Naturschützer Japaner schlachteten über 16.000 Kleinwale

Trotz heftiger Proteste hat Japan die Jagd auf Meeressäuger wieder eröffnet. In der letzten Saison tötete die Fangflotte nach Angaben von Naturschützern auch Tausende Kleinwale einer gefährdeten Art.


Gefangene Dall-Hafenschweinswale: "Über internationale Proteste hinweggesetzt"
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Gefangene Dall-Hafenschweinswale: "Über internationale Proteste hinweggesetzt"

Für die japanischen Walfänger hat die Jagdsaison begonnen: Am Dienstag brach unter dem Protest von Tierschützern eine Flotte zu einer sechsmonatigen Fahrt in antarktische Gewässer auf. Dort sollen die Schiffe Jagd auf rund 400 Zwergwale machen - als Teil eines japanischen Forschungsprogramm, wie die offizielle Begründung lautet.

Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace protestierten im Hafen von Shimonoseki gegen die Jagd und riefen: "Die Welt sieht euch zu". Die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte zwar 1986 ein globales Walfangverbot erlassen, Japan wurde jedoch eine begrenzte Fangmenge zu wissenschaftlichen Zwecken zugestanden.

Walfleisch gilt in Japan als Delikatesse und taucht trotz des Verbots auf Speisekarten von Feinschmecker-Restaurants auf. Als Ersatz für das begehrte Fleisch dienen auch ungeschützte Kleinwale und Delfine. Wie die Artenschutzorganisation Pro Wildlife jetzt unter Berufung auf interne Dokumente der japanischen Regierung berichtet, wurden in der vergangenen Saison mehr als 16.000 Dall-Hafenschweinswale (Phocoenoides dalli) auf brutale Weise abgeschlachtet - deutlich mehr als im Jahr zuvor.

"Auch für diese Saison sind ähnlich hohe Fangzahlen zu erwarten, denn Japan setzt sich konsequent über internationale Proteste hinweg", klagt Sandra Altherr, Meeresexpertin von Pro Wildlife. Die Bestandsentwicklung der kleinen Walart ist den Artenschützern zufolge alarmierend. Auch die IWC hatte im Juli ein sofortiges Einstellen der Jagd auf Dall-Hafenschweinswale gefordert, wovon sich Japan jedoch unbeeindruckt zeigte.

Auch die Population des Zwergwals ist möglicherweise nicht so stark, wie es die Walfang-Befürworter darstellen. Japan geht von etwa 760.000 Tieren in der Antarktis aus. Kritikern zufolge ist die Population jedoch weitaus geringer. Auf Grund der Bedenken hatte die IWC auf ihrer letzten Konferenz die japanische Regierung erneut aufgefordert, die Jagd auf Zwergwale zu stoppen.

Die nun gestartete Expedition in die Antarktis wurde auch von der neuseeländischen Regierung kritisiert. Sie hält die Beteuerung der Japaner, die Tötungsaktion diene lediglich Forschungszwecken, für vorgeschoben. Neuseeland und andere Länder wollen eine Schutzzone für Wale auf der Südhalbkugel einrichten. Japan dagegen fordert die Aufhebung des 15 Jahre alten Walfangverbots. Die nächste IWC-Konferenz findet im Mai in Shimonoseki statt.



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