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Naturparks: Schutzgebiete nutzen der Bevölkerung, nicht der Umwelt

Die Einrichtung von Naturparks in Afrika und Lateinamerika zahlt sich aus - und zwar für die Bevölkerung, die in ihrem Umfeld besonders schnell wächst. Der Haken daran: Pflanzen- und Tierwelt, die eigentlich geschützt werden sollten, nehmen oft Schaden.

Washington - Der Zusammenhang, den Forscher um George Wittemyer von der University of California in Berkeley gefunden haben, ist simpel und nicht Sinn der Sache: Je mehr Geld des Globalen Umweltfonds (GEF) in ein Schutzgebiet floss, desto mehr Menschen zogen dort hin. Die Investitionen führten zum Bau von Straßen, Schulen, Kliniken oder Abwasserreinigungsanlagen - also zu einer Infrastruktur, die in anderen Teilen der Länder oft fehlt, schreiben die Forscher.

Im Umfeld der Schutzgebiete gebe es bessere Arbeitsmöglichkeiten und eine bessere Infrastruktur, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" (Bd. 321, S. 123). Ihre Studie widerspreche der oft geäußerten Befürchtung, die Parks würden als eine Form des Neokolonialismus die lokale Bevölkerung von der traditionellen Landnutzung und den natürlichen Ressourcen ausschließen.

Die Wissenschaftler hatten sich 306 von der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN ausgewiesene Schutzgebiete in 45 Ländern Afrikas und Lateinamerikas angesehen. In den vergangenen 30 Jahren sei die insgesamt unter Schutz gestellte Landfläche um 500 Prozent gestiegen. Experten waren jedoch bislang uneins darüber, ob diese Entwicklung auch der ansässigen Bevölkerung zugutekommt.

Das Fazit des Wittemyer-Teams: In 245 dieser Gebiete war das Bevölkerungswachstum höher als in ländlichen Gegenden des gleichen Landes. Die Wissenschaftler zeigten, dass dieser Unterschied nicht nur auf bessere landwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten in der Nähe der Parks zurückzuführen ist. Da die Bevölkerungszahlen auch im Inneren der Parks nicht sank, könne man auch ausschließen, dass die dort lebenden Menschen einfach an die Ränder der Schutzzone gewandert waren.

Für die Natur habe die Einrichtung der Parks allerdings durchaus Schattenseiten, beklagen die Wissenschaftler. In der direkten Umgebung bedrohe die Ansiedlung der Menschen Naturschutz und Artenvielfalt. So sei die Abholzungsrate in Wäldern um die Schutzgebiete herum am höchsten, wo das Bevölkerungswachstum am stärksten sei. Wenn Menschen aufgrund der besseren ökonomischen Möglichkeiten in die Nähe von Schutzgebieten ziehen, verschlimmere dies ironischerweise die Bedrohung der Artenvielfalt, die die Schutzgebiete eigentlich mindern wollten.

chs/dpa

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Naturparks: Schutzgebiete attraktiv für lokale Bevölkerung


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