Naturzerstörung: Forscher warnen vor Reaktionen auf den Klimawandel

Der Klimawandel hat das Potential, weltweit ungeheure Schäden zu verursachen. Doch jetzt warnen Forscher vor der Reaktion der Menschheit: Sie könnte stellenweise noch schwerere Konsequenzen haben als die Erwärmung selbst.

Brandrodung im Amazonas-Gebiet: Gefahr durch menschliche Migration Zur Großansicht
AP

Brandrodung im Amazonas-Gebiet: Gefahr durch menschliche Migration

Die Untersuchungen über die Folgen des Klimawandels könnten inzwischen ganze Bibliotheken füllen: Wie er die Artenvielfalt in unterschiedlichen Weltregionen beeinflusst, wie groß die Gefahr der Überflutung von Küstengebieten ist, wie schnell die polaren Eiskappen dahinschmelzen - all das wird von Tausenden Forschern seit Jahren erkundet.

"Aber bisher wurde nur sehr wenig Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken, was unsere Reaktionen auf den Klimawandel dem Planeten antun könnten", meint Will Turner von der Umweltorganisation Conservation International. Gemeinsam mit Forschern der amerikanischen Princeton University hat Turner im Fachblatt "Conservation Letters" eine Studie über die potentiellen Folgen der menschlichen Reaktionen auf Klimafolgen veröffentlicht - und sie klingt alles andere als beruhigend.

Ein Fünftel der heute noch existierenden tropischen Wälder liegen demnach im Umkreis von 50 Kilometern um menschliche Siedlungen, die unter Wasser gesetzt werden könnten, sollten die Meeresspiegel um einen Meter steigen. Ein solcher Pegelanstieg ist nach Ansicht von Klimaforschern durchaus im Bereich des Möglichen, sollte die Welt ihren Kohlendioxid-Ausstoß nicht schnell in den Griff bekommen - und danach sieht es derzeit nicht aus.

Die Wälder in der Nähe von Siedlungen wären attraktive Quellen von Brennholz, Baumaterial, Nahrung und anderen wichtigen Ressourcen, warnen Turner und seine Kollegen. Dass eine klimabedingte Wanderung hin zu diesen Vorkommen keine positiven Folgen für die tropischen Wälder hätte, liegt auf der Hand. Auch befänden sich die Lebensräume zahlreicher bedrohter Tierarten in dem 50-Kilometer-Umkreis.

Negative Folgen alternativer Energien

Auch der Ausbau der Nutzung regenerativer Energien muss der Umwelt nicht immer gut tun, betonen die Wissenschaftler. Der Bau von Dämmen zur Nutzung der Wasserkraft etwa könne schwere Schäden in den Süßwasser-Ökosystemen nach sich ziehen, ganz zu schweigen von der Überflutung ganzer Täler. Auch die falsche Vorstellung, dass Biosprit die Treibhausgas-Emissionen senke, werde noch immer als Grund vorgeschoben, große Regenwald-Gebiete abzuholzen und etwa für den Zuckerrohr-Anbau zu nutzen.

Historische Beispiele hätten gezeigt, welche Folgen menschliche Wanderungsbewegungen haben können, so die Forscher. So sei es gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts in Burkina Faso zu klimabedingter Migration gekommen. Das habe zu einem 13-prozentigen Rückgang der Waldbedeckung geführt, weil neue Ackerflächen benötigt worden seien. In Ghana wiederum habe die Dezimierung der Fischvorkommen zu einer verstärkten Jagd auf Affen geführt.

Ein weiteres Beispiel sei der Tsunami in Südasien, der 2004 mehrere Hunderttausend Menschen das Leben kostete. Zwar hatte der Tsunami selbst nichts mit dem Klimawandel zu tun. "Aber viele der Reaktionen, die er in Gang gesetzt hat, sind vergleichbar mit denen auf extreme Wetterereignisse", meint Turner. Die tropischen Wälder, etwa in der Region Aceh, hätten durch die anschließende Suche nach Baumaterialien und durch die schlechte Wahl neuer Gebäude-Standorte schwere Schäden genommen.

"Das kann uns eine Lehre sein", so Turner. "Wenn wir uns nicht das ganze Bild, sondern nur kleine Teile anschauen, könnten wir mit unserer Reaktion der Artenvielfalt und den Ökosystemen mehr Schaden anrichten als der Klimawandel selbst."

mbe

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Forum - Sind die USA stark genug, um "grün" zu werden?
insgesamt 396 Beiträge
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1.
AndyH 12.12.2009
Zitat von sysopDie Politik des US-Präsidenten Barack Obama soll auch eine Neuorientierung beim Umwelt- und Klimaschutz einschließen. Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten dieses angestrebten Wandels? Sind die USA gegen alle Widerstände stark genug, um "grün" zu werden? Diskutieren Sie mit!
Deutschland hat Rot Grün auch überlebt, aber die Schäden wird noch lange tragen müssen. Die USA kann "grünW werden, aber dann ist sie ihre Rolle als Weltmacht los. Krieg werden sie weiter führen, wie Rot-Grün in D auch getan hat, aber wirtschaftlich sacken sie weiter ab. Grüne USA = Aufstieg Chinas zur Weltmacht, bzw. China beherrscht Asien und Afrika, sowie die "Sozialisten" in Südamerika.
2.
forumgehts? 12.12.2009
Zitat von sysopDie Politik des US-Präsidenten Barack Obama soll auch eine Neuorientierung beim Umwelt- und Klimaschutz einschließen. Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten dieses angestrebten Wandels? Sind die USA gegen alle Widerstände stark genug, um "grün" zu werden? Diskutieren Sie mit!
Das Echo bis jetzt - 13:33 - ist wohl Antwort genug.
3.
Gebetsmühle 12.12.2009
Zitat von AndyHDeutschland hat Rot Grün auch überlebt, aber die Schäden wird noch lange tragen müssen. Die USA kann "grünW werden, aber dann ist sie ihre Rolle als Weltmacht los. Krieg werden sie weiter führen, wie Rot-Grün in D auch getan hat, aber wirtschaftlich sacken sie weiter ab. Grüne USA = Aufstieg Chinas zur Weltmacht, bzw. China beherrscht Asien und Afrika, sowie die "Sozialisten" in Südamerika.
deutschland trägt grad noch an den schäden den dilettantische bänkster angerichtet ham. und das noch die nächsten 20 jahre. die usa werden nie grün, weil sie dafür viel zu gierig sind. die wollen lieber untergehn.
4.
irobot 12.12.2009
Das ist keine Frage der Stärke, sondern der Einstellung. So lange viele US-Amerikaner es ihr für gottgegebenes Recht halten, viermal mehr Energie als zum ein Deutscher zu verbrauchen, wird sich nichts ändern.
5. Vielleicht hilft's, wenn ...
DerReimlicheKlappitalist 12.12.2009
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,666734,00.html er sich bei seiner Oba-Ma einmal richtig ausweint.
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Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Der Senat muss dem Gesetz noch zustimmen.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.