südafrika: 1215 Tiere wurden in dem Land 2014 von Wilderern getötet


Die Polizei in Vietnam hat 38 Kilo geschmuggelte Nashorn-Hörner sichergestellt. Sie nahm zwei Männer fest. Die Männer hatten die Hörner im Schwarzmarktwert von bis zu drei Millionen Euro in Taschen versteckt und wurden festgenommen, als sie in der Provinz Nghe An im Norden des Landes aus einem Zug stiegen, wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte. Einer der beiden sagte, er sei lediglich als Kurier angeheuert gewesen.

Auf dem Schwarzmarkt werden bis zu 80.000 US-Dollar für ein Kilo Horn gezahlt, es ist teurer als Gold oder Heroin. Ein vollständiges Nashorn-Horn wiegt zwischen einem und zehn Kilogramm; die afrikanischen Tiere haben zwei Hörner, ein großes und ein kleines.

Die hohen Preise entstehen vor allem durch die riesige Nachfrage in Fernost. Besonders die neue Mittelschicht möchte sich mit exotischen Tierprodukten wie Elfenbein, Bärengalle oder Tigerknochenpaste schmücken, es sind Prestigeobjekte, die den sozialen Aufstieg symbolisieren.

Besonders beliebt ist Nashorn-Mehl. Es wird in Vietnam unter anderem zum Fiebersenken, Schmerzlindern und gegen schwere Krankheiten in der traditionellen Medizin verwendet - auch wenn es keinerlei wissenschaftlichen Nachweis gibt, dass die Methode helfen würde. Das Horn besteht wie menschliche Fingernägel oder Haare hauptsächlich aus Keratin, einer Substanz, die keinerlei medizinische Wirkung hat.

Totes Nashorn im Krüger-Nationalpark: Gegen den Menschen keine Chance
AFP

Totes Nashorn im Krüger-Nationalpark: Gegen den Menschen keine Chance

Südafrikanische Sicherheitskräfte jagen Wilderer mit Spezialkräften, mit Polizei und Militärs. Mit Drohnen suchen sie das riesige Gebiet des Krüger-Parks ab, auf dem Schätzungen der Parkdirektion zufolge jeden Tag im Schnitt 15 Wilderergruppen auf die Jagd gehen. SPIEGEL-Reporter, die das Geschäft der Nashorn-Wilderer nachzeichnen wollten, gerieten jüngst ins Visier der Kriminellen.

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage in Vietnam und China hat die Nashornwilderei in Afrika dramatische Ausmaße angenommen. Wilderer in Südafrika haben im vergangenen Jahr bei der Jagd auf die ohnehin vom Aussterben bedrohten Nashörner einen neuen traurigen Rekord aufgestellt.

Die Zahl der durch Wilderei getöteten Nashörner sei 2014 um 21 Prozent auf 1215 Exemplare gestiegen, teilte die südafrikanische Umweltministerin Edna Molewa mit. 2013 seien es noch 1004 Tiere gewesen. Grob hochgerechnet erbeuteten Wilderer also etwa 8000 Kilo Horn. Die Wilderei sei Teil eines "illegalen Handels weltweit", kritisierte die Ministerin.

Mehr als zwei Drittel der 1215 getöteten Nashörner wurden aus dem Krüger-Nationalpark gemeldet. Um die bedrohte Tierart zu schützen, seien mehr als hundert Nashörner an sicherere Orte in Südafrika oder anderen Ländern gebracht worden, teilte Molewa mit. "Mit dieser Methode wollen wir Nashorn-Hochburgen schaffen, Gegenden, in denen Nashörner kostengünstig gezüchtet werden können", fügte die Ministerin hinzu. Ein entsprechendes Programm war im vergangenen Jahr aufgelegt worden.

