Navigation Zugvögel können Magnetfeld der Erde sehen

Ist das Geheimnis der Orientierung von Zugvögeln gelüftet? Forscher glauben, im Gehirn der Langstreckenflieger das Areal identifiziert zu haben, das für die erstaunlichen Navigationsfähigkeiten verantwortlich ist: Es ist ein Teil des Sehzentrums.

dpa

Zugvögel beeindrucken bei ihrer Reise in südliche Länder mit einer enormen Präzision. Dass sich die Langstreckenflieger grundsätzlich am Magnetfeld der Erde orientieren, ist schon länger bekannt. Wie diese Wahrnehmung aber genau funktioniert, war bisher nicht klar. Nun haben Forscher der Universität Oldenburg das Rätsel nach eigenen Angaben gelöst.

Verantwortlich für die Wahrnehmung des Magnetfelds sei ein Teil des Sehzentrums im Hirn der Vögel, schreiben Henrik Mouritsen und seine Kollegen im Fachmagazin "Nature". Ein Teil des Vogelkompasses befinde sich in einem Hirnteil namens Cluster N, wo auch Informationen der Augen verarbeitet werden.

Mit großer Wahrscheinlichkeit gebe es dort ein Molekül, das von dem Magnetfeld beeinflusst werde, sagte Mouritsen. Die Forscher konnten den Kompass der Vögel ausschalten, indem sie den Cluster N deaktivierten. Dann konnten sich die Tiere immer noch an der Sonne und den Sternen orientieren.

Bisher galten Eisenmineralkristalle in der oberen Schnabelhaut der Vögel als heiße Kandidaten für die Rolle der Magnetsensoren. Sie waren 1997 im Schnabel von Brieftauben entdeckt worden. Doch die Magnetitkörnchen spielen, wie die neuen Forschungen zeigen, offenbar keine entscheidende Rolle - zumindest nicht bei Rotkehlchen. Selbst wenn die Nervenverbindung zwischen den Körnchen und dem Gehirn deaktiviert worden sei, hätten die Vögel immer noch problemlos ihren magnetischen Kompass nutzen können, so die Forscher.

Die neuen Erkenntnisse könnten genutzt werden, um Zugvögel besser zu schützen, sagte Mouritsen. Oft bemühten sich Tierschützer, seltene Vögel in neue Brutgebiete umzusiedeln oder ihre Zugrouten zu ändern, um damit auf Gefahren und Veränderungen zu reagieren. Die meisten umgesiedelten Vögel seien jedoch zu ihren angestammten Winter- und Brutquartieren zurückgekehrt. Künftig könnte es bessere Chancen geben, gefährdete Populationen erfolgreich umzusiedeln. Man könne den Tieren zum Beispiel durch magnetische Impulse vorgaukeln, dass sie gar nicht umgesiedelt werden, schlagen die Forscher vor.

chs/dpa/ddp/AP

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