Während es derzeit noch etwa 20.000 Südliche Breitmaulnashörner gibt, ist die Lage ihrer nördlichen Verwandten bereits dramatisch schlecht. Im Dezember 2014 starb eines der letzten Tiere in einem amerikanischen Zoo, jetzt leben weltweit nur noch fünf Exemplare. Kurz zuvor war das letzte zeugungsfähige Männchen tot in einem Nationalpark aufgefunden worden. Für das Nördliche Breitmaulnashorn ist künstliche Befruchtung die letzte Hoffnung.

boj/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
drizzt 11.05.2015
1. Käufermarkt
Da hilft nur der so oft bemühte Spruch: Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin. Ähnlich verhält es sich hier. Stell Dir vor die Leute wollen Nashörner verkaufen und keine will sie haben. Wie schnell sich die Sache dann wohl erledigt hätte?
raimas 11.05.2015
2. Organisierte Kriminalität
Wenn 38 kg Horn 3 Millionen wert sind, kann man sich ausrechnen, was 8 Tonnen einbringen. Zusammen mit dem Elfenbeinschmuggel ist das ein Milliardengeschäft. Der Handel mit geschützten Arten ist schon längst eines der Standbeine der organisierten Kriminalität, neben dem Handel mit Drogen, mit Menschen und mit Waffen. Nicht nur die Händler in Ostasien, auch die Zwischenhändler in Afrika verdienen daran gewaltig. Fast alle afrikanischen Terrormilizen, egal ob Al-Shaabab, Lords Resistance Army, Janjaweed, Seleka und Antibalaka in der Zentralafrikanischen Republik, und garantiert auch Boko Haram finanzieren sich u.a. über Wilderei. Das Thema sollte nicht länger NGOs überlassen bleiben, die mit Fotos von kulleräugigen Tieren um Spenden werben; es gehört auf die weltpolitsche Bühne!
neanderspezi 11.05.2015
3. Wildtierschlächter und Aufkäufer von Körperteilen erlegter Tiere müssen stärker verfolgt und härter bestraft werden
Es sieht doch tatsächlich so aus, als ob die Menschheit für ihren mörderischen Wahn, die Artenvielfalt zu dezimieren, nie zur Rechenschaft gezogen würde. Es existiert eine permanente Gier, sich ohne Rücksicht auf die Erhaltung eines biologischen Gleichgewichts, auf die Erhaltung der ohnehin vom Aussterben bedrohten Arten, auf die zunehmend nachteiligen Folgen auf Flora und Fauna einer auf reine Nutztierhaltung reduzierten Region und nicht zuletzt ohne Bedenken auf den Wunsch nachfolgender Generationen möglichst viele Arten beobachten zu können, der Wildtiere zu bedienen und sie abzuschlachten, um unausrottbare und unsinnige Motive zu bedienen, deren Körperteile in Ostasien extrem teuer als Wundermittel und um einen Statuswahn zu bedienen, extrem teuer zu verhökern. Hier fragt man sich, welche Kultur krankt hier mehr, die welche wildernd die letzten Exemplare gefährdeter Spezies im eigenen Land aus Eigennutz jagt oder die, welche aus irrsinniger Heil- und Wundergläubigkeit Körperteile dieser Wildtiere zu erwerben trachtet. Gibt es auf dieser Welt den tatsächlich keine geistige Höherentwicklung bei Homo sapiens?
torpedo-of-truth 11.05.2015
4.
Es ist Wahnsinn was dort abgeht mit den Wilderern. Elefanten, Nashörner, Antilopen, Giraffen,.... Warum verstehen die Leute vor Ort nicht, das wenn die letzten Tiere dieser Art ausgerottet wurden, keiner mehr zu ihnen kommt um Urlaub zu machen? Wer will schon eine leere Wüste sehen? Erst wenn es zu spät ist, und das Land keinen Cent mehr durch Urlauber einnimmt, werden sie es verstehen. Es ist einfach nur traurig. Wenn es so weitergeht werden unsere Enkel keine freilebenden Elefanten und Nashörner mehr sehen könne (vielleicht noch nicht mal mehr in Gefangenschaft lebende) Aber Griechenland retten ist ja viiiiiiiel wichtiger....
7eggert 11.05.2015
5. Preise kaputtmachen
Einfach mit Kuhhorn die Preise kaputtmachen. Ohne Absatzmarkt keine Wilderei.
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